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Handymania

Veröffentlicht: 30.11.2007 um 14:08 von Guru
Aus aktuellem Anlass...

Mobiltelefone sind eine feine und anständige Sache. Wirklich. In einem Zeitalter in dem wohl selbst der ignoranteste aller Mitmenschen weiß, dass es sich beim Internet nicht um eine internationale, terroristische Verschwörung handelt (zumindest nicht bei einem Großteil davon) ist das Mobiltelefon, von seinen stolzen Besitzern auch liebevoll „Handy“ genannt, eine wichtige und nicht mehr wegzudenkende technische Errungenschaft. Vorbei sind die Zeiten in denen nur absolute Technikfreaks in Besitz eines solchen Wunderwerks waren, welches zu Beginn annähernd Gewicht und Ausmaße eines Videorekorders hatte und wohl eher für Bodybuilder als für Geschäftsreisende geeignet war.

Doch Dank technischer Revolutionen wurde das Mobiltelefon mittlerweile auf Handflächengröße verkleinert, sodass es nur noch eine Frage der Zeit ist bis in den Gebrauchanweisungen dieser Geräte ein Warnhinweis auf „akute Einatmungsgefahr“ zu finden sein wird. Und um dem Konsumrausch eines Otto Normalverbrauchers gerecht zu werden, und dazu zählen längst nicht mehr nur technikverliebte Männer, gibt es Mobiltelefone in allen Farben, Formen und natürlich Preisklassen. Letztere sind ausschlaggebend dafür, dass sich jeder, aber auch wirklich jeder ein Handy leisten kann. Also auch solche, die gar keines brauchen oder keines besitzen dürften. Offenbar scheinen auch mittlerweile die Unkenrufe aller Kritiker verstummt zu sein (oder es hört keiner mehr hin) die der Handystrahlung krebserregende Wirkungen nachgesagt haben, was aber, wenn man den Medien glauben darf, ohnehin durch sogenannten Langzeitstudien (wie lange muss eigentlich eine Langzeitstudie dauern um als solche zu gelten?) widerlegt worden ist. Aber welchem alltäglichen Konsumgegenstand werden denn keine solchen schädlichen Wirkungen nachgesagt? Man muss eben nur lange genug warten (in der Regel länger, als solche Langzeitstudien dauern).

Man muss schon zu einem verschwindend geringen Prozentsatz unserer Technologiegesellschaft gehören (also die, die immer noch nicht wissen was das Internet ist) um die wachsende Anzahl von Handybesitzern nicht zu bemerken. Wie bereits erwähnt halte ich das Mobiltelefon für eine vernünftige Erfindung, die es dem Besitzer erlaubt auch in unvorhergesehen Situationen Kommunikation mit der Außenwelt zu betreiben. Aber das eigentlich nervige an dieser Entwicklung sind die Handybesitzer selbst und dass, was so mancher als „unvorhergesehen Situation“ erachtet. Und dabei lässt sich die Reihe der Handybesitzer sauber klassifizieren. Da wären als erstes, nach wie vor, die Technikfreaks. Sie kaufen sich immer das neueste (und meistens auch kleinste) Handy auf dem Markt und kennen jede einzelne Funktion Ihres technischen Wunderwerks ... auswendig! Und sobald es das Nachfolgemodell mit neuen, überflüssigen Funktionen gibt (oder sie ihr bisheriges Handy aus Versehen eingeatmet haben) ist das „alte“ auch schon passé und das neue muss her. Diese Sorte von Handybesitzern ist aber eher harmlos, wissen sie doch selbst am besten was sie an ihrem Handy haben und sie prahlen damit eigentlich nur bei unvorsichtiger, direkter Provokation („Guck mal, hab mir’n neues Handy gekauft!“ (abfällig) „Ach, das hat ich vor 2 Monaten auch noch. Hatte leider kein GPRS/HCSD/WAP/IR/UMTS...“). Wer sich mit solchen Menschen auf eine technische Diskussion einlässt ist entweder extrem dumm oder selbst Technikfreak.

Viel schlimmer, und leider auch am weitesten verbreitet, sind die „Ja, ich habe jetzt auch ein Handy“-Handybesitzer, die offensichtlich allen und jedem demonstrieren müssen dass der technische Fortschritt auch bei Ihnen nicht halt gemacht hat und auch sie jetzt wissen, was das Internet ist. Jedes halbwegs vernünftige Handy ist mit einem sehr nützlichen Vibrationsalarm ausgestattet, der in öffentlichen Umgebungen dazu dienen soll seine Mitmenschen nicht unnötig durch lärmende Klingeltöne zu belästigen. Also wie mir scheint hat diese Sorte von Handybesitzern sich niemals so weit in den Dschungel der Handyeinstellungen vorgewagt um diese Funktion zu entdecken, denn wie sonst wäre es zu erklären dass man als Zugreisender im 2-Minuten Takt von lärmenden Handys belästigt wird, deren Besitzer aber offensichtlich eine Funktion doch gefunden hat, nämlich die, um die Lautstärke des Klingeltons bis zum Anschlag aufzudrehen.

Nachdem man anstandshalber sein Mobiltelefon drei bis vier mal hat läuten lassen (also lange genug bis auch der letzte Fahrgast und Handybesitzer im Abteil zu seinem eigenen Handy gegriffen hat um sich zu vergewissern dass nicht doch das eigene Mobiltelefon klingelt) beginnt man lautstark ein Telefongespräch, dessen Inhalt auch dem schwerhörigsten aller Fahrgäste förmlich aufgedrängt wird. „Mensch, das ist aber toll, dass du mich anrufst! Du wirst es nicht glauben aber ich bin in 10 Minuten zu Hause!“, was den Telefonierenden aber trotzdem nicht daran hindert seinem vis-a-vis den gesamten Tagesablauf zu schildern. Der Lautstärke nach zu urteilen hätte sich die beiden mit Sicherheit auch ohne Handy unterhalten können, schließlich sind es eh nur mehr 10 Minuten bis nach Hause. Wäre unter Umständen billiger gewesen aber über so etwas spricht man ja ohnehin nicht. Zu dieser Sorte von Handybesitzern zählen nach meiner Auffassung auch Leute, die während einer Zugfahrt von einem Geistesblitz getroffen wurden und damit beginnen, die Vielzahl der Klingeltöne ihres Handys auszuprobieren. Die Freude des Experimentierenden wird dabei in den seltensten Fällen von den anderen Fahrgästen geteilt, die dem, konzentriert den Wohlklängen seines technischen Wunderwerks lauschenden, Handybesitzer am liebsten mit dem nächst besten, stumpfen Gegenstand den Schädel einschlagen würden, wenn es die deutsche Gesetzgebung erlauben würde. Und das Obskure an dieser schier unüberhörbaren Vielzahl von Klingeltönen ist die Tatsache, dass zwar jeder stolze Handybesitzer seinen eigenen, individuellen, womöglich selbst komponierten Klingelton hat, die Ankunft einer SMS 90% aller Mobiltelefone aber exakt die gleiche Tonfolge entlockt und somit jeder anwesende Handybesitzer mit freudigem Gesichtsausdruck das Display seines Handys beäugt, auch wenn er eigentlich den Vibrationsalarm aktiviert oder es ganz abgeschaltet hatte.

So etwas erinnert mich dann immer an diese gewisse Filmszene aus „Curly Sue“, in der in einer überfüllten Bar ein Handy klingelt, jeder (aber wirklich jeder!) sein Handy zückt bis einer dankbarer Weise brüllt „Ist für mich!“. Na da sehnt man sich doch wieder ins Zeitalter der Rauchzeichen zurück. Die machten wenigstens keinen Lärm. Aber mit ziemlicher Sicherheit waren Sie krebserregend, was damals aber wahrscheinlich mittels einer Langzeitstudie widerlegt wurde. Bis schließlich die ersten Benutzer an Rauchvergiftung starben und jemand auf die zündende (man beachte bitte den Wortwitz!) Idee kam ein Mobiltelefon zu erfinden, dessen schädliche Auswirkungen sich ebenfalls bestens mit einer Langzeitstudie widerlegen ließen. Aber das hatten wir ja schon. Außerdem würde es bei einem Mobiltelefon auch völlig egal sein ob, wie stark und aus welcher Richtung der Wind weht, was wohl ein weiterer Stein des Anstoßes für dessen endgültige Erfindung gewesen sein muss.

Wenn man es sich recht überlegt überwiegen die Nachteile der Rauchzeichentechnik derart, dass selbst nervige Klingeltöne wie purer Luxus anmuten müssen. Zumindest für jene unter uns, die sich früher einmal mir Rauchzeichen verständigt haben.
Eine weitere Sorte von Handybesitzern, die, zu der ich mich selbst auch zählen würde, sind Leute, die sich der puren Nützlichkeit dieser technischen Errungenschaft bewusst sind und sie nur dann einsetzen wenn sie diesem Anspruch auch gerecht wird. Solche Menschen wollen einfach erreichbar sein (und das nicht um mit jemandem über das Wetter oder dem bisherigen Verlauf der 6-Stündigen Zugfahrt zu plaudern) oder jemanden erreichen, wenn mal eben kein Münzfernsprecher greifbar ist. Auch schalten Sie ihren Telefonzwerg brav auf Vibrationsalarm und deaktivieren ihn ordnungsgemäß, um sich vor unerwünschten Anrufen zu schützen. Und wenn das alle so machen würden wäre das Leben eines so manchen Zugreisenden (und auch aller anderen) wesentlich erträglicher.

Ein vollkommen neuer Typ von Handybesitzern hat sich erst vor kurzem gebildet. Oder ist vielmehr gebildet worden. Klar ist mir nicht entgangen dass das Durchschnittsalter von Handybesitzern stark gesunken ist (wahrscheinlich hat man wegen der winzigen Tasten in fortgeschrittenem Alter Probleme die Nummer seiner Enkel zu wählen. Ganz zu schweigen von den fatalen Folgen, wenn sich so ein Ding in Beatmungsgeräten verfängt...), doch Kindern diese Geißel der Menschheit bereits in die Schultüte zu legen ist fast schon lächerlich. Kaum bis drei zählen aber perfekt SMS verschicken können. Eltern argumentieren gerne mit der Gewissheit ihren Sprössling immer und überall erreichen zu können, der ja gar kein Telefonguthaben hätte und das Handy quasi nur zum Zwecke der Erreichbarkeit mit sich führe. Genau! Und ein Scheinwerfer wirft Scheine! Es soll ja in Amerika Eltern geben die wegen der zunehmenden Gewaltverbrechen Ihren Kindern eine Art Peilsender in Form eines uhrenförmigen Armbands verpassen um so jederzeit die geographisch exakte Position ihres Balgs feststellen zu können. Was natürlich, im Falle eines tatsächlich eintretenden Gewaltverbrechens (von dem wir natürlich alle hoffen dass es nie eintreten wird, aber wir kaufen uns ja auch Autos mit Airbag), einen gewaltigen Vorteil bringt, kann man doch so die exakte Position des Armbands bestimmen, welches der gut informierte Gewaltverbrecher natürlich am Ort der Entführung zurückgelassen hat. Wow! Schlechtgelaunte, gut informierte Gewaltverbrecher machen sich vielleicht nicht einmal die Mühe das Armband vom Handgelenk des Kindes zu entfernen. Aber das würde jetzt zu weit führen.

Da stellt sich einem technikverliebten Individuum wie mir die Frage, was das wohl früher für eine schreckliche Welt gewesen sein muss. Eine Welt ohne SMS, Klingeltonvielfalt und Handybesitzer. Vermutlich war es sehr verraucht...

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