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Alt 19.09.2017, 21:34
Benutzerbild von Lex 217
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Standard mother! (Darren Aronofsky 2017)

Kein Thread? Na dann halt ich...

"mother!" ist der verstörendste Film, den ich je gesehen habe. Lars von Triers "Antichrist" ist das einzig Vergleichbare, und auch vor allem vom Grad der Verstörung her...

Der Film ist ein einziger Alptraum. Natürlich beginnt alles relativ harmlos, aber die Stimmung ist nie gut und entwickelt sich mit perfektem Timing auf einen einzigartigen Höhepunkt zu, der jeder Beschreibung trotzt.

Aronofsky legt falsche Spuren und leistet auch sonst eine gewisse Vorbereitungsarbeit, die man in der Rückschau erkennt - aber alles davon ist notwendig für das schlussendliche Erlebnis. Jennifer Lawrence spielt unbeschreiblich intensiv und nuanciert und es wirkt so mühelos - JETZT darf man ihr einen Oscar geben, auf jeden Fall. Bardem ist auch toll, immer in der schwierig zu transportierenden Balance zwischen irgendwie unheimlich und irgendwie eh in Ordnung.

Die Perspektive ist ausschließlich die der Protagonistin und das funktioniert hervorragend. Selten habe ich so sehr mitgelitten, vielleicht noch nie. Es gibt keine Musik, nur Geräusche, und das Set ist auf das Haus beschränkt, wenige schnell altbekannte Räume. Die Dialoge sind herrlich authentisch, im Nachhinein habe ich sogar das Gefühl, dass im Grunde wenig gesprochen wird.

Aronofsky bedient sich der Muster eines "home invasion"-Thrillers und treibt sie (in 2 Akten) auf eine abgefahrene, verstörende, surreale Spitze, die trotzdem glaubwürdig ist - und das ist wohl das Schlimmste daran. Dabei darf ein gewisser Symbolismus nicht fehlen und am Ende des Tages muss man "mother!" vermutlich ohnehin als großes Gleichnis sehen.

Ob dann die Interpretationen mehr biblisch, mehr feministisch oder gar schriftsteller-kritisch aussehen (oder in eine Richtung gehen, an die ich gar nicht denke), darf man hoffentlich jedem selbst überlassen... es ist ein weites Feld und "mother!" macht imho eine Menge Türen dahin auf...

10/10
(ich würde 11/10 geben, weil der echt die Skala sprengt und andere meiner 10/10 noch übertrifft)
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Alt 19.09.2017, 22:53
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Standard AW: mother! (Darren Aronofsky 2017)

Ich kann mich Lex da nur anschließen. Der Film ist von anfang an ein unglaublicher trip und ich bin immer noch nicht richtig in der lage zu sagen, was ich da gesehen habe (ich war letzten samstag drin).

Die ganze machart des films ist oscarwürdig (ne nominierung hätte der auf jeden fall verdient) und JLaw spielt unfassbar gut und intensiv. Das set, das fehlen von namen und musik und die bilder.... ich bin hin und weg davon.

Ich bin schon sehr lange nicht mehr so verstört aus dem kino gekommen (das letzte mal war Only God Forgives) aber ich bereue keine minute. So was habe ich nicht erwartet und bin froh den im kino gesehen zu haben
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Wenn man nie jemanden ins Vertrauen zieht, kann man schwerlich verraten werden. Kobayashi
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Alt 06.01.2018, 15:26
Benutzerbild von Sam Trautman
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Standard AW: mother! (Darren Aronofsky 2017)

Hier mal meine Ideen zum Film, enthält Spoiler

Vom Schmerz des Teilens

Am Anfang war das Feuer, aus dem Feuer entstand das Leben.
Ein Leben, eine Zweisamkeit welche jäh erschüttert wurde als die Menschen kamen
und das Teilen begann.

Darren Aronofsky ( The Wrestler )erzählt eine Geschichte des
Schmerzes und des Verlustes. Vom Schrecken der einseitigen Liebe, einstürzenden
Hoffnungen, untergehenden Welten und legt den Finger immer tiefer ins offene
Fleisch. In seinen besten Momenten kann Aranofsky ein Gemälde des Schreckens
erschaffen das einen Inne halten lässt und erschaudern. Mother! ist weniger
Unterhaltung, eher wie ein Besuch in einer Galerie: Man nimmt Platz. Vertieft
sich in das Gemälde und hält Inne, bis sich einem die ganze Herrlichkeit
offenbart. Aber man braucht Zeit, Geduld sehr viel Geduld.

Der Dichter ( Javier Bardem ) und seine Frau ( Jennifer
Lawrence ) bewohnen in der Abgeschiedenheit der Wildnis ihr zu renovierendes
Eigenheim, nach und nach passieren Dinge, die auf den ersten Blick seltsam
erscheinen. Nach Deutung der Symbolik aber in etwas verwandelt werden können
das ganz nah beim Menschen selbst zu finden ist. Ein Gefühlszustand der für
jeden erfahrbar ist, vielleicht schon mal harte Realität war. Als der Dichter
einen Gast zum übernachten herein bittet und daraufhin immer weitere Leute sich
ins Haus einquartieren, schrillen bei dessen Frau schon die Alarmglocken. Die
Vorboten des Horrors die im grandiosen Finale in einem abartigen Overkill die
Hölle über die Frau des Dichters hereinbrechen lässt. Wobei der Horror nur
wenig mit Blut oder von ihm verschmierte Gesichtern zu tun hat. Er spielt sich
woanders ab. Im Kopf bei der Rückkopplung der Gedanken beim Zuschauer.
Aranofsky zeigt wie Gefühle aussehen müssten wenn man sie auf eine Leinwand
packen könnte. Die passenden Bilder fürs Poesie Album der Ohnmacht. Worte als
Bilder. Unfassbar seine finale Zuspitzung der Dinge.

Nur ohne das Inne halten, ohne die Lust am entschlüsseln der
Deutung bleibt Mother! Ein wirres Machwerk ohne wirklichen Zusammenhang. Erst
das dechiffrieren der Ereignisse führt zu Erkenntnis das da monströses Kino
geschaffen wurde. Beim Versuch die Ding zu entschlüsseln bleiben Spoiler nicht
aus. Wer den Film nicht kennt sollte unbedingt folgende Reihenfolge beachten:
Erst Film dann weiterlesen. Der Dichter ist ein Egoist. Einem dem es nicht
genügt was er hat und nach so viel mehr giert. Ein Welteneinreiser.

Du liebst es das ich dich liebe

Die ungebetenen Gäste am Anfang symbolisieren nichts anderes
als das Teilen des Ehemanns, welches seiner Frau so missfällt. Der Ruhm den ihm
sein Schreiben eingebracht hat ist Teil seiner Persönlichkeit geworden. So darf
man die ungebeten Gäste weniger als Personen , sondern als Symbol des Teilens
sehen, später auch als Abspaltung von ihr nachdem sie ihm „Inspiration genug“
war. Sie genügt ihm nicht alleine, der Ruhm, die Anerkennung das sind die Dinge
mit denen sie nicht konkurrieren kann. So ist es auch nicht verwunderlich als
der Dichter sagt: Die Leute sie können mich wirklich verstehen. Und sie darauf
erwidert „aber ich liebe dich“. Anerkennung und Ruhm sind der Motor des
Dichters, sie ist nur die Inspiration.

Immer wieder sieht man im voranschreiten der Geschichte, im
Haus merkwürdige Risse aus denen Blut herausquillt. Die Frau des Dichters hat
den beiden ein Reich geschaffen, ein zu Hause . Je mehr ihr Mann sich entfernt
und sich dem Ruhm hingibt je mehr Risse bekommt das Haus. Das Haus als Seele.
Die Seelenwelt der Jennifer Lawrence.Noch expliziter wird es im finalen Akt als
hundert von Menschen das Haus in Schutt und Asche legen und alle in die Brüche
geht. Alles stirbt. Alles. Mit dieser radikalen Art des Films setzt Aranofsky
die Seelenwelt frei. Immer weiter entfernt sich ihr Mann von ihr. Ihr Haus wird
in Trümmern gelegt, das Haus das Heim, die Beziehung der beiden. Alles schwarz
und grau und zerstört. Und das ist der Moment. Hier angekommen wird das
Bild,welches Aranofsky zeichnet zum Meisterwerk. Ohne diese Deutung und einem
Interesse des Nachdenkens beim Schauen bleibt mother jedoch wohl nur ein
gewöhnliches Bild.
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Alt 21.02.2018, 10:30
Benutzerbild von S.W.A.M.
Irgendwas mit Raumschiffen
 
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Standard AW: mother! (Darren Aronofsky 2017)

Genialer Streifen! Damit wollte sich Herr Aronofsky wohl für seinen peinlichen Arche-Noah-Ausrutscher entschuldigen. Hier präsentiert er die christliche Schöpfungsgeschichte noch mal in Form eines modernen Alptraums!

Wie man Jennifer Lawrence hierfür für die Goldene Himbeere nominieren konnte, ist mir schleierhaft. Und Javier Bardem ist absolut fantastisch! Zwar netter, aber in letzter Konsequenz noch gruseliger als in "No Country for old men".
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Alt 25.02.2018, 13:55
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Standard AW: mother! (Darren Aronofsky 2017)

Ha ha ha bin da genau deiner Meinung, Noah war einfach nur schlecht und peinlich enttäuschend. Von der goldenen Himbeere wusste ich gar nichts, da sieht man einfach das solche Veranstaltungen genau wie die Oscar nicht so ernst genommen werden dürfen.
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