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Die blaue Grenze - Till Franzen, 2005

Veröffentlicht: 23.04.2009 um 02:39 von Leisure Lorence
Aktualisiert: 23.04.2009 um 02:42 von Leisure Lorence


Asche über mein Haupt, dass ich dieses Kleinod des deutschen Films, dessen Handlung auch noch in meiner Heimatstadt spielt, bisher nicht gesehen habe. Aber wie so oft im Leben sind Vergehen und Strafe in diesem Falle identisch: Ich habe schlichtweg etwas verpasst. Nun war für mich die Inszenierung Flensburgs als mystischer, gefährlicher, fast magischer Ort wahrscheinlich doppelt surreal wie für den nicht "von da wech" Kommenden. Aber ich denke, auch für jeden anderen sollte dieses Ostseeküsten-"Twin Peaks" seinen Reiz haben. Die Lauben der "Stillen Liebe" bergen wie das Block House bzw. der Red Room düstere Geheimnisse, und als ein Cowboy, der direkt Mulholland Drv. entsprungen sein könnte, auftaucht, spricht er nicht verzerrt oder rückwärts, sondern ein viel eleganteres Kauderwelsch: dänisch. Die Toten werden verheißungsvoll in Glücksburg beerdigt.



Sogar das "One Eyed Jack" bekommt in der "Roten Laterne" ein passendes Gegenstück, ein Cameo, das mich umso mehr erfreute, da der Originalschauplatz mittlerweile so aussieht. Aber eine "lynchy" Atmosphäre ist natürlich nicht das ganze Kapital des Films: Antoine Monot Jr. zeigt mit seiner Verkörperung des äußerlich behäbigen und innerlich verzweifelten Momme einmal mehr sein Können, Hanna Schygulla und Dominique Horwitz runden das Ensemble ab. Für Freunde des deutschen Kinos ist der Auftritt von Sebastian "Absolute Giganten" Schipper ein besonderer Leckerbissen.
Aufmerksame Leser werden bemerken, dass ich mich um die Inhaltsangabe herumgedrückt habe. Und wirklich fällt sie mir in diesem Fall recht schwer, zumal einfach Handlungsfäden aufzudröseln der falsche Ansatz scheint. Am besten fasst die Geschichte von Momme und Lene folgender Liedtext zusammen:
Es waren zwei Königskinder,
die hatten einander so lieb,
sie konnten zusammen nicht kommen,
das Wasser war viel zu tief.

In seiner Bevorzugung von Stimmungen und Motiven vor Handlung und Aussage wie auch in seiner spröden Lakonie ist "Die blaue Grenze" ein sehr untypischer und damit umso wertvollerer Vertreter des deutschen Films, der über die blaue Grenze Richtung Skandinavien auf Bent Hamers oder Aki Kaurismäkis liebenswerte Kauzigkeit verweist.

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Kategorie: Fuilm , David Lynch , Filme
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