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Alt 10.07.2018, 12:54
...is mostly "Confuzzled"....
 
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Standard In den Gängen (2018)

Hat sich zu einem klitzekleinen "Sleeperhit" des deutschen Arthaus-/Independentkino 2018 entwickelt (also tendenziell 100.000 Besucher hierzulande). Was wohl auch an der Besetzung durch Sandra Hüller - dem weiblichen Star aus "Toni Erdmann" liegen mag (den ich immer noch nicht gesehen habe - immer dann, wenn ich soweit wäre, kommt mir wieder ein Bekannter in die Quere, der sich lang und breit negativ darüber auslässt. Und besonders die Lauflänge von 162 Minuten - bei der fast immer angeführt wird, dass die Hälfte davon problemlos ausgereicht hätte - mich immer wieder letztendlich davon abhält).
Sei es drum.
Dafür hätte ich dem hier noch weit über seine 125 Minuten Laufzeit folgen wollen....

Christian (Franz Rogowski - der derzeit im deutschen Independentkino jene Rollen zu übernehmen scheint, aus denen Frederick Lau, der jahrelang für selbige gecastet wurde,inzwischen zu ertragreicheren weil etwas mainstreamigeren Gründen aufgebrochen ist) tritt seinen ersten Arbeitstag in einem etwas angeranzten Einkaufsmarkt tief im Niemandsland der ostdeutschen Provinz an. Von Haus aus nicht der Gesprächigste, passt er auf diese Weise in die Belegschaft, deren Mitglieder allesamt nicht viele Worte machen.
Und sich in ihrem seit Jahren gepflegten Stellungskrieg zwischen den einzelnen Abteilungen eingerichtet haben.
Irgendwie wirken sie alle wie Gestrandete ihres Lebens - hier zwischen den Regalen, die es gilt sisiphosmäßig aufzufüllen.
Um tagtäglich bei Dienstschluss von Leiter Wolfgang (Henning Peker - dessen Gesicht und Augen so unendlich viel zu erzählen haben, während der Mund keine Worte findet) per Händedruck in den wohlverdienten Feierabend verabschiedet zu werden. Der altgediente Mitarbeiter Bruno (Peter Kurth) darf Christian in der Abteilung Getränke anlernen und dessen Fortschritte bei der Handhabung des Gabelstaplers dokumentieren. Woraus so etwas wie Freundschaft entsteht.
Natürlich gilt bei Christians Lehrgang um den entsprechenden Führerschein zu bekommen: der legendäre Kurzfilm "Klaus, der Staplerfahrer" dient als Schulungsbonbon.
Während Christian ebenso lernt,seinen Arbeitsplatz als erste wirkliche Heimat seines Lebens anzusehen - sowohl seine Wohnung wie auch sein vorheriges Leben war/ist ein Zustand der Duldung des eigenen Seins. Von Dingen, die sich nicht ändern lassen.
Oder jenen, vor denen man nur weglaufen kann, indem man sie irgendwo in jener Abstellkammer kurz hinter jenem komischen Ding, das als Seele bezeichnet wird, ablegt.
Doch neigt jene Abstellkammer gerne dazu, sich zu öffnen, wenn man gerade einen kleinen Sonnenstrahl erhascht hat.
In diesem Fall verkörpert durch Marion (Sandra Hüller), die in der Süsswarenabteilung tätig ist.
Da diese allerdings verheiratet ist, bleibt nur eine Form von gegenseitiger Akzeptanz, die ihr Aufblühen in der Nähe des Anderen nicht verleugnen kann und will.
Weshalb die anderen Kolleginnen und Kollegen diese mit einer Mischung aus zärtlicher Faszination und Vorsicht beobachten.
Als Marion eines Tages wegen ihrer Krankschreibung nicht mehr kommt, fällt Christian in ein tiefes seelisches Loch....

Fußend auf einer Kurzgeschichte von Clemens Meyer, der auch das Drehbuch schrieb, gelingt Regisseur Thomas Stuber hier das Glück, eine jener Geschichten zu bebildern, in denen den Menschen aus der ewigen zweiten Reihe ein Kranz geflochten wird.
Das mag für Anhänger des deutschen Films, der sich zwischen den werbelichtdurchfluteten Bildern aus den Häusern "Schweiger"/"Schweighöfer"/"Elyas M´Barek" ungemein langweilig erscheinen - für Fans des Kinos von Wolfgang Becker (Das Leben ist eine Baustelle/Sommer vorm Balkon/Goodbye Lenin/Ich und Kaminsky), der grundsätzlich einen Blick für eben jene Menschen aus der zweiten Reihe besitzt, eingebettet in eine Inszenierung, die Erinnerungen an Jim Jarmushs "Down by Law" weckt, stellt dieses Kleinod eine echte Oase dar.
Einfach weil er weder aufklärerisch noch pädagogisch wertvoll erscheint/erscheinen will.
Sondern das Wunder des Alltags - das Jeunet in seiner "Fabelhaften Welt der Amelie" so treffend märchenhaft überhöht servierte - hier durch eine dermaßen reduzierte Art genauso stimmungsvoll einfängt.
Kriegte mich innerhalb von 5 Minuten, saugte mich förmlich in die Leinwand und dürfte in seiner Art in diesem Jahr kaum mehr übertroffen werden.
Stellt - zu diesem Zeitpunkt - die Spitze meiner Jahresbestenliste 2018 dar und sollte da auch bleiben. Kann mir derzeit nicht vorstellen, dass etwas gleichwertiges aus der Tiefe des Raumes in dieser ungekünstelt wirkenden Art noch angesegelt kommt...... (auch wenn man ja bekanntlich die Hoffnung nie aufgeben soll, schon recht! )
__________________
"God gave us our relatives; thank God we can choose our friends." - Ethel Watts Mumford - (quoted in "Mary & Max")
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