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-   -   Filmtheorie Every frame a painting (Tony Zhou) (http://forum.moviegod.de/filme/20075-every-frame-painting-tony-zhou.html)

S.W.A.M. 28.08.2015 16:52

Every frame a painting (Tony Zhou)
 
Ich muss das mal loswerden und fand es im YouTube-Thread ein bisschen verschwendet. Die Videos sind alle nur auf Englisch, aber lohnen sich auf jeden Fall.

Der Typ, der sie macht, heißt Tony Zhou und arbeitet wohl als Cutter. Er hat einen wirklich messerscharfen Blick für filmsprachliche Details sowohl bei den Großmeistern (Coens, Fincher, Spielberg, Scorsese, Kurosawa etc.) als auch bei unbekannteren Leuten. Es lohnt sich wirklich, da mal einen Blick rein zu werfen. Das Michael-Bay-Video hatte ich ja schonmal gepostet, deshalb packe ich es hier nicht noch mal rein. Ich würde gerne über die eine oder anderen Sache mal diskutieren, falls jemand Lust drauf hat. Schaut ruhig mal in den Kanal von ihm, da gibt es noch mehr Schätzchen.

Hier sind nur mal fünf, die ich besonders lohnenswert finde.

Inszenierungen bei David Fincher


Gute Komödien und schlechte Komödien


Charakter und Dilemma


Geometrie bei Kurosawa


Bildsprache bei Drive

Doc Lazy 28.08.2015 18:01

AW: Every frame a painting (Tony Zhou)
 
Bildsprache! Großartig, danke...

Celdur 30.08.2015 13:00

AW: Every frame a painting (Tony Zhou)
 
Jar, ich mag den Kanal auch sehr gerne - bin auch erst vor ein paar Monaten drauf gestoßen.

Das war mein Erstes und mein Grund zu bleiben:

Akira Kurosawa - Composing Movement

rolo tomasi 02.09.2015 11:13

AW: Every frame a painting (Tony Zhou)
 
Danke dafür:-) der Kanal war mir gänzlich unbekannt. Vor allem "Bildsprache" und "David Fincher" find ich toll. Tony Zhou zeigt hier einige interessante Details in der Inszenierung auf die man so bisher nicht wahrgenommen hat.

S.W.A.M. 02.09.2015 12:09

AW: Every frame a painting (Tony Zhou)
 
Ich sehe mir die Sachen auch immer wieder gerne an. Und hin und wieder haut er auch mal ein neues raus, das mich sofort wieder zurück spulen und nochmal schauen lässt.

Mich hat diese Geometrie-Sache bei Kurosawa völlig weg geblasen. Nicht nur weil Kurosawa einfach genial war (das wusste ich auch vorher), sondern weil es vor allem erklärt, warum ich so viele andere Filme (vor allem das übliche Oscar-Material) so unerträglich langweilig finde.

Sie sind einfach nicht "filmisch" bzw - wie Zhou es ausdrückt - "cinematic" genug. Nach Hitchcock zitiert sind es einfach Fotografien von redenden Menschen. Zwei bis drei Halbtotalen und dann von jedem wichtigen Darsteller noch mal ein Close-Up und fertig... Das führt tatsächlich dazu, dass man sich bei solchen Szenen (egal wie gut die SchauspielerInnen sind) extrem schnell langweilt. Man könnte genauso gut einem Hörspiel folgen.

Agent K 02.09.2015 15:11

AW: Every frame a painting (Tony Zhou)
 
Seit du irgendwo mal den Bayhem-Beitrag (Michael Bay) gepostet hast, bin ich den Löwenanteil seiner Videos mittlerweile durch. Ich finde sie auch höchst faszinierend und spannend. Wobei sich bei mir da doch auch immer wieder die Frage nach der "Henne und dem Ei" stellt, sprich: Gibt es tatsächlich eine statische (und auf Formalismen basierende) visuelle Wahrnehmung mit Allgemeingültigkeit auf Dauer, oder ist es nicht im Gegenteil ein permanente Suche nach neuen "Perspektiven", die dann wiederum nur für einen begrenzten Zeitraum die Sehgewohnheiten und den Zeitgeist prägen (und irgendwann später auch wieder "altbacken" wirken). Ist ähnlich wie beim "Goldenen Schnitt", der zugrunde liegende Formalismus ist nicht weiter kompliziert, aber die Psychologie seiner Wahrnehmung wirkt doch oft sehr spekulativ...

S.W.A.M. 02.09.2015 20:06

AW: Every frame a painting (Tony Zhou)
 
Ja, das stimmt natürlich.

Ich habe aber auch nicht das Gefühl, dass er allgemeine Gesetzmäßigkeiten aufzustellen versucht. Gegenüber dem Filmemacher will er einerseits - denke ich - nur Vorschläge machen, unter welchen Gesichtspunkten Inszenierungen AUCH funktionieren können (denn viele - mich eingeschlossen - machen sich da tatsächlich viel zu wenige Gedanken). Viele halten die Kamera so, dass man alles sehen kann und das Bild irgendwie "schön" oder "beeindruckend" ist. Und noch schlimmer ist ja das allgemeine Coverage-Prinzip, dass man einfach so viele Einstellungen wie möglich mitnimmt (und zwar immer dieselben drei oder vier) und dann im Schnitt entscheidet, wie der Film erzählt wird. :puke:

Und dem Filmfan eröffnet er andererseits schlicht (möglicherweise) neue Perspektiven und erweitert damit die Wahrnehmung der Filme.

Ich denke, wenn es etwas Allgemeines gibt, das er großartig findet, dann sind das Filmemacher, die sich ÜBERHAUPT Gedanken über eine filmischere oder interessantere Sprache machen. Denn das gibt es tatsächlich viel zu selten. Seit der Einführung des Tonfilms wird ja immer (oder zumindest sehr häufig) alles einfach mithilfe von Dialogen erzählt / erklärt. Dass das auch besser geht, zeigt er - finde ich - wirklich großartig.

Aber natürlich muss man die Lösungen, die er aufzeigt, nicht annehmen (und einige können sich auch mit der Zeit überholen). Man muss nicht mal alles gut finden. Ich selber habe von Kurosawa bisher nur "Die sieben Samurai" gesehen, den ich, ehrlich gesagt, nicht besonders mochte. Aber man hat JEDER Einstellung angesehen, dass da ein Meister am Werk ist.

Edit: Merke grad, dass nur der letzte Absatz wirklich auf deinen Post antwortet. Nimm den Rest einfach als "der SWAM schreibt gern viel", okay?

Agent K 02.09.2015 20:17

AW: Every frame a painting (Tony Zhou)
 
Zitat:

Zitat von S.W.A.M. (Beitrag 384409)
Und dem Filmfan eröffnet er andererseits schlicht (möglicherweise) neue Perspektiven und erweitert damit die Wahrnehmung der Filme.

Hmm, ich will ja eigentlich nur Filmfan sein. Und insofern bin ich beinahe froh, dass ich beispielsweise DRIVE vor Zhou's Video gesehen habe. Ich will eigentlich nur dass der Film bei mir "wirkt". Das Wissen/Erkennen der Funktionalität schmeisst mich dann eher raus...:)

BTW: In dieser Szene war Peter Jackson funktionell ja dann wohl ziemlich kurosawa'isch (fand ich seinerzeit genial)...

Two Towers

S.W.A.M. 08.09.2015 14:36

AW: Every frame a painting (Tony Zhou)
 
Zitat:

Zitat von Agent K (Beitrag 384410)
Hmm, ich will ja eigentlich nur Filmfan sein. Und insofern bin ich beinahe froh, dass ich beispielsweise DRIVE vor Zhou's Video gesehen habe. Ich will eigentlich nur dass der Film bei mir "wirkt". Das Wissen/Erkennen der Funktionalität schmeisst mich dann eher raus...:)

Gut, Analysen sollte man eh IMMER erst nach dem ersten eigenen Anschauen eines Films sehen.

Und Zhou schreibt ja selber, dass ihm solche Details beim ersten Anschauen eines (guten) Films nie auffallen, sondern immer erst bei der dritten oder vierten Wiederholung. Das "Wirken" eines Films entsteht ja IMO durch solche Sachen, aber eben nur dadurch, dass sie unbewusst funktionieren.

Aber das klappt halt (meistens) nur einmal. Ich mag solche Analysen eben sehr, weil sie einem auch das dritte oder vierte oder zwölfte Anschauen eines Films versüßen können.

S.W.A.M. 27.11.2015 15:47

AW: Every frame a painting (Tony Zhou)
 
Nachdem ich jetzt endlich mal "Perfect Blue" und "Paprika" von Satoshi kon gesehen habe, konnte ich auch diese Episode von Herrn Zhou so richtig würdigen...

Schnitt und Montage

S.W.A.M. 14.09.2016 17:37

AW: Every frame a painting (Tony Zhou)
 
Lange musste man auf eine neue Episode warten und auch diese hat es in sich. Tony Zhou nimmt sich die Marvel-Filme vor und da insbesondere die zunehmend nichtssagende, langweilige Musik, die einen großen Teil dazu beiträgt, dass sich viele moderne Blockbuster alle gleich anfühlen und durch nichts groß heraus stechen, obwohl die wenigstens im eigentlichen Sinne "schlecht" sind.

Could you sing a score from "Captain America"?


Und hier gibt es noch das Begleitvideo zum Thema Temp Music.
Alles schonmal gehört?

Nils vom Dach 14.09.2016 19:49

AW: Every frame a painting (Tony Zhou)
 
Super Episode. Ich habe mich schon länger gefragt, warum ich aus dem Stand Melodien aus Zurück in die Zukunft, Terminator oder Spiel mir das Lied vom Tod Summen kann, aber aus neueren Filmen selten etwas hängen bleibt. Ich dachte es läge vielleicht am Alter, aber anscheinend bin ich doch nicht senil mit meinen 30 Jahren :bang:

Tony Zhou macht fantastische Videos. Die haben einfach klasse.

scholley007 14.09.2016 20:22

AW: Every frame a painting (Tony Zhou)
 
Unterschreib ich so. Meine Einkäufe von Soundtracks sind in den letzten 5 Jahren kontinuierlich gegen Null tendiert, weil es kaum noch Melodien gibt, die ich losgelöst von den Bildern hören kann oder will.
Es ist allein schon übel, dass in "Suicide Squad" all die klassischen Rocksongs (die eigentlich jeder mittels mehrerer "Best of"-Zusammenstellungen besitzt) den größten emotionalen Knopf beim Zuschauer drücken können - während der ganze Rest nahezu belanglos an mir vorüberging. Gibt ja auch wieder zwei, davon einer mit Songs (from and inspired by the Motion Picture - aber sicher doch "inspired" :wild:) der andere mit dem Score - aber auf dem mit den Songs ist nicht EINE Nummer drauf gewesen, die mich ansatzweise "gekriegt" hätte (die klassischen Rocknummern hat man sich gleich ganz gespart). Es ist ein Elend. Und vermutlich wird der gute alte John Williams für das "Harry Potter"-Prequel auch nur eine Variation des klassischen Potter-Themas abliefern dürfen. Echt traurig. Kann die Verbitterung von Danny Elfman im Q&A wirklich nachvollziehen.....

S.W.A.M. 14.09.2016 20:47

AW: Every frame a painting (Tony Zhou)
 
Jep, mein Soundtrack-Fanatismus ist zwar ungebrochen, aber dafür auch unweigerlich in Independent-Bereiche abgedriftet.

Ich finde, am Thema Musik kann man (wie es ja hier passiert ist) schön aufzeigen, inwieweit sich der große Blockbuster trotz größerem Bombast und steigender Kosten immer "unauffälliger" macht. Die einzelnen Franchise unterscheiden sich nur noch minimal im Erzählton und den Stil einzelner Regisseure vermag ich beim großen "Event-Film" fast gar nicht mehr zu erkennen. Da können nebeneinander "Star Trek Beyond", "Terminator Genisys", "X-Men Apocalypse" und "Avengers: Age of Ultron" laufen und die einzigen Unterschiede sind halt, dass in dem einen ein Chris Pine als Kirk und in dem anderen ein Hugh Jackman als Wolverine herumläuft.

Zum Vergleich: 1985 sind "Zurück in die Zukunft", "Breakfast Club", "Brazil", "Phantom Kommando", "Die Goonies", "Enemy Mine", "Cocoon", "Rambo 2", "Leben und Sterben in L.A.", "Im Jahr des Drachen", "Mad Max 3", "Ran", "Red Sonja" und so weiter rausgekommen. Das sind sicher nicht alles tolle Filme und manche sind der letzte Scheiß, aber sie haben definitiv alle einen eigenen Stil, zwar in ihrer Zeit verhaftet aber dennoch eigen. Selbst die beiden Schwarzenegger-Filme könnten unterschiedlicher nicht sein.

Noch 2000 waren es z.B. "Gladiator", "Unbreakable", "Almost Famous", "Hollow Man", "X-Men", "Snatch", "Tiger & Dragon", "Memento", "Castaway", "American Psycho", "Pitch Black", "Traffic", "Mission to Mars", "Requiem for a dream" etc.


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