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Phileas 22.06.2008 01:56

Die blaue Dahlie (The Blue Dahlia) (1946)
 
Dieser Film Noir aus dem Jahr 1945 ist vor kurzem hierzulande auf DVD erschienen (hier habe ich was zur DVD geschrieben). Ich bin mit dem Genre Film Noir bin ich (noch) nicht allzu vertraut, daher versuche ich Vergleiche mit einzelnen anderen Werken dieser Stilrichtung zu vermeiden.

Die Protagonist Johnny Morrison (Alan Ladd) kehrt aus dem Krieg heim. Er zerwirft sich schnell mit seiner leichtlebigen Frau. Als sie bald darauf ermordet wird, fällt der Verdacht auf Johnny. Natürlich gibt es noch weitere suspekte Figuren, wie den Nachtclubbesitzer Harwood (Howard Da Silva), die geheimnisvolle Joyce (Veronica Lake) oder Johnnys Veteranenkumpels Buzz (William Bendix) und George (Hugh Beaumont).

Die Geschichte und das oscarnominierte Drehbuch stammen von der Krimilegende Raymond Chandler (tja Marlowe, ich glaube du kommst am Film nicht vorbei). Die Dialoge sind von Andeutungen geprägt und weitesgehend gelungen, wenn es auch im Genre sicher stärkere gibt.
Alan Ladd in der Hauptrolle zeigt sein zurückgehaltenes, emotionsarmes Spiel. Er besitzt aber genügend Präsenz, um den Film zu tragen. Veronica Lake erfüllt die Noir-Anforderung, wunderschön, leicht unterkühlt und etwas mysteriös zu sein. Einen Gegenpol zu den restlichen Figuren bildet Buzz. Wo die Anderen berechnend und kühl wirken, darf Bendix als traumatisierter und am Kopf verwundeter Veteran leicht cholerisch, überfordert und ruhelos sein.

Die Charaktere sind natürlich in einem Beziehungsgeflecht miteinander verbunden, das zu Beginn teilweise etabliert und später vertieft wird. Es bleibt ausreichend Zeit, das der Mord recht spät geschieht (den Mord betrachte ich nicht als Spoiler, da er auf dem Backcover der DVD angekündigt wird und in dieser Filmart fast unvermeidlich ist).

Insgesamt zeigte sich mir Die blaue Dahle als grundsolider, (durchschnittlicher bis) ansehnlicher Krimi aus den 40ern. Der Film findet nicht so recht in den Fluß der Geschichte. Regisseur George Marshall und seine Leute liefern keine Bilder, die gross im Gedächtnis haften bleiben. Für Freunde des Genres ist der Film einen Blick wert.

Der Film lässt mir seiner Geschichte über die Kriegsheimkehrer Interpretationsmöglichkeiten. Das schwierige Wiedereinfinden der Veteranen ins normale Leben spielt eine kleine Rolle. Letztendlich führt ihre Rückkehr zu Akten der Gewalt. Inwieweit dies aber nur Genrekonvetionen geschuldet ist oder möglicher ein Kommentar Chandlers ist, wage ich Mangels Fachkenntnis aber nicht mal zu spekulieren.

Marlowe 19.07.2008 16:50

AW: Die blaue Dahlie (The Blue Dahlia) (1946)
 
Sicher hat der Film so seine Mängel. Vor allem merkt man, dass er mit heißer Nadel gestrickt wurde (Chandler: "Ich stecke wieder in der Tretmühle bei Paramount. In weniger als zwei Wochen habe ich eine Original-Story von 90 Seiten geschrieben. Alles diktiert und nichts davon wieder angesehen, bis es fertig war"). Der eine oder andere kleine Logik-Holperer kommt da durchaus vor.
Dann haben wohl die Mechanismen der inhaltlichen Kontrolle durch Studio, Militärzensur (sehr aufschlussreiche Einlassungen im Booklet) und Regie einiges verbogen (wieder Chandler: "In meinem Fall habe ich gedroht, das Ganze vor Abschluss hinzuschmeißen, wenn dem Regisseur nicht bedeutet würde, er habe sich eigener Dialogeinfälle zu enthalten. Was die gewalttätigen Szenen betrifft, so habe ich sie in dieser Form gar nicht geschrieben").
Ein gewisses Manko ist auch die Gestaltung des Protagonisten, der abgesehen von seiner stellenweise unheimlichen Kühle recht wenige Widerhaken zu bieten hat. Schwer zu sagen, ob's am Drehbuch liegt oder am Darsteller (noch ein letztes Mal Chandler: "Ladd ist hart, bitter und gelegentlich charmant, aber schließlich kommt er doch nicht über die Vorstellung hinaus, die sich der kleine Moritz von einem bösen Schurken macht").

Dennoch ist es ein sehenswerter Film. Die latente Gewalttätigkeit, die von der ersten Szene an die Atmosphäre bestimmt, zeichnet ein reichlich düsteres Bild der amerikanischen Gesellschaft zu dieser Zeit. Wie das Beziehungsgeflecht und die diversen Vorbelastungen der Figuren eine Serie von sich steigernden Katastrophen auslöst, ist konsequent erzählt.
Zudem ist der von William Bendix dargestellte Charakter für die damalige Zeit ziemlich gewagt angelegt - so explosiv und latent bedrohlich sieht man (auch heute noch) Kriegsveteranen selten dargestellt.
Auch die Dialoge sind einen Blick wert. Sie bieten zwar wenige griffige One-Liner, sind aber schön auf den Punkt geschrieben.
Für Genrefreunde daher eine uneingeschränkte Empfehlung, für Fans von Klassikern ist er auch einen Blick wert.


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