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Alt 25.09.2015, 00:39
...is mostly "Confuzzled"....
 
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Standard Der Tag bricht an (1939) (Le jour se leve)

Als Regisseur Marcel Carné´dieses Werk anno 1939 in die Kinos brachte, wurde es nur wenig später durch die Zensurbehörde des Militärs verboten. Argumentierte diese, dass der Film einen der Gründe für den verlorenen Krieg lieferte. Sprich: Wehrkraftzersetzend. Regisseur konterte, dass man ein Barometer nicht für den angekündigten Sturm verantwortlich machen könnte. Und das ist es wohl, was den Film - der das Gefühl des "Kleinen Mannes" in den beiden Jahren vor Kriegsbeginn wohl in wohl dosierten kleinen Tupfen innerhalb der Dramaturgie/Szenerie auf den Punkt bringt: eine Form der Ohnmacht...

Der Fabrikarbeiter Francois (Frankreichs Superstar Jean Gabin) hat soeben einen Menschen erschossen. Jetzt sitzt er eingeschlossen in seinem überschaubaren Ein-Zimmer-Appartement und erinnert sich, wie er in diese Lage gekommen ist, während Justitia an die Türe klopft.
Und sich auf der Straße das Anwohnervolk - langsam aber sicher - ob dieser Geschehnisse auf der Straße vor dem Mietshaus sammelt...

"Der Tag bricht an" versteht sich als soziale Studie, einstiges sozial-nationales Stimmungsbarometer (von der Zensur als solche durchaus richtig erkannt) und als Diskurs über die alltägliche Wahrnehmung von Mann und Frau. Zueinander. Gegeneinander. Und - vor allen Dingen - als Diskussionsentwurf über den Humanismus, ähnlich wie Jean Paul Sartres berühmtes Stück "Das Spiel ist aus" dieses Gebiet behandelt.
Inszeniert im Studio, gelingt in der Inszenierung, die Kulisse streckenweise atemberaubend real wirken zu lassen (explizit das Mietshaus in dem Francois lebt, wie auch die gesamte Straße und den Platz davor; ebenso die kleine Gasse neben der Eisenbahnlinie in der Francois große Liebe - Francoise (Jacqueline Laurent) - lebt. Die Arbeit des Kameramannes Curt Courant (ein Deutscher, der zum Zeitpunkt der Dreharbeiten in Frankreich im Exil lebte und vom Expressionismus beeinflusst war) darf und sollte in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben.
Regisseur Carné und sein Drehbuchautor Jacques Prévert überforderten das damalige Publikum mit der nichtlinearen Struktur wohl soweit, dass später Texttafeln in den Film eingearbeitet wurden, die die Rückblenden - drei an der Zahl, mit denen der Film insgesamt arbeitet, waren ein bis dahin nicht gekanntes Erzählmittel - ankündigten.
Aus heutiger Sicht erscheint der Film streckenweise etwas arg künstlich - etwa so, wie Filme von Rainer Werner Fassbinder: manchmal etwas geschwätzig, wenn die Autoren den Emotionen ihrer Darsteller nicht trauen und sie diese Emotionen in einen Dialog zuviel (nach heutiger Art, wie Filme gesehen und verstanden werden) transferiert.
Dennoch bleibt der Film über weite Strecken fesselnd und regt durchaus zum anschließenden Gespräch an. Vielleicht sogar zur Diskussion über den Existentialismus.
Etwas, das zwei weitere Klassiker des französischen Films von Carné/Prévert - "Hafen im Nebel" (auch mit Gabin) und "Kinder des Olymp" - wohl auch "in petto" haben.

Erwähnenswert an der DVD sind noch ein Bericht in dem die Filmrestauratoren zu Wort kommen, die den Film von einer alten 35mm-Nitrat-Kopie Bild für Bild digital scannten und säuberten (als Beispiel wie nicht digital überarbeiteter und angepasster Film heute auf dem Speichermedium aussieht, empfehle ich die Sichtung der ebenfalls auf der Scheibe befindlichen Trailer zu "Hafen im Nebel" und einem weiteren Klassiker mit Jean Gabin "Die große Illusion").
Darüber hinaus gibt es noch einen schönen Dokustreifen im Bonusmaterial, in dem Weggefährten von Carné und seine Nachlassverwalter zu Wort kommen. Abgerundet wird das Ganze durch einige - der damaligen Zensur zum Opfer gefallenen Szenen, bevor der Film dann gänzlich verboten wurde.
In Deutschland wurde der im übrigen erst im Jahr 1955 in die Kinos gebracht!
Ein US-Remake (mit einem dramaturgisch anders verlaufenden Finale) gab es übrigens auch: das entstand 1947 unter dem Titel "The Long night" (dt. "Den Letzten fressen die Geier") mit Henry Fonda in der Jean Gabin-Rolle, sowie Barbara Bel Geddes ("Miss Ellie" aus dem späteren TV-Bandwurm "Dallas") und Vincent Price ! (Und letzteren kann ich mir vorzüglich in der Rolle vorstellen, die er dort zu spielen hat! Nahezu eine Traumbesetzung)

Fazit: Trotz einiger Momente Dialog, die aus heutiger Sicht arg hölzern klingen (und die auch durch den kompetentesten Darsteller/die kompetenteste Darstellerin damals wie heute nicht ohne Abstriche "real" zum "Leben erweckt" werden konnten/könnten): für wahre Filmbuffs eine Empfehlung von mir.
__________________
"God gave us our relatives; thank God we can choose our friends." - Ethel Watts Mumford - (quoted in "Mary & Max")
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