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Der Regisseur war Scheiße, aber das Catering echt lecker!

Veröffentlicht: 05.10.2008 um 12:11 von Phantomproduktion

Interview mit Fitz van Thom zum neuen Kinoprojekt "Freundschaft!"


(Paris)
Wir haben den Film- und Theatermacher Fitz van Thom in seinem zweiten Zuhause, einem Peugeotbus aus den achtziger Jahren getroffen.
Birgitt Schumann führte das Interview am 3.10.2008 während der Recherche für den Film „Freundschaft!“ auf einer Landstraße in Frankreich.
Er hockt mit einer Spiegelreflexkamera auf dem Boden und sucht den geeigneten Ausschnitt.
Dieses Foto, diese Einstellung, aus den Pixeln des Fotos wird später wieder etwas Gezeichnetes, dann, im Storyboard dient es wiederum dem Kameramann als Hilfe, sich genauso hinzuhocken wie der Regisseur.
Als wir das Interview beginnen, zaubert er in seiner Busküche erstmal einen leckeren Milchkaffee.

Glückwunsch zum Feiertag!
Danke, ebenso!

Ohne diesen Tag wären Sie nicht hier, oder?
Und Sie hätten jetzt keinen Milchkaffee.

Sie haben nach eigener Aussage vor, d i e Komödie zur Wiedervereinigung zu machen, ist das nicht ein bisschen zu hoch gegriffen?
Das Ergebnis wird sich sehen lassen können, davon bin ich überzeugt!

Der Plot Ihrer Komödie hört sich sehr interessant an, drei junge Männer haben den Traum beim 24h-Rennen von Le Mans teilzunehmen- blöderweise leben sie in der DDR und kommen nicht raus und dann doch oder nicht… Wie viel Realität steckt im Film?
Sehr viel! Das Drehbuch ist ein Puzzle aus lauter kleinen Begebenheiten, die tatsächlich passiert sind, das merkt man und es bringt Authentizität und Wahrhaftigkeit in diesen Film.
Natürlich ist es ein Märchen, dass die DDR jemals in Le Mans gefahren ist - damit baue ich ein fiktionales Element in eine Aneinanderreihung von wahren Geschichten mit sehr authentischen Schauspielern.

Viele dieser Schauspieler sind relativ unbekannt, einige, wie Radost Bokel dafür um so bekannter.
Man bekommt also neue und bekannte Gesichter zu sehen, wie ist das Mischungsverhältnis?

Ausgewogen. Wie bei der Zusammenstellung der Crew wird auch beim Cast die gerechteste Mischung gewählt, um eine produktive Balance und gleichzeitig wertvolle Reibungspunkte zu schaffen.
Wir haben Ossis, Wessis, alte, junge, bekannte und unbekannte Schauspieler - für mich sind alle gleich und doch so verschieden.
Wichtig war mir, vor allem die Hauptrollen mit Newcomern zu besetzen, die ihren Job aber schon ein paar Jahre machen und so habe ich bewusst auf sehr viele Theaterschauspieler zurückgegriffen.
Ich hab keine Lust mehr, in jedem deutschen Film dieselben Gesichtsverleiher zu sehen.
Für jeden meiner Darsteller lege ich meine Hand ins Feuer - das ist eine Liga von außergewöhnlichen
Ladys und Gentlemen!


Gesichtsverleiher?!

Ein Begriff, den ich vom Schauspieler Leander Lichti habe. Ein anderes Wort für Schauspieler-
ich stell mich auf Partys manchmal so vor- das kommt gut an.

Apropos Party- Sie waren Mitte September bei der „Art of Cart“- Rennveranstaltung in Wien. Man hörte, dass Sie sich dort beim Kart-Rennen die Rippe gebrochen haben - immer voller Einsatz?
Also, ich habe mir noch nie etwas gebrochen, Gott sei Dank! (Klopft dreimal auf den Holztisch.)
Und der kleine Crash in Wien… naja - also Nase und Rippen zählen einfach nicht als Bruch!
Geärgert habe ich mich über mich selbst, dass ich das Kart über- und die Strecke unterschätzt habe, anstatt besonnen zu fahren.
Wollte gleich in die Vollen gehen, um schnelle Zeiten rauszufahren.
Passiert mir so schnell nicht wieder!

Verraten Sie uns, was das Besondere an der Story des Filmes ist?
Nun, es gibt eine sehr schöne Grundgeschichte, die von Freiheit, Mut und Abenteuer erzählt, aber das ist es noch nicht ganz.
Ins Drehbuch sind unzählige kleine Geschichten und Begebenheiten eingewoben, die tatsächlich und wahrhaftig so passiert sind.
Einige dieser Dinge habe ich selbst erlebt, dass macht das Ganze so authentisch.

Mal ehrlich, Freiheit in Zeiten der DDR, das ist doch ein Widerspruch, oder?
Ja und Nein, geografisch war man natürlich eingesperrt, aber das setzt ja bekanntlich sehr viel Phantasie frei, was sich, zum Beispiel, unmittelbar auf die Kunst auswirkt.
Und Freiheit kann man nur genießen, wenn man weiß, wie Unfreiheit schmeckt.

Also , obwohl es eine Komödie wird, gibt es auch kritische Töne im Film?

Absolut, wir sparen nicht mit Seitenhieben auf das heutige Deutschland, ich bin da kabarettistisch vorgeprägt.

Sie haben sehr früh mit Ihrem Vater Kabarett gespielt. Ist es einfacher, mit Familienmitgliedern zu arbeiten?

Es ist nicht weniger anstrengend oder reibend, der Respekt füreinander ist allerdings größer, so dass man sich bei Proben eben nicht so gehen lässt wie ein Arschloch.

Ein Rezensent hat Sie mal mit Klaus Kinski verglichen.
Ach Gott - ich weiß.
Damals war ich zwar irrsinnig stolz auf diesen Vergleich, aber da war ich auch erst 22!
Und heute weiß und hoffe ich, dass ich nichts, aber auch gar nichts mit ihm gemein habe.
Ich habe mich im Stück damals einfach nur herrisch und größenwahnsinnig gegeben, das war die Rolle- raus kam ein Monster, dass einige Leute an Kinski erinnerte.

Es ist doch nicht das schlechteste, immerhin ist Klaus Kinski weltweit bekannt.

Ich bin nicht so und will nicht so sein.

Sie führen einen Regiestil, den einige sogar als demokratisch bezeichnen…

Also doch nicht Kinski?!
Im Ernst, das klingt so, als würde ich die Leute abstimmen lassen, was heute gedreht wird und ob überhaupt.
Es geht bei meinen Drehs immer sehr harmonisch zu, das stimmt.
Ich tue alles, um die Stimmung am Set vom ersten bis zum letzten Drehtag sehr weit oben zu halten, aber demokratisch klingt irgendwie irreführend.

Verraten Sie mir wie Sie die Stimmung halten?
Das müssen Sie die Leute fragen, die mit mir gearbeitet haben, das ist bei jedem unterschiedlich.
Dem einen gefällt die Art, den Schauspielern meine Bilder zu vermitteln, der andere sagt vielleicht: „Der Regisseur war Scheiße, aber das Catering echt lecker!“
Mein Freund Daniel Schuster hat einen guten stimmungsverbessernden Vorschlag gemacht, den ich bei diesem Dreh zum ersten Mal versuchen werde.

Sie verteilen Drogen am Set?

Genau!
Nein, viel besser: Es gibt ab und zu eine Set-Lotterie: Alle Tagesgagen kommen in neutrale Umschläge und jeder darf ziehen- so hat der Praktikant genau die gleichen Chancen auf das Gehalt vom Aufnahmeleiter, wie umgekehrt.

Kommt Ihnen da Ihre Arbeit als Magier ein wenig zu Hilfe, damit Sie auf Ihren Schnitt kommen?
Ich kann meine beruflichen Genres sehr gut trennen.
Aber Sie haben recht. Mein Magie-Mentor Aaron, Magier und Hypnotiseur, hat mal gesagt;
Wenn man den Leuten erzählt, man ist Zauberer, dann halten alle erstmal ihre Brieftaschen fest.
Meine magische Arbeit wird natürlich in anderer Form in den Film einfließen. Versprochen.

Auf der Homepage Ihrer Firma bezeichnen Sie sich als Kapitän und Ihre Phantom Produktion als Piratenschiff, sind Sie mal zur See gefahren?
Nein. Ich habe dieses Schiffsgefühl, seit ich mal ein Jahr lang in diesem Wohnbus gelebt habe.

Aus Spaß?

Aus Geldmangel.

Den Idealismus über Budget gestellt?
Möglicherweise.
Normalerweise kann ich, als Sohn eines Doktors für Ökonomie, recht gut mit Geld umgehen, aber wenn es nicht reicht, dann hilft auch kein Rechnen mehr…
Auch das wird in den Film einfließen- der große Konflikt ist nicht so sehr zwischen Ost und West sondern zwischen oben und unten.

Klingt interessant, ich freue mich auf den Film, sage toi toi toi und hätte gern noch einen Milchkaffee!

Wie heißt das Zauberwort?

Freundschaft!

Genau!


B.S .08 / "Freundschaft!" / PHANTOM PRODUKTION 2009

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Kategorie: Kategorielos
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