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Alt 12.03.2006, 02:15
poor lonesome cowboy
 
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Standard The New World

Habe gerade "The New World" gesehen, und diese Kritik trifft es (fast) auf den Punkt:

Elementare Ekstase:
Die Rückkehr des Monolithen

VON CHRISTOPH HUBER (Die Presse) 08.03.2006

Bildsinfonische Zwangsehe von Sinnlichkeit und Philosophie: Terrence Malicks monumentaler Historienfilm "The New World".

Wolken werden gespiegelt, im Wasser, über das der Wind hinwegstreicht: Das erste Filmbild in Terrence Malicks The New World sagt eigentlich mehr über das Kommende als jede Inhaltsbeschreibung. Der vierte Film des mysteriösen Meisterregisseurs in 23 Jahren folgt seinem singulären Inszenierungsprinzip, die Dinge gleichwertig nebeneinander zu stellen: Die überwältigende und indifferente Natur umfängt die Charaktere, die durch den Bilderstrom gleiten.

1607 in Virginia sind das zwei Figuren, auf denen ein zentraler Ursprungsmythos der USA gründet. John Smith (Colin Farrell) heißt einer der englischen Kolonisten, als ihn die Eingeborenen töten wollen, wirft sich die Tochter des Häuptlings (Q'Orianka Kilcher) schützend über ihn. Als "Pocahontas" - ein Name, der in The New World pointierterweise vermieden wird - hat sie Smith 17 Jahre später in seinen Reiseberichten verewigt, aber seine Schilderung des Ereignisses (das in Malicks Film wie ein Traumbild hereinbricht) wie auch der anschließenden Romanze mit der etwa zwölfjährigen Indianerin ist umstritten.

Unumstritten ist die wirkliche Existenz des Mädchens: Später an die Siedler verschachert, konvertierte sie zum Christentum, heiratete als Rebecca 1614 den Tabakfarmer John Rolfe (Christian Bale), schiffte mit dem gemeinsamen Kind nach England, wo sie am Hof von James I. der Gesellschaft präsentiert wurde und kurz vor der geplanten Rückreise, kaum über 20 Jahre alt, starb.

Dieser zweite Teil der Pocahontas-Legende wird gern vernachlässigt (gemischtrassige Heirat wurde bald verboten), bei Malick ist er die wahre Tragödie: Für das Mädchen Rebecca ist die Alte Welt die Neue - wie gegen Ende ihre Streifzüge durch Englands geometrische Gärten gefilmt sind, so fremd wie zuvor das Neuland für die Siedler, zählt zum Eindrücklichsten im jüngeren Kino.

Als Erzählung vom Eindringen der Gewalt ins Paradies, wie Malicks pantheistisches Pazifikkriegs-Epos The Thin Red Line, wird sein neuer Film vor allem gelesen, aber sein wahrer Kern scheint ein tragisches Paradox: Rebeccas Weg in die Zivilisation ist eine Umarmung jener Kultur, deren Fortschritt die Zerstörung ihrer eigenen bedeutet. Ihr Grabstein, kurz, wie verloren unter den letzten Bildern aufblitzend, ist letztes Zeichen des historischen Unglücks. Die frühen Karten unter dem Vorspann waren das erste: Wegweiser der Kolonisierung. Malick wurde vorgeworfen, das Erbe der Geschichte im Zuge von Naturekstasen zu ignorieren, er weigert sich nur, es spezifisch zu behandeln.

Emblematisch die große Eröffnung, orchestriert zu Wagners "Rheingold"-Ouvertüre, wie als weiterer Beleg, dass der Kulturkontext der Alten Welt nicht zu verdrängen ist: Die Einfahrt der britischen Schiffe, die Silhouetten am Horizont von den Eingeborenen mit Schrecken wie Verzauberung wahrgenommen - wie die erste Begegnung mit dem Monolithen in Kubricks 2001.

Im Folgenden inszeniert Malick einen Reigen der Elemente: Erde, Wasser, Feuer, Luft, von Emmanuel Lubezki in atemberaubenden Naturlicht-Breitwandbildern eingefangen. Dazwischen tauchen Liebesgeschichte und Kampfhandlungen auf, meist in Fragmenten, die entscheidenden Momente ausgespart, während innere Monologe von Ergriffenheit, doch auch Verblendung berichten. Das eigentliche romantische Pathos von The New World liegt aber in der Inszenierung, einer bildsinfonischen Zwangsehe von enormer sinnlicher Kraft und abstrakter philosophischer Struktur. Ob Heidegger-Spezialist Malick damit Visionäres gelungen ist oder nur ein Monument der Überambition, wird erst die Zukunft zeigen. Sicher ist nur, dass es gegenwärtig nichts gibt, was diesem Film gleichkommt.

Quelle: DiePresse.com
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Alt 12.03.2006, 11:58
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Stimmt, das ist eine gute und zutreffende Kritik.
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