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Religulous - Larry Charles, 2008

Veröffentlicht: 10.03.2009 um 10:29 von Leisure Lorence
Aktualisiert: 22.03.2009 um 20:04 von Leisure Lorence
Trailer:


lalala



Der neueste Streich des "Borat"-Regisseurs Larry Charles. Um das Negative gleich vorwegzunehmen: Der Vorgänger ist ehrlicher gewesen, soweit Ehrlichkeit eine Kategorie für das Genre der Mokumentary ist. Bei Sacha Baron Cohens anarchischen Eulenspiegeleien war man (als Zuschauer) immer über die Intentionen des Ganzen im Klaren.
Comedian Bill Maher hingegen steigt mit einem "My product is 'I don't know'" in die Debatte ein und stellt sich damit in die Tradition des scheinbar niaven Nachfragens, die mit Sokrates' Mäeutik begann. Dabei ist er jedoch nicht, wie er vorgibt, ein Agnostiker, also ein Zweifler, sondern geht bereits mit dem Vorsatz, diesen lächerlichen Religiösen die Affenmaske vom Gesicht zu reißen, in seine Gespräche hinein. Aus seinem 'I don't know' vom Anfang wird so zum Ende hin ein leidenschaftliches Plädoyer zur Abschaffung aller Religionen, ohne dass dieser Schritt durch das Gesehene gerechtfertigt wird. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hat er nur die Verwirrtesten, die Dumpfesten und Beschränktesten aller Herren Länder gehörig und -hier kommen wir zum Positiven- gelungen vorgeführt.
Für den Unterhaltungswert ist dies natürlich die ergiebigste, für den Erkenntnisgewinn die schlechteste Lösung. Denn genausowenig wie sich der reflektierte Atheist zwangsläufig in hedonistischen, materialistischen MTV-Datingshowkanditaten wiedererkennt, muss sich der gemäßigt Religiöse mit den Fundamentalisten seiner Religion identifizieren. Die "Tut nicht weh" -Religion Buddhismus wird zum Beispiel in "Religulous" nicht einmal erwähnt - ein zu komplexes, unsicheres Ziel, das bessere Vorbereitung gebraucht hätte als Maher an den Tag legt (die Muslime hätte man z.B. durch das Stichwort "Taqiyya" schneller unter Druck setzen können). So ist "Religulous" letztendlich nur ein Produkt für das liberale Amerika, auf dass es sich über das religiöse Amerika lustig machen kann. Dass es vielleicht etwas anderes sein könnte als reine Dummheit, die Menschen zur Religion treibt, und was die Alternativen sein könnten, dieser Themenkomplex wird nicht einmal angerissen. Da es einem Atheisten schlecht zu Gesicht steht, selber ein fanatischer Fundamentalist zu sein, ist Beitrag zur 'guten Sache' in "Religulous" eher marginal - Erkenntnissuchende sind mit diesem Wired-Artikel über 'New Atheism' besser bedient. Der Film hingegen ist eine reine Freakshow und als solche zur reinen Unterhaltung gelungen in Szene gesetzt. Absolut popcornkompatibel.
Und wenn Ihr bis hierhin brav den Text gelesen habt, seid ihr selber schuld, denn viel bequemer ist es, sich das Ganze in Felix' und meinem lieblichen Vibrato anzuhören:


lalala



"Religulous" kommt am 02.04.09 ins Kino.

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Kategorie: Fuilm , Filme
Hits 2058 Kommentare 4 Hinweis auf diesen Blog-Eintrag per E-Mail verschicken
Kommentare 4

Kommentare

  1. Alt
    ich konnte den film schon sehen und empfand ihn als herrliche, lustige, nicht repräsentative und nicht neutrale, momentaufnahme...
    In jedem fall "trotzdem" lohnenswert...
    permalink
    Veröffentlicht: 11.03.2009 um 12:13 von Student a.D. Student a.D. ist offline
  2. Alt
    [Beleidigungen gelöscht]
    permalink
    Veröffentlicht: 21.03.2009 um 03:45 von werauchimmer werauchimmer ist offline
    Aktualisiert: 21.03.2009 um 10:49 von Flex
  3. Alt
    Der Zorn des Khan?!?

    Yo, werauchimmer den Kontext einer subjektiven Meinugsäußerung zu einem beliebigen Film dazu nutzt, seine konstruktive Kritik in persönlichen Antipathien zu ersäufen oder einfach nur mit seinem überlegenen Intellekt zu kokettieren, der wird schon seine Gründe haben. Mich interessieren sie allerdings nicht die Bohne. Nichts langweilt so sehr wie Arroganz, da höre ich lieber den Sparlampen zu...

    This is NOT Ceti Alpha V!
    permalink
    Veröffentlicht: 21.03.2009 um 08:56 von Agent K Agent K ist offline
  4. Alt
    Benutzerbild von antagon
    "My product is 'I don't know' "
    Ein Motto, das auf die Kirchen auf Mitgliederfang doch sehr gut passt
    (Glauben = Nicht-Wissen)

    (und das sagt der Macher über sich selber?)


    Warum wird denn der Status des Dokumentarfilms in Frage gestellt?
    Bloß weil der Macher parteiisch ist (das gibt es in vielen Dokus) ß

    Bin gespannt auf den Film,
    das Thema ist angesichts Nah-Ost-Konflikte / Bin Laden / Papst in Afrika etc. voll relevant
    permalink
    Veröffentlicht: 23.03.2009 um 11:16 von antagon antagon ist offline
 
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