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Gentechnik im Alltag

Veröffentlicht: 29.09.2008 um 17:32 von Flex
Aktualisiert: 02.01.2009 um 18:36 von Flex
Das menschliche Genom ist entschlüsselt, die Folgen lassen nicht lange auf sich warten.
Als das Human Genome Project erste Runden in den Medien drehte, kamen berechtigte Ängste auf. Künftig würden ungeborene Kinder umfangreichen Tests unterzogen, um noch im Mutterleib Krankheiten oder Behinderungen ausmachen zu können, und ein Kind, das sich zu weit von der Norm abhebt, abtreiben zu können. Und was ist zu weit von der Norm? Down Syndrom? Ein Sprachfehler? Eine schiefe Nase? Der Weg von nataler Euthanasie zum Heranzüchten einer Welt voller Mondgesichter schien nicht weit.

Doch natürlich ist alles noch viel schlimmer. Bereits jetzt haben sich einige Biotechnologiefirmen darauf spezialisiert, die DNS ihrer Kunden zu entschlüsseln und auf USB-Sticks zu bannen. Das ist derzeit noch irrsinnig teuer und auch völlig sinnlos, doch der Anfang ist gemacht, der Preis wird sehr bald sehr stark fallen, und das öffnet das Tor zu einer neuen Welt."Personalized Medicine" nennt sich ein neuer Zweig der Medizin, der mithilfe der persönlichen DNS maßgeschneiderte Medikamente herstellen soll, perfekt auf jeden Kunden zugeschnitten. Die Vision, die Branchenvorreiter G. Steven Burrill in der Washington Post schildert, sieht so aus, dass der Kunde einfach einen Tropfen Blut oder Speichel in ein kleines "Blackberry-ähnliches" Gerät in der Apotheke eingibt und kurze Zeit später eine Liste seiner Krankheiten samt einer Tüte mit maßgeschneiderten Medikamenten erhält. Zu diesen Medikamenten können auch Mikrochips gehören, die die Patientendaten enthalten. Wenn man dann in Dubai einen Herzanfall erleidet, kann der dortige Arzt ganz einfach die Krankengeschichte abrufen. Bis man Neugeborenen diesen Chip einpflanzt, sei es vermutlich nicht mehr weit, denn der Großteil der benötigten Technologie existiere bereits.

Klingt super, oder? Einfach kurz beim Einkaufen eine Komplettkur abgreifen, anstatt ewig im Wartezimmer vom Hausarzt warten, der eh wieder nix findet?
Nun, vor der Freude über eine Zukunft ohne Krankheit stehen erst einmal die Kosten. Aktuell machen die Pharmakonzerne ihr Geld mit hohen Mengen billiger Medikamente. Wenn jeder Patient nur noch die Medikamente verschrieben bekäme, die er wirklich benötigt, würde die Branche vermutlich zusammenbrechen. Genau dies würde aber theoretisch passieren, wenn alles maßgeschneidert würde, ergo müssten die Konzerne die Preise anheben, und zwar gewaltig. Diejenigen, die sich über 10 Euro Praxisgebühr im Quartal aufregen, können sich auf was gefasst machen.
Die gesellschaftlichen Folgen könnten somit durchaus größer sein als die medizinischen. Die DNS-Proben landen natürlich alle in irgendwelchen Datenbanken, so dass der gläserne Mensch von da an endlich vollkommen sein wird. Aber auch das ist natürlich erst ein Anfang. Wie lange wird es wohl dauern, bis sich Firmen oder Privatleute das Analysegerät leisten können? Der Sprung von freiwilliger Selbstkontrolle zu unfreiwilliger Fremdkontrolle ist nicht weit, da braucht es nicht viel Fantasie, sich eine Welt vorzustellen, die von diesen kleinen DNS-Analysen bestimmt wird.
Wer beim Vorstellungsgespräch eine Tasse Kaffee annimmt, wird sich sicher sein können, dass anschließend eine Speichelprobe über die Vergabe des Traumjobs mitentscheidet. Das selbe gilt natürlich für den Kindergarten- oder Privatschulplatz für die Kleinen, die schicke neue Wohnung oder das erste Date. Wer will schon jemand mit nach Hause nehmen, ohne sich vorher gegen etwaige Geschlechtskrankheiten abgesichert zu haben?
Tja, und wenn es erst einmal Alltag geworden ist, dass Menschen mit Krankheiten weder einen Ausbildungsplatz, noch einen Job, geschweige denn einen Partner finden, dann ist es vielleicht doch eine Gnade, das Kind mit der Neigung zur Schuppenflechte gleich weg zu machen. Hallo, Doktor Mengele.

Eine schöne, neue Welt. Aber bitte erst, wenn ich weg bin.

Stichworte: gentechnik, medizin
Kommentare 1

Kommentare

  1. Alt
    Benutzerbild von Earlgrey
    Alles schlüssig geschlussfolgert. Aber es ist schon verlockend, wenn man bestimmte Krankheiten auf DNS-Ebene in Zukunft bekämpfen könnte. Na ja, gerade kam die Nachricht: AOK-Beitragssatz steigt von 14,5 auf 15,1%.
    permalink
    Veröffentlicht: 29.09.2008 um 18:59 von Earlgrey Earlgrey ist offline
 
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