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Alt 21.08.2013, 07:38
Benutzerbild von Charley Chase
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Standard The Magician (USA 1926)

Ein weiterer Fund aus der Warner Archive Collection.

THE MAGICIAN
(dt.: Der Magier)
USA 1926
Darsteller: Alice Terry, Paul Wegener, Iván Petrovic, Firmin Gémier, u.a.
Regie und Drehbuch: Rex Ingram

Sucht man im www nach The Magician, so stösst man auf mehr als einer Site auf die Behauptung, der Film sei der stilistischer Vorreiter von Dracula, Frankenstein & Co., der klassischen Horrorfilme also.
Das kann in dieser Ausschliesslichkeit aber nicht stimmen, denn Horrorfilme gab es bereits seit Beginn des Kinos, und Werke wie Murnaus Nosferatu oder Wegeners Golem können ebenfalls als Vorbilder für die oben erwähnten Horrorklassiker zitiert werden – sie wurden alle vor The Magician gedreht. Auch die mehrfach aufgestellte Behauptung, Regisseur Rex Ingram übernehme hier den Stil des deutschen Expressionismus ist schlichtweg falsch. Es gibt zwar in der dramatischen Schlussequenz eine ausgeprägte Licht-und-Schattenregie, aber Expressionismus ist das noch längst nicht. Dazu gehört mehr als unheimliche Schatten und düstere Gewölbe!

The Magician ist eine recht freie Adaption eines wenig bekannten Frühwerkes von W. Somerset Maugham, der zur Zeit dieser Verfilmung längst kein Unbekannter mehr war.
The Magician war der Versuch des damals (1908) noch kaum bekannten Autors, die gothic novel wieder aufleben zu lassen, ein Versuch, von dem sich der Autor später vorsichtig distanzierte und der sich in seinem Gesatwerk etwas quer ausnimmt.

Er erzählt die verhaltene Liebesgeschichte zwischen dem erfolgreichen Chirurgen Arthur Burdon und der von ihm vor der Paralyse geretteten Bildhauerin Margaret Dauncey, von einer Liebe, die durch ein extravagant auftretendes Unikum namens Oliver Haddo gefährdet wird. Haddo behauptet, Magier zu sein und gibt mehrere unheimliche Beweise seines Könnens. Mittels Hypnose bemächtigt er sich der Bildhauerin und bringt sie dazu, ihn zu heiraten. Den wahren Grund dafür verschweigt Maugham bis zum Schluss.

Ingrams Adaption folgt der Grundkonstellation, verändert sie aber zu ungunsten der Geschichte. So macht er aus dem redegewandten Lebemann Haddo einen aalglatten Bösewicht mit unheimlich stechendem Blick, einen entlaufenen Irrenhäusler, dem man das Unheil schon von weitem ansieht. Und er verrät bereits zu Beginn, was Haddo mit Margareth böses im Sinn hat (er braucht Jungfernblut, um in einem Experiment künstliches Leben zu erzeugen).

In dem Masse wie Ingram die Hauptfiguren trivialisiert, verflacht er die Handlung. Was in Maughams Roman einen Grossteil der Spannung ausmacht, die Konfrontation zweier scharf gezeichneter, völlig gegensätzlicher Hauptcharaktere, verflacht im Film in einem öden und unglaubwürdigen Gut-gegen-Böse-Schema.
Ingram, der seine Filme für Hollywood in Europa drehte, adaptierte Maughams Vorlage selbst, hatte damit aber aus oben genannten Gründen keine glückliche Hand. Auch die Verpflichtung des deutschen Stummfilmstars Paul Wegener ändert nichts an der Tatsache, dass The Magician nichts weiter als ein eher mittelmässiges Stück Trivialkino ist, dessen Spannungsaufbau altbacken wirkt und heutigen Filmfreunden ein eher müdes Lächeln entlockt.
Es gibt andere frühe Horrorfilme, die ihre Wirkung bis heute nicht eingebüsst haben; The Magician gehört nicht dazu.

Und Wegener?
Ist gut. Rollt mit den Augen. Blickt überzeugend irr.
Für seine einzige Rolle in einem Hollywoodfilm muste er nicht mal weit reisen: Ingram und seine Frau Alice Terry wohnten an der französischen Riviera; dort und in Paris wurde The Magician auch gedreht. Das ist der Grund, weshalb der Film so authentisch europäisch wirkt.
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