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Der Knochenmann (Wolfgang Murnberger, 2009)

Veröffentlicht: 26.03.2009 um 17:29 von vogel
Aktualisiert: 26.03.2009 um 18:28 von vogel

(Bild aus der MG-Galerie)

Da ist man schon ein bißchen überrascht, wenn man das Buch gelesen hat. Weil da wird so einiges weggelassen (Kunst, Fußball), anderes dafür dazugeschrieben („Brenner ist verliebt“). Wolfgang Murnbergers dritte Verfilmung von Wolf Haas' Brenner-Krimis geht letztlich erstaunlich weit von der Vorlage weg, doch das ist (weitgehend) nichts Schlechtes. Weil, mal so gesehen, Der Knochenmann ist nicht das beste Buch aus Haas' sechsteiliger Reihe, genau genommen ist die finale Auflösuing sogar arg überkonstruiert und ein bißchen zu wirr – nicht nur für schmale 160 Taschenbuchseiten. Da wurde vom Trio Haas, Murnberger und Hader für die filmische Umsetzung einiges an Drehbucharbeit geleistet, dass man da am Ende glücklicherweise doch sagen kann: beides gute Geschichten, die innerhalb ihrer jeweiligen Medien schön funktionieren. Die Pointen beider Versionen sind gänzlich unterschiedliche, der Ekelfaktor ist ein anderer, Elemente aus Horror und Komödie kommen jeweils anders zum Tragen und letztlich bewegt sich Der Knochenmann dann doch stark von der „Krimi“-Idee weg – nicht nur weil das Filmende um einen Showdown kürzer gemacht wurde.

Das Schöne an den Murnberger-Verfilmungen insgesamt: Man wird ihnen nie einen Stilbruch vorwerfen können, weil sie einfach noch nie einen Stil hatten. Vom absurd-schwarzhumorigen Komm, süßer Tod über den thrillerartigen Silentium bis zur, naja, romantischen Familientragödie Der Knochenmann. Genrezuweisungen scheinen insgesamt wie im Einzelfall nutz- und sinnlos, die Geschichten oszillieren immer entlang der schmalen Grenze zwischen Komödie und Tragödie. Konsequente Inkonsequenz, sich-nicht-Festlegen-wollen-und-lassen, wie man es auch nennen mag, es kamen drei äußerst sehenswerte Filme dabei heraus. Und Hader schauspielerisch wie immer toll, Der Knochenmann teilweise urkomisch.

Doch zwei Kritikpunkte zum Knochenmann: Schade, dass man dem Brenner den Auftrag weggenommen hat – im Buch gabs ja einen zum Einstieg, den übernimmt ja hier die Liebesgeschichte. Im Prinzip, so blöd es klingt, käme die Geschichte auch ohne Brenner aus, weil er ist nicht als Protagonist ausgearbeitet, er ist einfach (auch) da. Nichtsdestotrotz, funktioniert trotzdem. Sehr schade fand ich allerdings, dass man den Erzähler gestrichen hat – na gut, den Einstieg macht er – aber dennoch. Diese Erzählstimme, die ich seit Komm, süßer Tod beim Lesen von jedem Brenner-Krimiroman im Kopf habe, die fehlte mir.

Stichworte: 2009, josef hader, krimi, wolf haas
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Kategorie: Filme
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