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Alt 17.06.2018, 19:55
Benutzerbild von rolo tomasi
Das kauf ich für 'nen Dollar!
 
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Standard Brimstone (Martin Koolhoven) 2016

Der niederländische Regisseur Martin Koolhoven drehte bis Ende der 2000er ausschließlich in den Niederlanden TV-Filme und Kinoproduktionen für den heimischen Markt, weshalb er über die Grenzen seiner Heimat hinweg kaum bekannt gewesen sein dürfte. Mit seiner ersten in Deutschland, Österreich, Ungarn und Spanien gedrehten, europäischen Co-Produktion "Brimstone" die mit einem hervorragendem internationalem Cast besetzt ist, dürfte sich das nun ändern.

Ende des 19. Jahrhunderts lebt die stumme, Geburtshelferin Liz (Dakota Fanning) zusammen mit ihrem Ehemann Eli (William Houston), seinem Sohn aus erster Ehe und der gemeinsamen Tochter ein bescheidenes, hartes, aber glückliches Leben am Rande einer kleinen Stadt.
Als ein neuer Pfarrer (Guy Pearce) in den Ort zieht und die örtliche Kirche übernimmt, findet das Glück in Liz`Leben ein abruptes Ende. Schon bei der ersten Predigt die der Reverend hält, packt Liz die blanke Angst und sie ist davon überzeugt, dass er nur gekommen ist, um sie zu bestrafen und zu quälen. Als bei einer Schwangeren, kurz nach der Predigt die Wehen einsetzen und es zu schlimmen Komplikationen kommt und entweder die Mutter oder das Neugeborene die Geburt nicht überleben wird, entscheidet sich Liz für das Leben der Mutter, womit sie den Zorn der Einwohner und des Pfarrers auf sich zieht. Liz wird von ihrer traumatischen Vergangenheit eingeholt, von der sie glaubte, das sie die schon lange hinter sich gelassen hat.

Regisseur und Autor Martin Koolhoven teilt sein Westerndrama in vier etwa gleichlange Kapitel auf. Während die Episoden I ("Offenbarung") und IV ("Vergeltung") in der erzählerischen Gegenwart angesiedelt sind, werden in den Episoden II ("Exodus") und III ("Genesis") von Liz‘ Kindheit und Jugend erzählt. In diesen beiden Episoden stellt sich heraus, warum Liz eine so panische Angst vor dem Reverend hat.
Koolhoven legte bei seinem Drehbuch viel Wert auf die Figurenzeichnung und nimmt sich dementsprechend viel Zeit um die Charaktere zu entwickeln und den allmählichen moralischen Verfall und die Verwandlung des Pfarrers zum Monster zu schildern. Die Taten des Reverends sind spätestens ab dem dritten Kapitel, in denen er selbst vor Inzest und Pädophilie nicht zurückschreckt, nur noch schwer zu ertragen. Aber auch seiner Frau Anna (Carice van Houten) ergeht es nicht besser, erst züchtigt er sie mit der Peitsche und lässt sich anschließend eine unfassbar drakonische und demütigende Bestrafung für sie einfallen, damit sie nicht länger das Wort gegen ihn erheben kann. Koolhoven zeigt das hässliche Gesicht des christlichen Fundamentalismus und anstatt in verklärt-rührselige Wildwest-Romantik abzudriften, übt er Kritik am christlichen Patriarchat, das für Frauen nicht mehr als die Rolle der untertänigen Ehefrau oder der rechtlosen Hure vorsieht.

Von Anfang an ist der Film geprägt von einer unheilvollen, beklemmenden Atmosphäre, die sich immer mehr zuspitzt und sich schlussendlich in Grauen und Gewalt entlädt. Kameramann Rogier Stoffers schafft hier teils großartige Bilder und eine ganz besondere Bildsprache. Seine tolle Arbeit gipfelt in einem mit nahe dem Nullpunkt entsättigten Farben, grandios gefilmten Finale in einer winterlichen Schneehölle. In Verbindung mit Tom Holkenborgs melodischen Score ist "Brimstone" audiovisuell ein Erlebnis.

Was "Brimstone" trotz all der Unmenschlichkeit und Gewalt vollends zu einem Meisterwerk macht ist der großartige Cast. Guy Pearce zeigt die wahrscheinlich beste und intensivste darstellerische Leistung seiner wahrhaft ansehnlichen Karriere. Er spielt den despotischen Pfarrer mit solcher Inbrunst, das es einem Angst und Bange wird. Gleichzeitig verschafft er dem Pfarrer mit oberflächlichen kleinen Details einen menschlichen Anstrich, wodurch er aber umso monströser erscheint. Sein Reverend ist nicht etwa religiös verblendet, er ist einfach seelisch verkommen und von angsteinflößender Bosheit, er pervertiert die Bibel um seine Gräueltaten zu rechtfertigen und suhlt sich in seiner Selbstgerechtigkeit. Es ist so als würden sich die Gewalt und Demütigungen, der Frauen im christlichen Patriarchat über Jahrhunderte ausgesetzt waren, in der Figur des Reverend bündeln. Pearce ist in dieser Rolle unfassbar widerwärtig und liefert den wohl abartigsten und verstörendsten Bösewicht seit Jahren.
Dakota Fannings Liz ist vielleicht die stärkste Filmheldin, die das Kino seit geraumer Zeit hervorgebracht hat. Fanning zeigt hier reduziert auf Mimik und Gestik eine überragende Leistung. Wie sie Schmerz, Angst und Wut nur mit ihren Blicken greifbar macht, ist von hypnotischer Intensität. Selbst in den noch so erniedrigenden Momenten ist sie wehrhaft und lässt sich nicht ihrer Würde berauben.
Emilia Jones als junge Liz zeigt eine ebenso eindrucksvolle Leistung. Wie das junge Mädchen zwischen Scham, Angst und Mitleid aufwachsen muss und trotzdem den Mut aufbringt Widerstand zu leisten, ist ganz großes Schauspiel.

Martin Koolhoven´s "Brimstone" verlangt dem Zuschauer einiges ab und zieht ihn in einen erschütternden Höllenkreis aus Gewalt, Unmenschlichkeit, Sadismus und Pädophilie. Wer sich darauf einlässt wird mit einer ebenso intensiven wie tiefgründigen psychologischen Entdeckungsreise belohnt, die fantastisch erzählt, großartig inszeniert, grandios gefilmt und überragend gespielt ist.
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Alt 22.06.2018, 12:24
Benutzerbild von Lex 217
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Standard AW: Brimstone (Martin Koolhoven) 2016

Klingt nach etwas, das ich unbedingt sehen möchte
Dankeschön!
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Alt 04.07.2018, 09:29
...is mostly "Confuzzled"....
 
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Standard AW: Brimstone (Martin Koolhoven) 2016

Wahrlich kein Zuckerschlecken.
Guy Pearce erschafft einen Charakter, der problemlos in den "Olymp des Bösen" aufgenommen gehört.
Selten eine solche verblendete und selbstgerechte Abscheulichkeit erlebt.
Bei manchen Szenen hatte ich durchaus das Verlangen zu erfragen, wie die Darsteller/innen nach Dreh von so mancher Szene anschließend mit Guy Pearce lachend und scherzend zusammen am Catering-Tisch Platz nehmen konnten.
Und dass der Film tendenziell - besonders im letzten Viertel - Spuren der filmischen DNA von Charles Laughtons "Die Nacht des Jägers" besitzt, hat mich gelinde gesagt fasziniert.
Wieder mal die Frage, warum es keine Filmverleihe mehr zu geben scheint, die sich um den hier gekümmert hätten.....
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