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Ein Blog über Filme. Und das alles.
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Studium: „Some Young Lazy Slut Has Charmed Away My Brains“

Veröffentlicht: 06.05.2008 um 17:43 von vogel
Aktualisiert: 26.01.2009 um 14:41 von vogel
Studiert man Theater-, Film- und Medienwissenschaft und sagt man das wem (irgendwem!), im Zuge von Kennenlernen, Smalltalk und Wetter und Was-machst-du-so, dann ist die erste Reaktion meist ein leicht verlegenes: Oh, wie cool. Cool, weil alle denken immer Film und Theater, wie cool, da schaut man den ganzen Tag Filme und geht ins Theater. Leicht verlegen, weil sich einfach kaum jemand was darunter vorstellen kann. Und wie ich neulich wieder gemerkt habe, als ich einen guten Freund nach drei Jahren wieder getroffen habe, komme ich da auch schon mal in Erklärungsnot. Und der fragte nur, was ich da so machen würde, in dem Studium und später, weil so wirklich was darunter vorstellen könne er sich nicht. Ja schwierig, meinte ich, so die Theorie halt, Grundlagen, Wissenschaftliches. Also Regisseur oder Schauspieler, fragte er darauf, bei den meisten die naheliegendste studienbezogene Frage, gleich nach „Theater? Bist du schwul?“

Das führte mich in Gedanken weiter, zu der Frage, bei der man so leicht strauchelt und die sich jeder vernünftige angehende Geisteswissenschaftler niemals stellen sollte: Was genau studiere ich hier eigentlich? Wenn ich das nicht mal irgendwem erklären kann der mit Studieren und Wissenschaft nichts am Hut hat, dann Hm, schwierig, das muss doch irgendwie zusammenzufassen sein. Ich antwortete also sowas wie: Ich beschäftige mich mit der theoretischen Grundlage von Filmen und allem was damit zusammen hängt. Also Kultur. Also alles. Und hoffte, dass ihm die Antwort reicht. Statt dessen berechtigte Frage im Anschluss: Und was genau macht man da, so praktisch. Also zähle ich Fächer auf: Filmgeschichte, Theatergeschichte, wissenschaftliche Theorien und Methoden, Diskurse und Diskursgeschichte, Ehm, was noch, sowas fällt einem ja nie ein, wenn mans mal braucht, Text- und Aufführungsanalyse, Intermediale Übersetzung, Dramaturgie und Drehbuch, sowas. Das sagte ihm natürlich wenig. Wie auch, wenn selbst die wenigsten Thewi-Studenten wissen, was sie da eigentlich, praktisch gesehen, so machen. Ich also: Gut, vor kurzem hab ich ein Seminar zur Filmkritik besucht, im Moment schreib ich eine Forschungsarbeit über Musicals und da kommt noch was zu politischen Filmen und Medienphilosophie und irgendwas zu verschiedenen Theater-Formen. Theater des Absurden, sagte ich, weil mir das am meisten taugt. Das genügte dann, fest aber stand: So ganz kaufte er mir das nicht ab. Geschweige denn, dass man davon mal leben kann. Er also: Und, was wird man dann später?

Und das ist eine Frage, sagte ich in mit Stolz gepaarter Verlegenheit, mit der ich mich zwei Semester vor der Diplomarbeit noch nicht beschäftigen möchte.

Stichworte: studium
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Kommentare 7

Kommentare

  1. Alt
    Benutzerbild von Doc Lazy
    Danke, Vogel, danke...

    Eigentlich wäre die Antwort einfach: "Mit meinem Abschlussfilm möchte ich mich dann weiterempfehlen." Aber das würde ja nur weitere (noch) unbeantwortbare Fragen generieren.
    permalink
    Veröffentlicht: 06.05.2008 um 18:52 von Doc Lazy Doc Lazy ist offline
  2. Alt
    Ich
    drehe
    keine
    Filme

    ! ! !

    permalink
    Veröffentlicht: 06.05.2008 um 19:09 von vogel vogel ist offline
  3. Alt
    Benutzerbild von Earlgrey
    Schön geschrieben. Du wirst wahrscheinlich bei irgendeinem Fachmagazin oder im Feuilleton einer Zeitung landen. Schreiben kannst du ja, ist ne prima Kombination.
    permalink
    Veröffentlicht: 06.05.2008 um 19:47 von Earlgrey Earlgrey ist offline
  4. Alt
    Benutzerbild von Marv
    Du bist Theaterwissenschafter, wenn du mind. eine dieser Fragen mit "Ja." oder "Das ist mir zu undifferenziert." beantwortest:
    Hast du Bücher darüber geschrieben, dass du KEINE Definition für "Puppentheater" findest? Durchfließt dich Euphorie, wenn du Inszenierungen minutiös beschreiben musst? (2 Stunden Inszenierung = 6 Stunden Schreibarbeit) Verwendest du Begriffe wie "Diegese" oder "Katharsis" mehrmals täglich? Denkst du "performieren" sei ein Verb?

    P.S.: Schön geschrieben, Herr Kollege.
    permalink
    Veröffentlicht: 07.05.2008 um 00:54 von Marv Marv ist offline
  5. Alt
    Benutzerbild von dae-su
    Ich hätte das ja auch fast studiert, in FFM oder Erlangen-Nürnberg oder so wurde ich glaub ich genommen.. Mittlerweile denk ich mir immer öfter (auch jetzt, wegen deiner Ausführung weiter oben ) "Hättste das doch mal gemacht". Dann hätte ich wenigstens keinen verkackten Scheiß-B.A. machen müssen und hätte mir Inhalte eher nach Interesse aussuchen können.
    permalink
    Veröffentlicht: 07.05.2008 um 13:48 von dae-su dae-su ist offline
  6. Alt
    Benutzerbild von dae-su
    So mach ich jetzt (gerne) Soziologie, kann mich aber, auch jetzt in meinem "Hauptstudium", nicht auf gewünschte Inhalte konzentrieren. Und ich mache (weniger gerne) Politik. Wofür? Da stellt sich mir ja die gleiche Frage wie dir. Im Moment seh ich nur Pflichtmodule und Credit-Points, die erreicht werden sollen. Aber nicht im Bereich Mediensoziologie, wie ichs gerne hätte, sondern in Vergleichender Politikwissenschaft. Scheiß Bologna.
    permalink
    Veröffentlicht: 07.05.2008 um 13:49 von dae-su dae-su ist offline
  7. Alt
    Jau ich muss sagen, auf Bachelor hätt ich TFM nicht studiert, da kommt die Umstellung bei uns glaub ich 2009.
    permalink
    Veröffentlicht: 08.05.2008 um 18:56 von vogel vogel ist offline
 
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