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scholley007 14.03.2020 13:48

Mein Leben als Zucchini (2017) (OT: Ma vie de Courgette)
 
Anno 2017 mein Lieblingsfilm des damaligen Jahres. Für den Oscar als "bester Animationsfilm" nominiert. Und ebenso leer ausgegangen, wie der großartige "Kubo - Der tapfere Samurai". Oder "Die rote Schildkröte".
Denn "Zoomania" trug den Sieg davon. Was ich dem Film auch nicht übel nehme. Manchmal treffen sich einfach gleich ein paar qualitativ hochwertige Produktionen auf Augenhöhe. Und nur einer kann gewinnen. Der Form halber: die fünfte Produktion die da ins Rennen ging war damals "Vaiana".
Immerhin war "Zucchini" ein Preissegen auf anderen Festivals gegönnt.
Vollkommen verdient, wie ich finde.
Jetzt - auch nachdem die DVD für kleines Geld bei einem großen Elektronikunterhaltungsanbieter adoptiert werden konnte - endlich mal zur Zweitsichtung fällig...

Der neunjährige Junge, der seinen richtigen Namen zugunsten seines Spitznamens "Zucchini" ignoriert, hat es bislang im Leben nicht leicht gehabt. Und als seine Mutter - die seit der Trennung von ihrem Mann ein ernsthaftes Alkoholproblem hat - bei einem Unfall ums Leben kommt, muss er überdies in ein Kinderheim. In dem die durchgehend gleichaltrigen Insassen ähnliche wenn nicht sogar schlimmere Erfahrungen vorweisen können.
Nach anfänglichem Rückzug, lernt Zucchini sich in soweit zu behaupten, dass ihm der Wortführer der Kids - der großmäulige Simon - Respekt entgegen bringt. Der seinen Fall betreuende Polizist Raymond scheint Zucchini überdies gewogen zu sein.
Als die ein wenig ältere Camille neu in die Einrichtung kommt, blüht Zucchini auf - scheint die doch ganz auf seiner Wellenlänge zu liegen.
Doch leider gibt es da noch Camilles Tante, die ihre Nichte allzu gern zu sich holen will. Was Camille nicht will - hat ihre Tante doch nur ein bestimmtes Ansinnen....

Allein die Idee, ein Jugendbuch, das die Probleme von sozial vernachlässigten Kindern als Thema hat, als Stop-Motion-Animationsfilm zu reichen, nötigt Respekt ab.
Und die Umsetzung ist - trotz überschaubarem Budget - von einer poetischen Reichhaltigkeit, die Staunen macht.
Die Animatoren um Regisseur Claude Barras lassen den Zuschauern - seien sie klein oder groß - in ihren Bildern und Figuren so unendlich viel Raum für Interpretation, dass die Laufzeit des Films von gerademal 63 Minuten (inklusive Abspann) wirklich randvoll gerät. Sei es die Liebe zum Detail, zum Großen im Kleinen (was Emotionen angeht) und die Dichte der Figuren, die mittels ihrer Plastillinkörper und -augen mehr Aussagekraft besitzen (dürfen), als so mancher menschlicher Darsteller in Filmen mit ähnlicher Thematik.
Von einer Wucht und einer Zärtlichkeit, die einen schier umhaut.
Immer und immer wieder.
Kann - durchaus - als "kleiner Bruder" des gefeierten deutschen "Systemsprenger" angesehen werden.

Und der Moment, wenn die Kids bei einem Übernachtungsurlaub in den Bergen zu dem alten Grauzone-Hit "Eisbär" tanzen: schlichtweg bezaubernd!


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