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Alt 04.08.2017, 09:35
...is mostly "Confuzzled"....
 
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scholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich sein
Standard Dunkirk (2017)

"Bring the Boys back home", erklang es dereinst auf dem Soundtrack von Pink Floyds "The Wall". Ein Song, der im nachhinein betrachtet wohl genau diesem Ereignis Rechnung getragen haben mag: Die Evakuierung der englischen und französischen Soldaten, die 1940 von den deutschen Truppen im französischen Dünkirchen eingeschlossen wurden.
Als Lehrstunde darüber, was Krieg ist: nämlich - damals wie heute - einfach nur Unnötig (oder - je nach Bedarf : Exkrement!)

Erschöpfung. Resignation. Angst.
Aber auch: Mut. Tapferkeit (bei der man die Angst besiegt. Besiegen muss). Menschlichkeit (die es zu bewahren gilt. Vor allem anderen. Und überhaupt!).
Und das allumfassende Gefühl des Versagens.
Christopher Nolans filmische Plansequenz - die sich und den Film in drei ineinander verzahnte Kapitel webt: den Strand (eine Woche) - an dem ein Großteil der Soldaten (es galt 400.000 an Bord der die Küste anlaufenden Kriegsschiffe zu holen - die tagtäglich immer spärlicher eintrafen); die See (ein Tag) - über die sich private Schiffe auf den Weg über den Kanal machten, um den Ausharrenden Rettung zu bringen; der Himmel (eine Stunde) - an dem (anfänglich drei) britische Piloten ihren am Boden dem Feind ausgelieferten Kameraden Schutz gaben.
In der ersten Stunde wird dieses zeitliche Spiel von Seiten des Drehbuchs behauptet - kann aber irgendwie nicht greifbar gemacht werden. Die - zurückhaltende Verzweiflung von Commander Bolton (Kenneth Branagh in einer kleinen feinen Studie) - der sich vor den zitternden Bündeln die einen Großteil seiner Soldaten ausmachen keine Blöße geben darf um die verunsicherten Massen nicht noch mehr verzweifeln zu lassen - ist Nolans "alter Ego" als Erzähler/Chronist dieser militärischen Aktion.
Während sich das "Warten auf den Tod" unerträglich ausdehnt
Spoiler: Anzeigen
(der Moment, wenn ein verzweifelter Soldat in die Brandung geht um den Freitod durch Ertrinken zu finden, beim Versuch zu Englands Küste hinüber zu schwimmen, ist so nüchtern wie brutal inszeniert)
wird man von einer perfekten Symbiose aus Sound (sowohl Toneffekte wie auch Hans Zimmers Score geraten ähnlich suggestiv, wie schon in "Inception" erlebt) und Bildern (Kameramann Hoyte von Hoytema - "Her"/"Spectre"/"Interstellar" - sollte hierfür, wie die beiden anderen erstgenannten Kategorien, seine Oscarnominierung "safe" haben) von Beginn an in das Werk hineingesogen.
Anhand von jeweils 2 "Paarungen" pro Geschichte - Vater (Mark Rylance) und Sohn (Tom Glynn-Carney), die mit Vaters Boot (und dem besten Freundes des Sohnes) über den Kanal steuern um wenigstens eine Handvoll Soldaten in Sicherheit zu bringen; 2 Flieger - (Jack Lowden und Tom Hardy - wobei letzterer das Kunststück fertig bringt einen Großteil seiner Emotionen nur über die Augen dem Zuschauer abzuliefern, der Rest seines Gesichtes wird von der Fliegermaske zu 99 Prozent seiner Szenen abgedeckt) - die versuchen den Feind (der ebenfalls aus der Luft kommt) in seine Schranken zu weisen - 2 junge Soldaten (Fionn Whitehead/Damien Bonnard), die - irgendwie - vom Strand wegkommen wollen, aber immer wieder während der sich zur Ewigkeit entwickelnden Woche an selbigen zurückgetragen werden - gelingt es Nolan diesen Gewaltakt einer Flucht für den Zuschauer greifbar zu machen.
Dass der Film vom Zuschauer zum erreichen eben jenes Zustandes eindringlich fordert sich dem Ganzen zu überantworten, macht es mit Sicherheit nicht für jeden kompatibel.
Denn dazu muss man die Sicherheit im Kinositz vor der Leinwand zumindest im Kopf aufgeben.
Erst dann beginnt die wahre Größe und die Erkenntnis dass Krieg wohl die unnützeste "Erfindung" der Menschheit ist ins Gemüt einzuziehen.
Und Sicherheit ist das letzte, das Nolans Werk irgendjemandem, der sich auf einen "coolen" Film "zum abschalten" freut, liefern möchte.
Was den Mut, diesen Film mitten im Hochsommer zwischen all den "zu Tode marketingsierten" Blockbustern zu starten, noch eindrucksvoller macht.
Warner hat somit sowohl mit "Wonder Woman" wie auch mittels "Dunkirk" beiden Weltkriegen in einem Kino-Sommer ein Denkmal gesetzt: und wie dankt das Publikum ihm das? Zumindest in Deutschland sind die - bislang erfolgreichsten Produktionen "Ich - Einfach unverbesserlich 3" wie auch (Schüttel!!!) "Baywatch".

Fazit: nach "The dark Knight rises" und "Interstellar" - in denen ich beide Male den Eindruck gewonnen hatte, dass Nolan sich in seinem eigenen Anspruch und seiner (immer kälter erscheinenden Logik) verrannt hatte, wieder (fast) auf der Höhe wie zu Zeiten von "Prestige", "The dark Knight" und "Inception".
Ob der allgemein herrschenden Begeisterung ob der Aussage von Nolans Werk möchte ich all jenen allerdings mal Dalton Trumbos "Johnny zieht in den Krieg" nahelegen.
Dagegen "verblasst" der hier nach all den Jahrzehnten in denen "Johnny" ein Schattendasein in der cinematorgraphischen Historie geführt hat, immer noch problemlos.
Die alles entscheidende Frage von "Dunkirk", was "Heldentum" ausmacht, muss sich letztendlich jeder von uns selbst beantworten.
Und da findet Nolan - für mich - wahrlich keinen Kompromiss. Was gut ist.
Gestern wie heute.
__________________
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Geändert von scholley007 (04.08.2017 um 09:38 Uhr)
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Alt 06.08.2017, 19:26
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Uncle Dean
 
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Dean Keaton kann stolz auf sich seinDean Keaton kann stolz auf sich seinDean Keaton kann stolz auf sich seinDean Keaton kann stolz auf sich seinDean Keaton kann stolz auf sich seinDean Keaton kann stolz auf sich seinDean Keaton kann stolz auf sich seinDean Keaton kann stolz auf sich sein
Standard AW: Dunkirk (2017)

Also als Nolan Fanboy fällt es mir schwer objektiv zu bleiben.

Ich fand den super. Das war mal was anderes und ich war gespannt, wie Nolan an einen kriegsfilm rangeht und er hat es toll gemacht. Ich kann mir denken, dass es viele enttäuschte leute geben wird, weil es da halt nicht so abgeht wie bei Soldat James Ryan.

Die ruhe des films und die geringen dialoge fand ich super. Nolan arbeitet da nur mit den bildern und dem soundtrack von hans zimmer. Das ticken der uhr sorgt da für spannung und fesselt von anfang an. Bei mir hat das super funktioniert und so gab es nie irgendwelche längen.

Einzig Tom Hardys Charakter fand ich nicht so. Der war mir zu sehr der unbesiegbare "super soldat" auch wenn er nicht sehr häufig zu sehen war.

Dunkirk ist kein Inception oder Interstellar aber er muss sich nicht hinter Prestige oder Insomnia verstecken.
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Alt 09.08.2017, 15:34
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Standard AW: Dunkirk (2017)

Ich bin ziemlich zerrissen.

Das erste Drittel war Hammer! So nie gesehene Bilder, so nie gefühlte Gefühle beim Anschauen, total packend, Wahnsinn

Das zweite Drittel war nicht mehr ganz so genial, aber immer noch sehr atmosphärisch und interessant und richtig spannend.

Das letzte Drittel war dermaßen mit Pathos überladen, dass es alles Vorige beinahe zerstört hat Von dieser nüchternen, kalten, grausamen Kriegsstimmung in diesen Kitsch abzudriften, ist fast unverzeihlich.

Hans Zimmers Musik war grandios, wie da Bild und Musik und Soundeffekte ineinander greifen, ist wirklich stark. Aber auch die Musik war dann halt am Ende ganz eklig pathetisch...

Also für den ersten Teil problemlos 10/10, wahrscheinlich die besten Kriegs-Sequenzen, die ich je gesehen habe, aber da die Stimmung dann so krass kippt, muss ich insgesamt auf 9/10 revidieren. Schade.
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Alt 12.08.2017, 13:15
Benutzerbild von S.W.A.M.
Irgendwas mit Raumschiffen
 
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S.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich sein
Standard AW: Dunkirk (2017)

Immer wieder erstaunlich, wie viel die vermeintliche "Qualität" eines Films von den Erwartungshaltungen abhängt, mit denen man ihn anschaut...

Habe "Dunkirk" im Imax-Kino in Amsterdam gesehen (das wie die meisten "Imax-Kinos" heutzutage mit echtem Imax nur noch den Markennamen gemeinsam hat...) und obwohl hinter mir ein Großvater meinte, seinen siebenjährigen Enkel da reinschleppen zu müssen, damit der auch mal was über Krieg lernt, war ich während des Films völlig hin- und weg gerissen von der Inszenierung der Angst. Noch nie waren die Bomben der Flugzeuge, die Flugzeuge selbst, das Blubbern des Wassers und jede einzelne Gewehrkugel so bedrohlich und beängstigend wie hier. Über Hans Zimmer's "Musik" lässt sich sicher endlos streiten (ich fand sie äußerst effektiv), aber das Sounddesign steht wirklich über jedem Zweifel.
Gespielt war das alles fantastisch, selbst Kenneth Brannagh hat sich so weit zurück gehalten, dass man ihn ignorieren konnte. Der leider weiterhin stets unterbeschäftigte James D'Arcy hat ihm eh die Show gestohlen und Tom Hardy hat zum zweiten Mal in einem Christopher Nolan Film bewiesen, dass er auch gut spielen kann, wenn ein Großteil seines Gesichtes komplett verdeckt ist.
Absolut meisterhafte Inszenierung!

Aber:

Trotzdem hatte mich der Film schon fünf Minuten nach der Vorstellung komplett verloren. Daran ist sicher nicht nur das schon von Lex erwähnte übertriebene Pathos der letzten 12 Minuten (inklusive majestätischen Salutier-Szene *brech* und Zeitlupen-Feuer-Aufnahmen am Strand) schuld.
"Dunkirk" ist ein Kriegsfilm. Nicht mal ein Antikriegsfilm. Einfach nur ein Film, der an der Front spielt. Und wie die meisten Kriegsfilme, die inhaltlich nicht über das Faktische hinaus gehen (vgl. z.B. "Apocalypse Now" oder "Full Metal Jacket"), fühlt er sich letztlich hohl an.
Geschrieben ist das natürlich wie immer bei Nolan gut. Die zeitliche Verschachtelung der drei Erzählebenen hält die Sache immer spannend und verhindert ein geistiges Wegdriften, aber nach Filmen wie "Memento", "Prestige", "The Dark Knight", "Inception" und "Interstellar" hatte ich doch gerade inhaltlich mehr erhofft als eine einfache historische Nacherzählung von "Die müssen weg von dem Strand".

Womit wir wieder bei der Erwartungshaltung sind. Wäre der Film von einem anderen, würde ich ihn womöglich wegen seiner Einfachheit und Geradlinigkeit (trotz zeitlicher Verschnörkerlung) feiern. Wenn ein Nolan ihn abliefert, dann bleibt nur das Fazit, dass dies sicherlich sein bisher flachster Film ist.
Trotzdem ist er ein Nolan-Film und damit besser als das meiste andere, was sonst so raus gekommen ist.
__________________
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