Kinoforen.de  

Zurück   Kinoforen.de > Allgemeines > Filme > ab 2010


Antwort
 
LinkBack Themen-Optionen
  #1 (permalink)  
Alt 31.03.2016, 00:07
Benutzerbild von Sam Trautman
Fan
 
Registriert seit: Oct 2013
Beiträge: 77
Sam Trautman wird hier gern gesehenSam Trautman wird hier gern gesehen
Standard Steve Jobs (Danny Boyle 2015)

Steve wollte nicht dass seine Produkte geöffnet werden können. Niemand solle an das Innenleben seiner schmucken Geräte gelangen. Das Privileg ans Innenleben zu dürfen soll nur wenigen zu teil werden. Spezielles Werkzeug, so erfahren wir zu Anfang des ersten Akts sei von Nöten. Steve Jobs, so legt es uns Danny Boyles Biopic, über einen der einflussreichsten Männer unserer Zeit nahe, war ebenso gestrickt wie seine Produkte. Nur wenigen war es vergönnt sein Innenleben zu erleben. So bleibt das End to End System nicht nur ein System sondern immer auch ein Charakterzug seines Erfinders das er an jedes seiner Kinder weitergab die er erschuf...

Danny Boyle nähert sich dem Mythos, Mysterium, Genie Steve Jobs auf sehr unkonventionelle Art und Weise für ein Biopic. Statt vom romantischen Bild der Kollege Kids, die in Papas Garage Grandioses bauen zu erzählen kümmert sich Danny Boyle genau um die Passagen in Steve Jobs Leben, die ihn ausmachen und ihn als Mensch zeigen. Keine abgerundete Person sondern eine mit Ecken und spitzen Kanten. Wir erleben ihn in drei gleich langen Akten, jeweils 40 Minuten vor einer großen Produktpräsentation hinter der Bühne. Einmal 1984 bei der Vorstellung des Macintosh, 1988 beim Next und 1998 beim Vorstellen des iMac. Boyle zeigt kein einziges Mal wie Jobs sein Produkt vorstellt. Braucht er auch nicht. Wir alle kennen die Produkte von Apple. Werden jeden Tag auf neue im Fernsehen daran erinnert "wenn du kein iPhone hast, hast du kein iPhone". Boyle kann hier wunderbar ohne das anbiedern von Apple Produkten arbeiten denn das hat bereits die Werbung im realen Leben schon für ihn erledigt, die uns Jahrzehnte lang Apple Produkte ins kollektive Gedächtnis gehämmert hat. Vom Knirps bis zum Greiß, die für das iPhone typische Wischbewegung kennt jeder.

Die Welt schöner denken

Auf diese Weise kann sich das Steve Jobs das wirklich spannende und ergreifende konzentrieren. Den Focus gebündelt auf den Dirigent des Orchesters wie er sich selber gerne nennt und sieht. Steve Jobs ist kein Biopic aus der Sicht eines Apfeljüngers. Hier wird kein Thron bereitgestellt auf den sich Michal Fassbender ( Steve Jobs ) lümmeln könnte. Auch keine Laudazio gehalten auf einen Mann, der die Welt für uns schöner dachte. Durch die verschiedenen zeitlichen Abstände wird ein eher kurzer Zeitraum von 14 Jahren abgedeckt, Boyle schafft es aber durch die unheimliche Dichte der Dialoge, den Geschehnissen vor der Präsentationen und der großartigen Performance des ganzen Casts dem Konsument das Gefühl zu geben nach sehen des Films, Jobs sehr nahe gekommen zu sein. Niemand von uns wird ihn je persönlich gesprochen haben, geschweige denn ihm die Hand geschüttelt haben aber berührt hat er uns mit seinen Ideen alle schon einmal.

Die Liebe zum Detail in Danny Boyles Steve Jobs wird im wahrsten Sinne des Wortes erst sichtbar durch eine weitere Detailliebe. Für jeden der drei Akte verwendete Kameramann Alwin H. Küchler ein anderes Bildformat, immer exakt jenes welches zu dieser Zeit üblich war. So sieht der Konsument nicht nur Standardmäßiges HD wie im Schlussakt des Films, sondern kommt auch in den Genuss von 16mm Film sowie 35mm im zweiten Akt. Das Bild passt sich seiner Zeit an und rundet das Packet des Films ab.

Fassbender spielt nicht....

Apple steht für Innovationen. Apple steht für exakte Formen, wie etwa dem iPhone Design oder der von Jobs entwickelten Black Box mit seiner eigens dafür gegossenen Gussform für sagenhafte 650.000 USD. Apple steht aber auch für Veränderung. Da schlägt sich der Bogen zum Hauptdarsteller, der diese Apple eigenen Attribute seit jeher als sein Markenzeichen ins sich trägt. Veränderung wäre sowas wie das Trademark des überragenden Michael Fassbender. Ob als leidender Sexjunkie in Shame, Grausamer Macbeth oder als Obermotz Magneto in den X Men Filmen. Veränderung und Weiterentwicklung zu immer noch exakteren Performances, bis an den Rand der Selbstaufgabe und zur völligen verschmelzen der Rolle mit dem Ich. Fassbender spielt nie, er ist die Rolle. Um Haares breite wäre die Rolle des Steve Jobs Christian Bale zugefallen. Bale kann tausend und eine Emotion nachstellen hat dabei aber immer nur ein und denselben Gesichtsausdruck zu bieten. Eine Mischung aus dem Gesichtsausdruck von den Ratiopharm Girls, die gerade für Verstopfungstabletten werben gepaart mit einem überheblichen hemdsärmlichen Grinsen. Steve Jobs wäre so viel verloren gegangen. Die Wahl fiel aber auf Fassbender, alles gut. Überhaupt ist der Mann sowas wie der Schwarzenegger der Neuzeit. Früher als noch nackte Oberkörper und eine Vierecks Kopfformen Kasse machten, war der Name Schwarzenegger gleichbedeutend mit einem Riesen Erfolg und dem unausweichlichem Geldsegen. Bei Steve Jobs ist es zwar mit dem Geldsegen etwas anders da er allgemein etwas floppte aber das entscheidende Faktum bleibt. Die hohe Qualität Wo Fassbender draufsteht, steckt ganz ganz großes Kino drin. Die Schwarzenegger Garantie der Neuzeit! Nicht in Bezug auf einen Geldsagen aber mit einer viel wertvolleren Ware – Qualität.

Der kleine Kasten der die Welt bedeutet

Irgendwann Mitte des Films, Ende des Zweiten Aktes, frägt Steve Wozniak ( Seth Rogen mal wieder in der Rolle des Dauernervers ) seinen Standby Kumpel Jobs was er eigentlich tue. Er sei kein Programmierer. Kein Designer und kein Grafiker. Jobs nüchterne Antwort " Ich spiele nicht im Orchester ich bin der Dirigent ". Ein Satz der auf T-Shirts, Poster oder Tassen gehört. Jobs war nie bestimmt für einen Schreibtisch, die Baugrube oder eingezwängt in irgendwelche Muster, Regeln und Konventionen. Sein Kredo "Think. Different" drückt es genauso aus wie sein Geist arbeitet. Jobs schart die besten Musiker um sich, die Idee entspringt seinem Kopf. Die Hände zum Umsetzen sind seine Musikanten. Wie das Instrument gespielt werden muss ist nicht wichtig nur die Melodie, das Endprodukt. Zum Ende des Films hin gewinnt man den Eindruck das Jobs trotz seiner unkompatiblen Art und dem nicht zu durchdringenden Panzer ein wahrer Menschenfreund war.

"Ich hasse den Anblick deines Walkmanns. Ich stecke dir tausend Lieder in die Brusttasche."

Vielleicht war es seine Aufgabe auf Erden das Leben etwas schöner zu machen. Oder anders gesagt das Leben in ein Gerät zu packen das fast wie ein natürliches Körperteil zu uns gehört. Wer schon mal den Akku leer hatte und von der "Welt" abgeschnitten war weiß was ich meine. Das Leben hat sich seit Jobs für die meisten Leute verlagert, hinein in ein 30x40mm großes Kästchen.
__________________
Mehr Kritiken

http://www.vize-com.de/
Mit Zitat antworten

Diesen Beitrag teilen:
Bookmark Post in TechnoratiMister WongPing.fmGoogle BookmarksTwitternAuf Facebook teilen
  #2 (permalink)  
Alt 31.03.2016, 00:24
...is mostly "Confuzzled"....
 
Registriert seit: Nov 2007
Ort: Da wo ich hingehöre
Beiträge: 7.284
scholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich sein
Standard AW: Steve Jobs (Danny Boyle 2015)

Sehr schöne Hymne... ähh... Rezi!
Auch wenn ich Deine Sicht bezüglich Bale nicht gänzlich teile - und wohl nie den technischen "Apfel" der Erkenntnis kosten werde - Film ist somit für den nächsten Großeinkauf auf die Liste gesetzt worden.
Bedankt!
__________________
"God gave us our relatives; thank God we can choose our friends." - Ethel Watts Mumford - (quoted in "Mary & Max")
Mit Zitat antworten

Diesen Beitrag teilen:
Bookmark Post in TechnoratiMister WongPing.fmGoogle BookmarksTwitternAuf Facebook teilen
  #3 (permalink)  
Alt 31.03.2016, 01:46
Benutzerbild von Sam Trautman
Fan
 
Registriert seit: Oct 2013
Beiträge: 77
Sam Trautman wird hier gern gesehenSam Trautman wird hier gern gesehen
Standard AW: Steve Jobs (Danny Boyle 2015)

Danke ein Freund. Meine Rezi soll aber nicht den Eindruck erwecken das der gute Steve ein totaler Symphat ist. Die meiste Zeit ist er sogar ganz schön fies bzw. egomanisch. Mir hat der Film Spaß gemacht und ist definitiv viel viel besser als der Vorgänger Film mit dem Two and and a Half Man Star.
__________________
Mehr Kritiken

http://www.vize-com.de/
Mit Zitat antworten

Diesen Beitrag teilen:
Bookmark Post in TechnoratiMister WongPing.fmGoogle BookmarksTwitternAuf Facebook teilen
  #4 (permalink)  
Alt 31.03.2016, 07:54
...is mostly "Confuzzled"....
 
Registriert seit: Nov 2007
Ort: Da wo ich hingehöre
Beiträge: 7.284
scholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich sein
Standard AW: Steve Jobs (Danny Boyle 2015)

@Sam: ich erwarte keineswegs einen "Wohlfühlfilm" (da nehme ich dann doch "Eddie the Eagle" zum zweiten Mal . Aber wozu sollte man sich Ashton Kutcher in der Rolle von Jobs geben, wenn man Fassbender haben kann?
Und was heißt das eigentlich: "Two and a half men"-Star? Die Serie war doch eigentlich schon tot, bevor Sheen gefeuert wurde, oder?
By the way: "Symphat" - phatt!
__________________
"God gave us our relatives; thank God we can choose our friends." - Ethel Watts Mumford - (quoted in "Mary & Max")
Mit Zitat antworten

Diesen Beitrag teilen:
Bookmark Post in TechnoratiMister WongPing.fmGoogle BookmarksTwitternAuf Facebook teilen
  #5 (permalink)  
Alt 31.03.2016, 11:35
Benutzerbild von Sam Trautman
Fan
 
Registriert seit: Oct 2013
Beiträge: 77
Sam Trautman wird hier gern gesehenSam Trautman wird hier gern gesehen
Standard AW: Steve Jobs (Danny Boyle 2015)

Der Asthon Kutcher Film ist auch ganz anders gemacht. Hier wird chronologisch Jahr für Jahr abgearbeitet und alle lang und breit erzählt. Zudem ist er für mich auch kein ernsthafter Schauspieler. Der neue Jobs ist mega, wird dir gefallen. Uuups falsch geschrieben den "Symphaten"
__________________
Mehr Kritiken

http://www.vize-com.de/
Mit Zitat antworten

Diesen Beitrag teilen:
Bookmark Post in TechnoratiMister WongPing.fmGoogle BookmarksTwitternAuf Facebook teilen
Antwort

  Kinoforen.de > Allgemeines > Filme > ab 2010

Themen-Optionen

Forumregeln
Es ist dir nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist dir nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist dir nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist dir nicht erlaubt, deine Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist aus.
HTML-Code ist aus.
Trackbacks are aus
Pingbacks are aus
Refbacks are an



Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 14:51 Uhr.


Powered by vBulletin® Version 3.8.0 (Deutsch)
Copyright ©2000 - 2020, Jelsoft Enterprises Ltd.
SEO by vBSEO 3.3.0
 
 Die Kinoforen-Sites
MovieGod.de
FilmSzene
kinolatino.de

  MovieGod.de Film-News
Bill and Ted Face the Music: Der Trailer
zu Bill & Ted 3

Tenet: Neuer Trailer zum neuen Film von Christopher Nolan
Ab Sommer im Kino. Wahrscheinlich.

Unhinged: Trailer zum Psychothriller mit Russell Crowe
Falling... flat?

Westworld: Der Trailer zur dritten Staffel
Season 3 der Sci-Fi-Serie

The French Dispatch: Der Trailer zum neuen Film von Wes Anderson
mit Benicio del Toro, Adrien Brody, Tilda Swinton und Frances McDormand

No Time To Die: Der Super-Bowl-Trailer zum neuen James-Bond-Film
Keine Zeit zu sterben - Ab April im Kino

Guns Akimbo: Der Trailer zur Actionkomödie mit Daniel Radcliffe
Ein frisch rekrutierter Gladiator rettet seine Ex

Tenet: Der Trailer zum neuen Film von Christopher Nolan
2020 im Kino


  amazon.de Top-DVDs