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Alt 23.11.2014, 14:01
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Standard Die Legende der Prinzessin Kaguya (2013)

15 Jahre sind vergangen, seit Isao Takahata, der Mitbegründer von Studio Ghibli, seinen letzten Film (Meine Nachbarn, die Yamadas) veröffentlichte.

8 Jahre lang hat er sich mit seinem wohl am weitesten ausgereiften, poetischsten und vielleicht auch erwachsenstem Werk beschäftigt - 8 Jahre Arbeit, die man dem Film nicht ansehen möchte, so natürlich, leicht und unbekümmert er über die Leinwand fließt. 8 Jahre Arbeit, die offenbar vor allem darin investiert wurden, zu reduzieren. Linien, Formen, Farben - reduziert auf den Kern dessen, was Erkennen bedeutet.

Die Geschichte basiert auf einer japanischen Legende des 9. Jahrhunderts (Die Geschichte des Bambussammlers). Eine Mondprinzessin kommt zur Erde um hier aufzuwachsen und frei und glücklich zu sein.
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Dies gelingt ihr in ihren Kindertagen, jedoch als junge Erwachsene gerät sie zwischen die Erwartungen und Zwänge einer Gesellschaft, die auf Regeln und Konventionen basiert. Verzweifelt wünscht sie sich zurück auf den Mond, nicht ahnend, dass sie damit alles verlieren wird, was sie an Menschlichkeit gewonnen und erfahren hatte.


Takahata erschafft seine Geschichte weniger vor dem märchenhaften Hintergrund einer Prinzessin vom Mond, sondern basierend auf dem Zwiespalt zwischen ungebundener Lebenslust und den Zwängen einer Gesellschaft mit Aufgaben, Erwartungen und Regeln - Regeln, die sein müssen, soll eine Unzahl von verschiedenen "Ungebundenheiten" miteinander leben. Gleichzeitig weist er einmal mehr auf, dass eine solche Gesellschaft das "Freie" nicht akzeptieren kann, rüttelt es doch an ihre Fundamente und droht, sie zu zerstören.

Diese feinen, kleinen Beobachtungen des täglichen Umgangs miteinander hat Takahata schon zum "Fundament" seiner letzten Filme gemacht, hier aber verschafft er seinen Anmerkungen zu Leben und Gesellschaft einen visuellen Ausdruck, den ich so noch nicht erleben konnte.

Zeichnung und Kolorierung sind sehr reduziert - und gerade die linienarme Konturierung von Gesichtszügen vermag er noch weiter zu reduzieren (teilweise fühlte ich mich zu Beginn an "Wenn der Wind weht" erinnert). Die Hintergründe sind leinwandgroße Kunstwerke für sich, direkt der Tradition japanischer Landschaftsmalereien, entstammend. Es ist, als ob er die über 1000 Jahre alte Geschichte dadurch "ehren" möchte, indem er ihre Visualisierung im Stil dieser Zeit, mit den Maltechniken dieser Zeit, betreibt.

Dabei bleibt er aber nicht einem einzigen Stil verhaftet. Auf einer anderen Ebene verbindet er unterschiedliche Stile mit einzelnen, wiederkehren Erzählebenen. Er "emanzipiert" sich mit dieser Herangehensweise optisch ganz klar von Anime und Manga, bleibt ihnen aber dennoch eng verbunden... wie gesagt: ich habe so etwas (im Bereich der animierten Filme) noch nicht zu sehen bekommen.

Nicht überraschend, dass er den Gefühlswelten von Miyazaki weiter eng verbunden bleibt. Wo dieser aber zuletzt auf Poesie (Ponyo) bzw. Hingabe und Verzweiflung (Wie der Wind sich hebt) fokussiert war, bleibt Takahata in der Lage, um eine gefühlvolle, bewegende Inszenierung herum das Denken, Verstehen nicht abzuschalten. Etwas, was er schon vor über 30 Jahren mit "Heidi" getan hatte. Aber heute mit einer unvergleichlichen Ästhetik und Schönheit der Bilder kombiniert.

Unbedingt empfehlenswert - und das nicht, weil der Film irgendwelche Ecken und Kanten hätte, die mich über alle Maßen fasziniert hätten - sondern, weil der Film ein meisterhaftes Kunstwerk - ein kunstvolles Meisterwerk geworden ist.

Bemerkenswert einfühlsam auch die deutsche Synchronisation. Leider ist es mir noch nicht gelungen, das Studio herauszufinden, obwohl ich vom Stil her gerne Arena Synchron vermuten möchte.
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"Im Kino gewesen. Geweint." (Franz Kafka)
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Alt 29.11.2014, 18:12
...is mostly "Confuzzled"....
 
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scholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich sein
Standard AW: Die Legende der Prinzessin Kaguya (2013)

Möchte mich jedem Wort von godfather in seinem Text anschließen.
Demzufolge gibbet von mir nix hinzuzufügen.
Majestätisch, reduziert (in seiner optischen Wahl der Darstellung) und dennoch reich, emotional packend und wahrhaftig.
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Alt 01.12.2014, 15:11
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Standard AW: Die Legende der Prinzessin Kaguya (2013)

Zitat:
Zitat von da_godfather Beitrag anzeigen
Bemerkenswert einfühlsam auch die deutsche Synchronisation. Leider ist es mir noch nicht gelungen, das Studio herauszufinden, obwohl ich vom Stil her gerne Arena Synchron vermuten möchte.
Da habe ich mich getäuscht: die Arbeit wurde von der christa kistner synchronproduktion in Potsdam durchgeführt. Dielogbuch und -regie stammen von Eric Paulsen, man teilte mir von dort aber mit, daß die Qualität der Arbeit maßgeblich von der Übersetzung der japanischen Vorlage abhing: diese erstellte Thilo Madaus.
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Stichworte
anime, isao takahata, studio ghibli

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