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Prince of Persia (Mike Newell, 2010)

Veröffentlicht: 31.05.2010 um 13:52 von vogel
Aktualisiert: 31.05.2010 um 13:56 von vogel


"The gods have plan for you. A destiny."

Mögliche Aufhänger einer lesenswerten Einleitung, auf die im Fazit dieser Besprechung wieder Bezug genommen würde: Videospielverfilmung, Disney trifft Jerry-Bruckheimer-Blockbuster, Jake Gyllenhaal mit Muskeln, der Sandalenfilm im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Und so weiter. Egal womit ich einleite, es ändert alles nichts daran, dass ich in der vierten Reihe eines Lagerhallenkinos saß, gemeinsam mit 400 Frauen, die keine Tickets für Sex and the City 2 bekommen hatten und ihre Sektlaune durch das Anschauen schöner Menschen in schöner Kulisse aufrecht zu erhalten suchten. Letzteres machte nichts, dafür sind Freitagabende und Filme wie dieser schließlich da. Ersteres gestaltete sich schwieriger als noch am Ticketschalter vermutet, denn Prince of Persia ist – so weiß jetzt die gesamte Reihe 4 – nicht gemacht, um ihn aus der Froschperspektive anzuschauen. Eine Genickstarre wäre zu verkraften, hätte sich denn vor lauter umherwirbelnden Dingen (Menschen, Waffen, Zeitsand) auf der Leinwand überhaupt etwas erkennen lassen.

Dennoch, mich konnte an diesem Abend nichts erschüttern. Nicht meine eigene Unpünktlichkeit, nicht der daraus resultierende Sitzplatz, nicht der Film. Alles war einfach irgendwie egal. Und wenn ich rückblickend über Prince of Persia nachdenke, ist das nur verständlich. Warum sollten mir Handlung und Figuren etwas ausmachen, wenn diese offensichtlich nichtmal den Filmproduzenten etwas bedeuteten? Logik, Empathie, Spannung. Irgendwie war das alles wurscht, Mitfiebern unmöglich. Ein Problem übrigens, das auch Flex in seiner MG-Kritik thematisiert (und auf den Zeitsand als ultimativen Spannungstöter zurückführt) und was auch in Daniel Bickermanns Schnitt-Rezension von Bedeutung ist. Der schreibt:

Zitat:
Es ist mit konventionellen Mitteln längst nicht mehr möglich (noch ist es wünschenswert) im Blockbusterfilm Spannung im eigentlichen Sinn zu erzeugen. Der Versuch, so etwas wie Suspense bei einem Schwertkampf des übermenschlichen Helden mit einem Dutzend gesichtsloser Stuntstatisten in Minute zwanzig des Films herstellen zu wollen, ist kindisch und verkennt schlicht die Situation. Das Publikum erwartet seit mehr als zehn Jahren keine Dramatik mehr in solchen Mainstream-Kampfsequenzen. Natürlich wird der Held gewinnen.
Natürlich wird Jake Gyllenhaal gewinnen. Nicht nur das Herz des Bond Girls, sondern auch den Kampf gegen den stereotyp besetzten Bösewicht. Einerseits muss ich Herrn Bickermann da zustimmen, wenn er weiter schreibt, dass der Unterhaltungswert in der Handlung von Filmen wie Prince of Persia in erster Linie durch Unerwartetes und Komisches geschaffen werden muss. Siehe Fluch der Karibik, siehe Indiana Jones. Oder auch die Transformers-Filme. Aber andererseits, so ein bisschen Spannung muss schon sein, oder? Das darf einem als Zuschauer doch nicht völlig egal sein, was da passiert. Was wurde aus dem alten Blockbuster-Grundprinzip, dem mitreißenden „Dinosaurier sehen und nicht gefressen werden“? Wichtig ist doch immer noch die Glaubwürdigkeit einer Geschichte und ihrer präsentierten Gefahren im Kino als einem Raum der phantastischen Vorstellungskraft. Ein bisschen ernste Substanz muss bei all der Albernheit doch zu spüren sein. Es braucht glaubwürdige Gefahren, auch wenn sie sich in dem abgesicherten Rahmen, dass am Ende immer der Gute gewinnt, befinden. Gerade in einer Abenteuergeschichte. Ich weigere mich zu akzeptieren, dass das Publikum allein durch einen rumhampelnden Clown und ein hübsches Dekolleté unterhalten werden möchte.

Selbst jene grundsätzliche Krise des Blockbusters außer Acht gelassen, funktioniert in Prince of Persia nicht allzu viel. Der Story fehlt es an Logik und durch das viele Hin und Her ist selten klar, worauf die Dramaturgie überhaupt zusteuert, was dem Spannungsbogen und den Plot-Twists leider gar nicht gut tut. Der Humor wirkt bemüht, der Dialogwitz läuft oft ins Leere. Die Dynamik zwischen Gyllenhaal und Gemma Arterton krankt am Timing und nicht zuletzt an den furchtbaren Floskeln, die sie brav aufsagen müssen. Das alles war an jenem Freitagabend zwar nervig, aber nie so, dass es mich wirklich aufgeregt hätte. Es war einfach irgendwie egal. Und damit ist leider das derzeitige Blockbusterkino recht gut zusammengefasst.

OT: Prince of Persia - The Sands of Time
Regie: Mike Newell, Drehbuch: Boaz Yakin, Doug Miro, Carlo Bernard.
Mit Jake Gylllenhaal, Gemma Arterton, Ben Kingsley, Alfred Molina, u. a.

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Kategorie: Filme , Notizen
Hits 1814 Kommentare 5 Hinweis auf diesen Blog-Eintrag per E-Mail verschicken
Kommentare 5

Kommentare

  1. Alt
    Benutzerbild von Doc Lazy
    Erstklassig!
    permalink
    Veröffentlicht: 31.05.2010 um 21:03 von Doc Lazy Doc Lazy ist offline
  2. Alt
    Ich nehme an, damit meinst du nicht den Film, sondern meine sehnsüchtig erwartete Rückkehr zu den movieblogs!
    permalink
    Veröffentlicht: 01.06.2010 um 11:21 von vogel vogel ist offline
  3. Alt
    Benutzerbild von Doc Lazy
    Doppelbedeutung: Nicht nur die Rückkehr, auch der Review selbst war gemeint!
    permalink
    Veröffentlicht: 01.06.2010 um 12:35 von Doc Lazy Doc Lazy ist offline
  4. Alt
    Benutzerbild von Flex
    Der Film ist wirklich erstklassig, da geb ich euch voll recht!!!11
    permalink
    Veröffentlicht: 04.06.2010 um 09:08 von Flex Flex ist offline
 
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