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Alt 06.09.2017, 00:49
...is mostly "Confuzzled"....
 
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scholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich sein
Standard Jugend ohne Gott (2017)

Auch wenn das "aus Köppen" zugefotoshoppte Kinoplakat mal so uninspiriert nichtssagend wirkt - das Vorankündigungsplakat "kriegte" mich. Vielleicht auch aufgrund der architektonischen kalten Leere in der die Figuren da etwas an den Rand gedrängt wirkten.... Auf jeden Fall schien CONSTANTIN FILM irgendwie ratlos ob der Vermarktung. Dabei hatten sie durchaus den richtigen Riecher - wie vor 10 Jahren schon Morton Ruhes Klassiker "Die Welle" zu entstauben und einer neuen Generation zugänglich zu machen - auch bei Ödön von Horvath´s immerhin schon 80 Jahre altem Buch sind entsprechende politische Tendenzen des sich im Aufbruch befindlichen 1000jährigen Reiches der dramatische Aufhänger. In der Neuinterpretation wird diese zugunsten einer allgemein zugänglicheren politisch-gesellschaftlichen Haltung "entschlackt".
Und schafft es sein Anliegen dennoch nicht zu verfehlen...

Die Gesellschaft im neuen Deutschland ist in zwei Lager zerfallen: "die da oben und die da unten".
Ein Punktesystem steuert die Zugehörigkeit in den Schulklassen in denen auch "wirtschaftlich benachteiligten aber dennoch intellektuellen" Vertreter/n/innen Zugang gewährt werden soll.
Dies ist aber reine Makulatur, wie der Schüler Zacharias (Jannis Niewöhner) erkennen muss.
Nach dem Selbstmord seines Vaters - eines reichen Industriellen - ist er eher in sich gekehrt und beginnt die herrschende Haltung im innerschulischen Leistungskampf zu hinterfragen.
Womit er in kurzer Zeit allein da steht.
Sein Lehrer (Fahri Yardim in seiner - für meinen Geschmack - bislang besten Rolle) sieht dies mit Wohlwollen, andererseits mit leichter Sorge, weil Zach sich auf diese Weise "teammäßig" ins "Aus" setzt.
Als es in den Ferien in ein Camp geht, das die Fähigkeiten der ausgewählten Schülerinnen und Schüler soweit fördern soll, dass sich aus ihnen die "Besten der Besten" für den weiteren Studienweg qualifiziert absetzen, ist die aus der Unterschicht stammende Nadesh (Alicia von Rittberg) Feuer und Flamme für ihn.
Aber ob ihrer hilfreich-erdrückenden Art bald ein rotes Tuch für Zach, der sich hier Abstand und zwischenzeitliche Zeit "für sich" und seine Gedanken erhoffte.
Letztere vertraut er einem Tagebuch an - ein Umstand, den die Leiterin des Camps (Anna Maria Mühe) als "Teamunfähigkeit" (weil Geheimnisse nicht erwünscht sind) ansieht.
Als Zach Nadesch dabei ertappt, wie diese sein Tagebuch liest, kommt es zu einem folgenschweren Zerwürfnis zwischen den Beiden.
Der ehrgeizige - und systemtreue - Titus (Jannik Schürmann) sieht dies nicht ohne Eigennutz.
Und der Lehrer all dies nicht ohne wachsende Sorge. Hat ihm die Campleiterin zu verstehen gegeben, dass auch ihm am Ende der Zeit eine Beurteilung bevor steht.
Als "Illegale" - Menschen, die sich aufgrund der herrschenden Gesetzgebung nicht auf dem Gebiet des Camps aufhalten dürfen (und sich dort nehmen was sie zum Leben brauchen) - gemeldet werden, trifft Zach auf selbige.
Und die unangepasste, rebellische Ewa (Emilia Schüle).
Das erste Gefühl in Sachen Liebe das Zach vollkommen unvorbereitet in Kopf, Herz und Lenden fährt, wird für jeden im Camp zum Prüfstein werden.....

Nach kurzer Sichtung der Inhaltsangabe der literarischen Vorlage, ist von mir zu vermelden: vollkommen rund neu interpretiert.
Da können sich die viel gehypten und besungenen Jugenddystopien a la "Panem" oder "Maze Runner" ein ganzes Stück von abschneiden.
Zumal dieses filmische Update durchaus auch Züge des Kerns aus "Club der toten Dichter" transportiert.
Regisseur Alain Gsponer - der u.a. die Neuinterpretation von "Heidi" vor zwei Jahren zum Überraschungshit werden ließ (was ich nie und nimmer so erwartet hätte - weshalb ich den auch schön links liegen ließ) und "Lila, Lila" mit Daniel Brühl sowie die schöne Kinderbuchklassikerverfilmung "Das kleine Gespenst" schuf - hat sich hiermit in die Position jener Regisseure gebracht, die ich von nun an im Auge behalten werden.
Zumal das Drehbuch ab dem Augenblick in dem ich die Inhaltsangabe abgebrochen habe, sich dramaturgisch und inszenatorisch länger nicht mehr bemühte Wege benutzt. Und die wirken. Nachhaltig.
Genau wie der Komponist Enis Rotthoff (Die blaue Grenze/Er ist wieder da/Vier gegen die Bank) dessen Score der Dramaturgie gelungen beisteht - ohne die Szenerie zuzusuppen und der Kameramann Frank Lamm, die ihren nicht unerheblichen Teil dazu beitragen, das dieses Werk komplett "rund" erscheint.
Im Kanon der deutschsprachigen Filme die - relativ groß gestartet - vom Mainstreampublikum kaum bis gar nicht wahrgenommen (und von nahezu jedem der ihnen begegnete mehr als zufrieden umarmt) wurden, pack ich den in die "scholley007"-Liste des deutschen Films in der ich Werke wie "Das finstere Tal" (schon recht - deutsch-österreichisch), "3096 Tage", "Wir sind die Nacht" und "Muxmäuschenstill" stehen hab.
Und letztendlich der einzige Streifen aus der Welle der Jugenddystopien der es später verdient hat, sich neben "Hüter der Erinnerung - The Giver" ins Regal stellen zu lassen.

Ich bin ehrlich gespannt, ob sich jemand vor Ende des Kinolaufs dazu hinreißen lässt, dem Thread hier weiteres schriftliches Futter zu liefern.
__________________
"God gave us our relatives; thank God we can choose our friends." - Ethel Watts Mumford - (quoted in "Mary & Max")

Geändert von scholley007 (06.09.2017 um 00:53 Uhr)
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