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Katastrophenfilme: "As satellites that are grounded by the weight of the earth"

Veröffentlicht: 28.06.2008 um 12:09 von vogel
Aktualisiert: 26.01.2009 um 14:42 von vogel
Manchmal versteh' ichs nicht. Die Filmwissenschaft und ihre Generalisierungen, bzw. manche FilmwissenschaftlerInnen und ihre Generalisierungen. Ich seh's ein, dass Stereotypisierungen hin und wieder ganz nützlich sind, zum Erkennen von Mustern und Herausarbeiten von Theorien – so lange dabei der Blick für die Realität nicht verloren geht und klar bleibt, dass es sich um Generalisierungen handelt. Jetzt lern ich hier für eine Klausur, anhand von ein paar Folien, die zugegebenermaßen den Stoff runterkürzen, aber so wie's jetzt dasteht (keine Ahnung wie's in der Veranstaltung selbst abgehandelt wurde), kanns eigentlich für nicht viel mehr stehen, als für ein Paradebeispiel, wie man Themen falsch runterkocht.

Zitat:
Thema: Katastrophenfilm nach 1945. Es existieren zwei Typen:

a) solche, die die Katastrophe zeigen (THE DAY AFTER TOMORROW, VOLCANO, TWISTER, etc.); Charakteristika: groß, laut, spektakulär; setzen auf Kommunikation; Motto: „Dinosaurier sehen und nicht gefressen werden“ (Hansen)

b) solche, die die Katastrophe nicht zeigen (SHOA, HIROSHIMA MON AMOUR).
Haltung: Unmöglichkeit der Darstellung → Kino im Kopf; intellektuelle Filme; Charakteristika: setzen auf Imagination; Katastrophe als Spur; Erinnern/Vergessen
Was ist das bitte für ein Quatsch?
Die Einteilung in Zeigen und Nicht-Zeigen macht ja noch irgendwo Sinn, solange man zum „Beweis“ dessen nicht Äpfel mit Birnen (wiedermal Obst) vergleicht: Auf der einen Seite nimmt man THE DAY AFTER TOMORROW und Co., auf der anderen SHOA von Claude Lanzmann. Nicht nur, dass es sich hierbei um Spielfilm und Dokumentarfilm handelt, mehr noch: Inwiefern ist SHOA ein Katastrophenfilm?
In das genannte Muster passt der Film rein: Lanzmann besucht ehemalige KZ-Häftlinge und geht mit ihnen an Schauplätze der damaligen Katastrophe (Auschwitz, zB). Er verwendet keine Archivbilder, zu sehen gibt’s die Katastrophe also nicht, nur das, was heute davon übrig blieb. Also „Kino im Kopf“, setzt auf Vorstellungskraft, die ein Zeigen der Bilder an Grausamkeit nicht übertreffen könnte. Durch Lanzmanns penetrante Interview-Fragerei ergibt sich eine Darstellung der Katastrophe als zu verfolgende Spur, die sich ums Vergessen/Erinnern dreht. HIROSHIMA MON AMOUR hab ich zwar nicht gesehen, für den gilt nach allem was ich gelesen habe aber das gleiche wie für SHOA.

Diese Analysen und Feststellungen bez. SHOA sind in meinen Augen durchaus legitim. Aber warum wird dies jetzt in das Katastrophenschema gezwängt? Warum also ein direkter Vergleich mit Emmerich-Blockbustern? Das mit dem Zeigen/Nicht-Zeigen klingt zwar ganz nett, aber da sollte man doch die Vergleichbarkeit waren, Fiktion/Non-Fiktion z.B. Wenn man für das Zeigen als Beispiel die Doku 9/11 der Brüder Naudet herangezogen hätte, die während den Anschlägen im World Trade Center filmten, das wäre doch wesentlich passender, hätte ich auch gerne abgekauft. Alle Charakteristika des Zeigens, des „Dabeiseins“, werden erfüllt und die Vergleichbarkeit im Zusammenhang Dokumentarfilm + Katastrophe bliebe gewahrt.

Und das alles ganz ohne das Prädikat „intellektuelle Filme“ zu verwenden, das ja allzu gern als Qualitätsmerkmal herangezogen wird. Die Wertigkeiten, die ein Wort wie „intellektuell“ birgt, haben da obendrein absolut nichts verloren.

Stichworte: genres, wtf
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Kategorie: Filmwissenschaft
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