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scholley007 06.10.2019 18:28

Sorry to bother you (2018)
 
Das kommt also raus, wenn man arthaus-affines politisch aufgeheiztes Ghetto-Genrekino macht....

Oakland, USA. Nicht ganz die Gegenwart, aber auch nicht allzu weit davon entfernt: Cassius Green (LaKeith Stanfield - Star der in den USA populären Serie "Atlanta") ist schon seit längerem arbeitslos. Als ihm sein Onkel Sergio (Terry Crewes) die Unterkunft streitig machen will/muss, da Cassius (der in Sergios Garage haust) schon seit 4 Monaten mit der Miete im Rückstand ist und Sergio wiederum bei seiner Bank Verpflichtungen hat, bleibt Cassius nix übrig, als sich um einen Job zu bemühen.
Er bekommt einen - beim Telemarketing.
Doch werfen ihn die potentiellen Kunden meist schon beim ersten Satz des Verkaufsgespräches aus der Leitung.
Nach dem ersten frustrierenden Tag gibt ihm ein älterer Kollege - "Lethal Weapon"-Legende Danny Glover - einen Tipp: er möge doch mit seiner "weißen Stimme" sprechen.
Denn nur diese würde zum Erfolg, zum Schotter führen.
Cass geht in sich - und findet sie.
Und fällt die Karrieretreppe rauf - just in dem Augenblick, als er zusammen mit seinen Kollegen in Streik für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen treten wollte.
Na ja, eher so musste. Wollte er es sich nicht mit seiner engagierten Künstlerfreundin Detroit (Tessa "Thor - Ragnarök"/"Creed"/TV-"Westworld" Thompson) verderben - für die Cassius Telemarketingfirma quasi den Antichristen darstellt, den es zu bekämpfen gilt.
Zu blöd also, dass Cassius nun in der oberen Etage der erfolgreichen Powercaller noch eine Spur erfolgreicher wird - und er (gefangen zwischen seiner alten und der neuen Welt) nun so etwas wie ein Gewissen und eine Haltung entwickelt.
Noch blöder, dass er aufgrund seines Erfolges zu DER Party des Jahres von seinem Vorgesetzten Mr. (dessen Name niemand hören darf) eingeladen wird.
Die von niemand anderem als dem größten Geldgeber des Telemarketingunternehmens geschmissen wird: Steve Lift (Armie Hammer), der als Powerguru der wirtschaftlichen Extreme eine neue Form der wirtschaftlichen lebenslangen Leibeigenschaft entwickelt hat. Und nun vorhat, diesen noch einen Schritt weiter zu gehen.... mit Cassius Stimme....

Giftig-gallige Gesellschaftkomödie. Mit dramatischen... nun ja.. nicht gerade Untertönen. Wie sie vermutlich auch Spike Lee oder der jüngst verstorbene John Singleton in jüngeren Jahren gemacht hätten, bzw haben.
Heute heißt der Mann der Stunde Boots Riley (dessen Rap-Projekt "The Coup" schon seit Jahren erfolgreich ist), der dieses knallig-subversive Stück auf die Pupillen knallt.
Inszenatorisch ist da wahrlich nix zu wollen. Dramaturgisch zieht der Film sich seine Grundhaltung aus wild-wütenden Momenten von Monty Python´s "Sinn des Lebens" und "Get out" (in dem LaKeith Stanfield eine Nebenrolle hatte) und wirft die höchst erfolgreich in dem Mixer.
Um am Ende doch ein Stück weit abzuheben.
Zumindest nach meinem Empfinden.
Preismäßig konnte der Streifen - der in den USA mittels Plattformstart in den Kinos im letzten Jahr ansehnliche 17 Millionen Dollar einspielen konnte - auch einiges abräumen.
Ähnlich wie der durch "Get out" derzeit schwer angesagte Jordan Peele - der bei mir durch den diesjährigen "Wir" einiges an Kredit verspielt hat - geht auch hier gegen Ende der Gaul ein Stück weit durch....
Das sollte einen dennoch nicht davon abhalten hier mal reinzuschalten. Unterhaltsamkeit - mit einem unguten Gefühl wohin die Reise in dieser unserer neuen schönen Welt des Neo-Liberalismus so gehen könnte - ist dem Streifen definitiv nicht abzusprechen......


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