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  #16 (permalink)  
Alt 29.03.2006, 02:20
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Alt 06.05.2006, 21:52
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Richard II. bei den Ruhrfestspielen
Mit Kevin Spacey. Sehr gelungene, behutsam modernisierte (deshalb glücklicherweise wenig plakativ-skandalträchtige) Inszenierung von Trevor Nunn. Nunn inszeniert den Sturz Richards als Sieg der graumelierten, kühlen Technokraten über einen Mann, dessen rätselhaftes Pendeln zwischen Pathos und Poesie, zwischen Rage und Zerbrechlichkeit so gar nicht mehr in eine pragmatisch werdende Zeit passen will. Spacey und sein Counterpart Greg Wise (Henry Bolingbroke, der kommende Henry IV.) schenken sich nichts, beide agieren auf höchstem Niveau. Shakespeare, dass es eine Freude ist, auch wenn mit Sicherheit dem einen oder anderen die Inszenierung zu "unspektakulär" daher kommen dürfte. Ganz insgesamt ein grandioses Ensemble und ein wunderbarer Samstagnachmittag.

tyler
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  #18 (permalink)  
Alt 25.05.2006, 13:34
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Damit ich hier auch endlich mal was schreiben kann: Hab gestern Love's A Luxury im English Theatre zu Vienna gesehn.
Konventionelle, aber wirklich unterhaltsame Verwechslungskomödie mit ein paar wirklich gut getimten Pointen.
War zwar kein Kevin Spacey mit von der Partie, aber eine Nebendarstellerin hat in KING RALPH an der Seite des legendären John Goodman gespielt!
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  #19 (permalink)  
Alt 29.05.2006, 18:12
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Die kahle Sängerin (Ionesco) am Bochumer Schauspielhaus. Absurdes Theater at it's best. Nicht so (was ja auch irgendwie eine Paradoxie ist) bedeutungsschwanger wie Beckett, mitunter seeeeehr witzig. Eine sehr schrullige, mitunter schon fast comedy-mäßige Inszenierung mit einem kleinen, sehr spielfreudigen Ensemble und einer grandiosen Bühne. Gerade die Anti-Parabeln am Schluss machen schon sehr viel Spaß, auch (oder gerade) wenn man mitunter einen Knoten im Hirn bekommt. Für Kinogänger besonders spaßig ist, dass einer der Ehemänner ein wenig wie Johnny Depp in "Fear in Loathing in Las Vegas" rüberkommt. Unbedingt sehenswert! Nächste Spieltermine: 5./9./26./29. Juni.

tyler
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  #20 (permalink)  
Alt 29.05.2006, 22:07
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war vor einiger zeit in der resi-inszenierung von euripides' bakchen (nicht in der konkurrenzveranstaltung der münchner kammerspiele eine straße weiter, die nebenbei bemerkt grausig sein soll, was bekannte erzählt haben).
euripides wird von den großen drei ja immer als der schlechteste angesehen. gut, dem vergleich mit einem sophokles (hab ja auch schon sooo viel von sophokles' weit über 100 stücken gelesen... ) mag er vielleicht nicht ganz standhalten, aber mein bisheriger eindruck ist nicht, dass euripides schlechter ist... er ist... anders.
gut, zur inszenierung: fand ich persönlich sehr gelungen. kannte das stück vorher überhaupt nicht und hatte auch so einige probleme, dem ganzen zu folgen (öhm, die gründe müssen hier jetzt nicht näher erörtert werden ) und es spricht voll für die inszenierung, dass sie mich trotzdem noch erreicht hat.
was mich allerdings ziemlich verwundert hat: das haus wird ja grade bestreikt und so war wohl nur ein teil des bühnenbildes vorhanden. vor der vorstellung wurde das publikum dann darauf aufmerksam gemacht, dass es sich auf der bühne durchaus ziemlich beengende wände vorstellen müsse, nur wurde komischerweise die komplette bühne mit einem haufen als bakchen verkleideten frauen bespielt... wie passen die bei kompletten bühnenbild sonst alle auf die bühne?
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  #21 (permalink)  
Alt 14.08.2006, 17:40
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Franz Lehar Land des Lächelns (Schlossfestspiele Langenlois). Die Vorstellung war nicht schlecht aber auch nicht unbedingt der Überdrüber, das muss ich nach 10jährigem Stammbesuch leider zum ersten Mal sagen. Der Chinese wurde von einem echten Chinesen (Mineo Nagata) mit einer wunderschönen Stimme gespielt. Trotzdem, die Nebendarsteller bekamen - zu Recht - weitaus stärkeren Applaus als die Hauptdarsteller und zum ersten Mal hab ich erlebt, dass eine Bühnenkulisse nach jedem Szenenwechsel Kulissenapplaus bekommen hat. Wirklich dankbar bin ich dem Wetter, das seine Regenorgie der letzen Tage kurzfristig unterbrochen hat.
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  #22 (permalink)  
Alt 01.10.2006, 19:54
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Hat irgendjemand vor, Dogville im Volkstheater zu sehen (oder hat vielleicht sogar schon)?

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  #23 (permalink)  
Alt 01.10.2006, 21:54
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Zitat:
Zitat von Lara
Hat irgendjemand vor, Dogville im Volkstheater zu sehen (oder hat vielleicht sogar schon)?

Wenn ja bitte erzählen!
Ich hab Dogville noch nicht gesehen, aber ein Interview mit dem Regisseur gemacht und dann einen Kollegen zur Premiere geschickt, um eine Rezension zu schreiben.

Hier das viel versprechende Interview mit dem Regisseur und hier, wie die Inszenierung dann schief gelaufen ist.
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  #24 (permalink)  
Alt 01.10.2006, 23:35
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Danke Marv

Edit: ok hat sich dann wohl erledigt.
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Geändert von Lara (01.10.2006 um 23:39 Uhr)
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  #25 (permalink)  
Alt 06.11.2006, 14:21
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Die Friedensfrau von Walter Jens in einer Aufführung meiner guten alten Schultheater-Gruppe, die ich aus zwei Gründen immer wieder gerne sehe: Erstens aus alter Verbundenheit, zweitens aber, weil sie auf erstaunlichem Niveau arbeitet.
Das Stück geht zurück auf Aristophanes' Lysistrate - also die Story von den Frauen, die in Liebesstreik treten, um ihre Männer zum Frieden zu zwingen. Und es entpuppte sich als gagreiche, muntere Zoten-Parade, zweideutig von vorne und... pardon, bis hinten, mit sehr expliziten Szenen, an dessen Ende die Regie noch eine Orgien-Szene aus einem anderen Aristophanes-Stück setzte. So schon spaßig genug, aber von einer Schultheater-Gruppe mit einigen hell entsetzten Lehrer(INN)en im Publikum (denen schon das Motto auf dem Programmheft zu viel war: "Wer den Phallus nicht ehrt, ist die Komödie nicht wert") - das war ein Erlebnis.
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Marlowe interessiert sich einen Dreck dafür, wer Präsident ist; ich ebenso, weil ich weiß, es wird ein Politiker sein.
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  #26 (permalink)  
Alt 06.11.2006, 18:55
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Ich war am Samstag in der Stuttgarter Premiere von Wer hat Angst vor Virginia Woolf.

Wow, selten so ein beklemmendes Stück gesehen, teilweise bekam man richtig Angst vor den Schauspielern, so intensiv haben sie das psychopathische Spiel im Spiel umgesetzt.
Und für alle, die nicht wissen, worum es denn da eigentlich geht:
Das ist Edward Albees preisgekröntes Drama aus dem Jahr 1962. Martha und ihr Mann George, ein Geschichtsprofessor, kommen spät in der Nacht nach Hause. Trotzdem hat Martha von der Party ein junges Paar noch zu einem Drink zu sich nach Hause eingeladen, den jungen Biologiedozenten Nick und seine Frau. Je weiter es in den Morgen des nächsten Tages hineindämmert, desto rücksichtsloser gehen Martha und George miteinander um, desto mehr werden Nick und seine naive Frau in die Liebes- und Hassspiele der beiden hineingezogen.
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  #27 (permalink)  
Alt 08.11.2006, 11:17
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CAVEMAN mit Karsten Kaie
Ein herrlicher, selbstironischer Blick auf das Männer/Frauen Verhältnis. Was man glaubt bereits von Mittermeier, Barth und Co. bis zum Erbrechen vorgekaut bekommen zu haben, präsentiert Karsten Kaie mit sprühendem Witz und vollem Körpereinsatz. Auch als Mann habe ich Tränen gelacht.
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  #28 (permalink)  
Alt 09.11.2006, 00:01
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hamlet
in den münchner kammerspielen, muss man dazu sagen (will sagen: üblicherweise recht eigenwillig). recht moderne bzw auch nicht mehr ganz 'moderne' inszenierung: vieles aus dem originaltext gestrichen, dafür nicht mehr ganz zeitgemäßes in sachen 9/11 reingepackt.
die michael moore-schleuder kommt hauptsächlich aus den mündern von hamlet und v.a. horatio und zwar so viel, dass man irgendwann nur noch "shut up, horatio" vor sich hin murmelt und die augen verdreht, wenn der eigtl nicht schlechte hamlet nur die bühne betritt, weil man befürchtet, dass er sich schon wieder mit des königs neuen verbrechen beschäftigt und nicht mit denen, die ihn und den geist in den letzten jahrhunderten so umtrieben.
à propos geist: gesprochen von christian brückner, was direkt an eine (zu hörende) szene aus taxi driver anschließt. netter einfall, allerdings weiß ich nicht, ob ich das so sehe, weil ich die idee so toll fand oder eben halt bloß den film.
eine, wie ich fand, ganz nette ophelia und vor allem ein technokrat, der mich optisch ziemlich an herrn schüssel aus österreich erinnert hat, als polonius sorgen für unterhaltsame momente, die aber nicht darüber hinwegtäuschen können, dass die inszenierung meeeilenweit nicht an das original hinreicht - aber mit shakespeare kann mans ja machen, ne?
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  #29 (permalink)  
Alt 27.11.2006, 13:39
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Okay, kein Theaterstück im engeren Sinne: Carmen.
Diese Oper ist zwar (um mein aktuelles Moviegod-Lieblingswort mal wieder schreiben zu können) antiziganistisch, aber das macht nix. Denn sie rockt. Die Handlung - unabhängige junge Frau gerät zu beider Unglück an einen Stalker - ist hübsch dramatisch, aber vor allem: Die Musik!!! Jetzt bin ich mit Ohrwürmern so ungefähr fürs nächste halbe Jahr ausgestattet.
Da stört auch nicht weiter, dass die Inszenierung eher durchschnittlich war und die besten Sängerinnen mal wieder nur die Nebenrollen abbekommen hatten.
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  #30 (permalink)  
Alt 27.11.2006, 16:31
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Wer Lust und Zeit hat - hier mal meine komplette Kritik zu
Wer hat Angst vor Virginia Woolf, die ich vor kurzem zur Premiere geschrieben habe.

Die Lust der Selbstzerfleischung

Es gibt Bühnenstücke, die leben von einer opulenten Kulisse und aufwändigen Kostümen. Edward Albees Drama "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" hat das nicht nötig. Nur wenige Requisiten sind im Stuttgarter Alten Schauspielhaus nötig, um den Wortgefechten der vier Darsteller einen Rahmen zu geben und die Zuschauer nach rund drei Stunden mit einem beklemmenden Gefühl nach Hause zu schicken.

Was für eine Erniedrigung! Martha brüllt ihren Mann George nieder. Enttäuscht und versagt hat er in ihren Augen auf ganzer Linie. George schreit vergeblich dagegen an. Dass deren Gäste in diesem Moment wie eingerahmt schon in der Tür stehen - egal. Es ist halb drei am frühen Morgen, Martha hat den Biologiedozenten Nick und seine Frau von einer Party noch zu sich nach Hause eingeladen. Fassungslos müssen nun die deutlich jüngeren Gäste das eheliche Drama mit ansehen und betreten den verbalen Kriegsschauplatz aus dem es kein Entrinnen mehr zu geben scheint.
"Wer hat Angst vor Virginia Woolf?", das ist Edward Albees preisgekröntes Drama aus dem Jahr 1962, in dem es um Hass und Liebe, um unerfüllte Erwartungen und persönliche Erniedrigungen geht. Es kehrt auf eine perfide voyeuristische Weise die dunkelsten Eigenschaften der menschlichen Seele nach außen, dass es geradezu eine Lust ist, umso genauer hinzusehen.
Mit ihrem persönlichen Psychoterror leben Martha und ihr Mann George, ein Geschichtsprofessor, schon über 20 Jahre - die Hassliebe funktioniert. Je weiter es in den Morgen des nächsten Tages hineindämmert, desto rücksichtsloser gehen Martha und George miteinander um, desto mehr werden Nick und seine naive Frau in die Liebes- und Hassspiele der beiden hineingezogen. Unerbittlich steigern sich mit dem Tempo und Alkoholgenuss auf der Bühne auch die Aggressivität und die Lautstärke der Protagonisten bis in einen psychopathischen Wahn, der am Bühnenrand nicht halt macht. Als aus den Wortgefechten im Wohnzimmer ein richtiger Kampf zu werden droht, als die Nerven blank liegen und Nicks "Süße" hysterisch "Gewalt!, Gewalt!" schreit, beginnt ein tief dröhnendes Brummen aus den Lautsprecherboxen von einem Pianissimo in ein kaum auszuhaltendes Fortissimo zu wechseln, dass das eigene Zwerchfall beinahe zu vibrieren beginnt.
Keine Frage, es schlägt auf den Magen, was man hier zu sehen und zu hören bekommt. George lässt das gemeinsam erfundene Kind mit Genuss in der Stimme sterben. Martha windet sich unter diesen Qualen, die die Gänsehaut weiter verstärken. Ein Albtraum, und trotzdem: man muss einfach dem Drama zusehen, der Entwicklung, wie langsam alles in einen Höllenstrudel gesaugt wird und die aufgesetzten Masken am Ende komplett in Fetzen liegen.
Die Inszenierung von Carl Philipp von Maldeghem kommt ohne Schnickschnack aus. Stühle, ein bisschen Sofa - mehr ist nicht nötig. Die Worte stehen nackt im Raum und machen dabei eine grandiose Figur. Crescentia Dünßer demontiert als Martha geradezu genüsslich-leidenschaftlich jeden, der ihr ins verbal-sadistische Sperrfeuer gerät. Mit Tobias Beyer als George, Enrique Keil als von Martha verführter Nick und der nett anzusehenden Sarah Jeanne Babits als "Süße" läuft das Quartett zu schauspielerischer Hochform auf, das sich mit Genuss und Leidenschaft auf der Bühne selbst zerfleischt. Als die Sonne langsam aufgeht, die Realität wieder die Oberhand gewonnen und das Morgengrauen seinen Namen verdient hat, stürzt die Fassade auf die apathisch vor sich hinstammelnden Ehepartner nieder.

Vorstellungen täglich außer sonntags bis 11. November, dann wieder vom 16. November bis 9. Dezember.
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Ludwig Erhard (1897 - 1977), Bundeskanzler.
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