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scholley007 03.10.2014 03:32

Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
Wie? Ein David Fincher-Film, bei dem im Vorfeld nicht wenigstens einer schon mal ´nen Thread aufgemacht hat?
Sakri.... nein nein nein - schon gut.
Hab ihm ja ob seines daneben gegangenen "Verblendung"-Remakes auch beinah die Freundschaft gekündigt (entsprechendes ist im entsprechenden Thread zu finden) und hatte den hier ü-ber-haupt nicht auf dem Schirm.
Ehrlich - als das Poster kam, hab ich gar nicht erst auf den Regisseur geguckt (wobei man ja nu auch wieder argumentieren kann, dass heutzutage immer weniger Credits auf dem Plakat auftauchen - und wenn eine Schlagzeile darauf hinweist, dass da bereits erfolgreiche Herrschaften (und Damen - bevor hier wieder irgendjemand kreischend irgendwelche Gleichschreibungsbeauftrage auf mich hetzt) am Werk waren, steht da heuer mitnichten ein Name sondern "Von den Typen von....". Toll - echt jetzt! :puke:).... Egal jetzt.... zum wesentlichen...

In dem von Autorin Gillian Flynn nach ihrem Bestseller selbst verfassten Drehbuch, geht es um das Vorzeigeehepaar Nick und Amy Dunne (Ben Affleck/Rosamund Pike). Beide Großstadtmenschen hat es wegen der im sterben gelegenen Mutter Nicks in eine Kleinstadt verschlagen. In erster Linie, um Nicks Mom beizustehen.
Doch nach ihrem Tod, dürfen die beiden (arbeitslos gewordenen) Schreiber, dem Tod auf Raten ihrer Ehe beiwohnen.
An ihrem 5. Hochzeitstag kommt Nick nach Hause um Amy nicht vorzufinden.
Bis auf den umgestürzten Wohnzimmertisch und einen vermeintlichen kleinen Blutfleck am Küchenschrank.
Im besten Wissen zeigt sich Nick bei der Polizei kooperativ. Er hat ja nichts zu verbergen.
Denkt er. Denkt die Polizei. Denkt die Gemeinde, die die Stadt auf der Suche nach Amy durchkämmt.
Bis da Indizien auftauchen, die Nicks Geschichte unterminieren. Und ein ganzes durch die Medien aufgerütteltes Land (Amy war die Vorlage für eine halbfiktive literarische Figur, die eine ganze Generation an die Hand genommen hatte) zu einer fürchterlichen Ahnung bringt......

Die Vorgeschichte ist das Einzige, das man preisgeben sollte - darf.
Damit der Twist und der daraus resultierende Payoff seine vollste Wirkung entfalten.
Denn der Film trifft dort, wo es wirklich weh tut - in der Institution "Partnerschaft" (wobei die Ehe ja den Gipfel eben jener Zweisamkeit darstellt und immer darstellen wird).
Vorspiel. Vertrauen. Verzichten. Verzeihen.
Und weitermachen.
Trotz, wegen, vielleicht. Warum?
Der Film geht wirklich dahin wo es weh tut, rüttelt einen auf und zwingt sich - wenn man sich denn traut - sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.
In diesen Momenten ist der Film auf einer Ebene angekommen, die man aus Gründen des sozialen Selbsterhaltungstriebes gerne ausblendet.
Egal mit was.
Und Fincher und Flynn nehmen das Genre des Thrillers UND des Beziehungsdramas und werfen die Teile formvollendet durcheinander.
Nur um beim zusammenpuzzeln ein Bild zusammenzusetzen, dass zu Beginn auf der Packung nie und nimmer zu sehen war.
Und - wer sich darauf einlässt - einem vermutlich die Augen öffnen kann.
Die beste Paartherapie, die ich mir vorstellen kann.
Kunstvoll - und schneidend wie ein Skalpell - arrangiert und ausgeführt.
Mit drei Darstellern - den beiden Hauptfiguren und einem Neill Patrick Harris ähnlich großartig gegen den Strich besetzt, wie einst in "Starship Troopers" - die jede/r dafür eine Oscarnominierung sicher haben sollten.
Und wenn es hiernach noch irgendjemand geben sollte, der immer noch nicht gecheckt hat, dass Affleck sich schauspielerisch ähnlich freigeschwommen hat wie Leonardo di Caprio, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen.

Kurz und schmerzlos: Ein Meisterwerk - für mich das Beste, das Fincher neben "Fight Club" und "Sieben" geschaffen hat. Ein Film über Wahrnehmung. Und Wahrheit. Wie wir sie brauchen. Wie wir sie akzeptieren (müssen). In Guten wie in schlechten Zeiten.
Wen dieser Film kalt lässt, sollte sich DRINGEND untersuchen lassen!

Sie dürfen die Braut jetzt küssen..... ;-)

Lex 217 03.10.2014 04:04

AW: Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
Ich hab definitiv vor, den anzugucken. Mir reicht schon "der neue von Fincher" als Argument und was ich bisher dazu gelesen habe, ist auf jeden Fall reizvoll.

Übrigens fand ich "Verblendung" gar nicht misslungen, der war schon recht okay. Und mit starker Musik, worauf man sich ja jetzt auch freuen kann...

scholley007 03.10.2014 12:10

AW: Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
Nach ein paar Stunden Schlaf, ploppte folgender Gedanke in meinem Hirnkasten auf.

Da ich hier niemandem auch nur eine Handbreit an Spoiler rüberreichen werde, bitte auf eigene Gefahr bzw. erst NACH Sichtung reinschauen:

Spoiler: Anzeigen
Da Ben Affleck schon im Vorfeld als "Batman" einen schlechten Stand bei der (sogenannten) Fanbase hat, versucht mal nach Genuss von "Gone Girl" den Trick, die gesamte Geschichte als "Batman"-Story ohne Batman, dafür mit Bruce Wayne in der Hauptrolle anzusehen. Und mit Rosamund Pike die eine "Hayley Quinn" "in disguise" abgibt. Afflecks Filmschwester hier drin verwandelt sich in "Alfred" und der hier ermittelnde weibliche Detective wird durch "Commissioner Gordon" ersetzt. Das ganze in Gotham City spielend und Batman ist fern..... und wie das klappt. Und vor allem: wie schön stimmig die Figur des Jet-Set Milliardärs Wayne hier vereinnahmt wird. So wird aus "Gone Girl" der Gegenentwurf zu "The dark Knight" und der Joker amüsiert sich als Zuschauer königlich wie seine ihm Ergebene Hayley Spielchen mit Bruce spielt. Auch wenn Joker letztendlich dann mit aufs Spielfeld kommt - denn er hat ja bekanntlich den meisten Spaß, wenn er teilnimmt.
Mal drüber nachdenken, wenn "Das Kinn" Affleck im nächsten Jahr im schwarzen Cape über die Leinwand tobt... ;-)

schlimmagehtsnimma 03.10.2014 15:14

AW: Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
Das liest man doch gern! :-D
Ich schau mir den vermutlich heute Abend im Kino an und freu mich jetzt noch mehr darauf.

rolo tomasi 03.10.2014 21:21

AW: Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
David Finchers zehnter Film scheint zwar vordergründig ein ungemein spannender, mit wilden Wendungen garnierter Edelthriller zu sein, ist aber gleichzeitig auch eine bitterböse Eheanalyse und eine beißende Mediensatire, in denen Fincher das Thema des Verlusts von Kontrolle gleich auf mehreren Ebenen durchexerziert.
So liefert "Gone Girl" neben klassischen Suspense auch die gnadenlos präzise Zustandsbeschreibung einer Ehe, die immer wieder auch zu einer launigen Satire zugespitzt wird. Mit kleinen und trotzdem monströsen Gemeinheiten skizziert Fincher eine beunruhigende Ehehölle, die nicht einer gewissen Komik entbehrt. Auf der zweiten Ebene ist da die offene Medienkritik. Scharf und bissig analysiert wird anhand der medialen Hetzjagd auf Nick Dunne der Zynismus der Massenmedien freigelegt.

"Gone Girl" ist die wildeste und launigste Mindfuck-Rochade seit einer gefühlten Ewigkeit.

Eine unbedingte Empfehlung!! Ansehen!!

Lex 217 05.10.2014 00:58

AW: Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
Okay, Kinder, ich kapier das nicht.

Der Film ist genau 1:15 Minuten lang halbwegs spannend. Dann war mir (und ein paar Minuten später kam auch schon die "Auflösung" für alle) klar, was los ist. Und dann wurde eine weitere Stunde zelebriert
Spoiler: Anzeigen
wie gestört diese Frau ist. Da kam kein Twist mehr, gar nichts. Es wurde einfach weitererzählt und noch eines oben drauf gepackt, aber die grundsätzliche Erkenntnis des Films wurde nicht mehr bereichert. dabei wurde sogar imho mutwillig Spannung weggenommen, da man durch die Erzählung von Tommy O'Hara in der Bar schon WUSSTE, was sie "Barnes" antun wird. Das ist ganz miese Erzähltechnik, nochmal zu wiederholen, was der Zuschauer im Kopf schon gesehen hat, das ist einfach langweilig. Passiert auch bei der "Auflösung" von Amys Verschwinden, wir sehen sie im Flucauto und wissen Bescheid, sehen alles geistig vor uns -- und der Film spielt uns noch minutenlang vor, was wir ohnehin wissen, uns gerade gedacht haben. Gähn.

Ich habe gänzlich das Interesse verloren nachdem klar war, dass sie ihn reingelegt hat. Und es kam auch nichts Ergänzendes oder Neues mehr dazu. Ich meine, was will der Film? Uns sagen, dass Frauen manipulative Irre sind? Oder dass Männer Schuld daran sind, wenn Frauen so werden? Oder dass man mit einer psychischen Erkrankung weit im Leben kommt, solange man wie Rosamund Pike aussieht? Oder auch, dass Beziehungen einfach schwierig bis unmöglich sind? Keiner dieser möglichen Aussagen kann ich zustimmen. Beziehungen sind möglich und die Ehe muss nicht die Hölle sein. Ich habe Propaganda in die andere Rochtung soooo satt.

Beziehungsdrama? Aha. Ich konnte mich leider Null identifizieren. Die Probleme, die die hatten, entstanden wie immer aus zu wenig Ehrlichkeit und Kommunikation. Sorry, wenn die Menschen zu blöd sind gute Ehen zu führen^^ kein Mitleid.

Spannung? Gab es keine mehr, nachdem mir die Figuren schnell unsympathisch wurden und mich nicht mehr interessiert hat, was mit denen passiert.


1 Punkt für Ben Affleck, der immer noch nett aussieht und das alles erträglich gemacht hat.
1 Punkt für Barneys Haus am See, das ebenfalls nett anzusehen war.
1 Punkt für das Potenzial, das hie und da absolut zu spüren war, und die kleinen Twists
Spoiler: Anzeigen
wie den Raub von Amys Geld
.
1 Punkt für die Medienkritik, das sitzt und macht Spaß.
1 Punkt für Miss Pike, die sichtlich gut spielt.

Kalt gelassen hat er mich nicht, aber ich gehe nunmal ins Kino um positive Gefühle zu erleben und nicht um mich zu ärgern.

5/10

scholley007 05.10.2014 03:21

AW: Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
@Lex: Hmmm... schade. Aber so kann das kommen, wenn die Erwartungshaltung vielleicht net bekommt was sie will (bei mir hat´s wunderbar gepasst - und die genaue Erklärung wie sie´s denn nun gedreht hat... mir hat´s gefallen und ich fand es keine Sekunde langweilig. Wenn Publikum in einem Film wie "Gravity"
Spoiler: Anzeigen
allen Ernstes auf Clooneys erneutes Auftauchen mit einem "hab doch gewußt, dass der net stirbt" reagieren kann (selbst in einer Vorstellung von einer Dame hinter mir lautstark verkündet gehört!)
, dürfte durchaus einem Teil - der überdies das Buch (das mir auch net bekannt ist) net kennt - diese visualisierte Erklärung problemlos zu schlucken sein. Manchmal ist man als Zuschauer schlauer als der Rest des Publikums, manchmal nicht.
Und ich finde ja, dass der Deckmantel des Thrillers in diesem Fall
Spoiler: Anzeigen
die Eigentliche Absicht des Werkes - die Form der Wahrnehmung - und was sie für uns darstellt ist
Und die wirkliche Pille halt die gestörte Wahrnehmung aller Beteiligten - Ehepaar/Medien/Polizei/Öffentlichkeit - darstellt.
Letztendlich finde ich allerdings Deine Aussage Amy stellvertretend für alle Frauen zu sehen - so kommt Deine Formulierung zumindest bei mir an - etwas daneben. Dann wären ja alle Männer ähnlich gestört, die so manipulativ sind wie Hannibal Lecter. Und dass die Männer sie so haben werden lassen, ... sorry - da haben sowohl Mommy und Daddy ihre Tochter von Kindesbeinen an "konditioniert"(bewußt oder unbewußt - die beiden sind doch Psychologen meine ich kurz gehört zu haben - mit eben der Meßlatte "Eigene Tochter - halbfiktive Perfekte "Amazing" Amy" wohl den Knacks herbeigeführt und entsprechend "gefördert" haben).

Ich lass mich gerne wiederlegen, wenn Du im Film genau das siehst was Du gesehen hast. Doch warum sollte eine Frau - namentlich die Autorin, die auch das Drehbuch geschrieben hat - ihr Geschlecht so dämonisieren? (außer Amy gibt´s da ja auch niemanden, der so ist wie sie. Warum also die Verallgemeinerung?). Oder bist Du sauer, dass Du von dem Film nicht das bekommen hast, was Du vorab erhofft/erwartet hast?
Während ich diese Zeilen schreibe, kommt mir in den Sinn, dass der Film vielleicht auch genau dieses vorgehabt haben könnte.... die Manipulation des Zuschauers bzw. Lesers (des Buches). Und wenn es so ist, wie Du behauptest, dann wären letztendlich alle Leserinnen (dürfte nach allem was ich weiß wohl die Überzahl darstellen) der Autorin formschön auf den Leim gegangen sein.
Und die Zuschauer nun auch.
Und ist nicht jeder Film an sich eine Manipulation von uns? Warum finden wir gut, was wir gut finden?
Warum finden wir schlecht, was wir schlecht finden?
Und was sind die Gründe, warum wir uns für eine der beiden Seiten entscheiden?

Und was geht in meinem Kopf vor? ;-)

Lex 217 05.10.2014 09:34

AW: Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
Da hast du mich falsch verstanden. Mein Hauptproblem mit dem Film ist, dass ich eben überhaupt nicht weiß, was der Film aussagen wollte. Wo ist der Punkt? Ich hab keinen ausfindig machen können und mein Mann auch nicht. der ganze Film und besonders auch das Ende waren einfach sinnlos in meinen Augen. Ich saß dann eben ab ca. 1 Stunde da und hab gewartet, dass da noch was kommt, dass das Ganze auf irgendwas hinausläuft, und das ist nicht passiert. Insofern auch völlig anti-klimatisch und frustrierend.

Was ihr da über Wahrnehmung schreibt, keine Ahnung, das ist für mich als "Aussage" nicht schlüssig
Spoiler: Anzeigen
ich meine, Amys hochdurchdachte Aktion in Zusammenhang damit, dass sie anscheinend psychisch krank ist (warum auch immer) ist eine total übertriebene und nicht als Exempel für "uh, unsere Wahrnehmung ist manipulierbar" geeignete Aktion. JEDER würde darauf reinfallen, es ist echt GUT gemacht. Amy ist ein psychopathisches Genie! Es geht nicht darum, dass normale Menschen Wahrnehmung manipulieren, sondern entweder Profis (die Medien) oder eben eine hochintelligente Irre. Und wenn es eben um diesen speziellen Fall geht keinerlei Verallgemeinerung gemeint ist, dann ist das nur eine triviale Geschichte ohne Essenz. Kann sein. Vielleicht hab ich ja insofern zuviel erwartet.
Und dass jeder Partner seine Ehe anders wahrnimmt, na holla, die Weisheit ist dermaßen Hausverstand, das kann's ja dann wohl auch nicht sein.


Und nein, es lag nicht an der Erwartungshaltung. Wenn ich auf halbem Weg das Interesse verliere, liegt es nicht daran, dass ich "nicht bekomme, was ich erwartet habe". Ich habe alle Kritiken und Reviews nur überflogen und keinen einzigen Trailer angesehen und das einzige, was ich erwartet habe, war ein cleverer Thriller, was ja hoffentlich nicht zuviel war, aber er war weder clever noch spannend für mich.

Agent K 05.10.2014 12:11

AW: Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
Zitat:

Zitat von scholley007 (Beitrag 379966)
Und ist nicht jeder Film an sich eine Manipulation von uns? Warum finden wir gut, was wir gut finden?

Naja, ich denke irgendeine Affinität zum Thema sollte schon da sein, um einem Film noch einen "Unterhaltungswert" abzuringen. Ich hab mich im Vorfeld durch irgendeine Buchbesprechung spoilern lassen, und damit war dann auch schon jegliches Interesse an diesem Film erloschen. Und auch den Trailer fand ich dann aus dieser Perspektive sterbenslangweilig. Ich sehe mich persönlich ja garantiert nicht als Experten in Sachen Ehe/Beziehungen, aber dieses Konstrukt ist für mich in seiner abstrakten Überhöhung exemplarisch für gar nix, schon gar nicht für eine "Ehe". Und wenn da zwei Protagonisten, die ich beide nicht leiden kann, weil jegliche Identifikation und jegliches Verständnis fehlt, einen Konflikt austragen, der in seinen Ursachen nie emotional fassbar wird, bzw. glaubhafte Lösungen/Auswege/Katharsis bietet, dann ist das für mich so spannend wie ein Autobot, der zwei Stunden lang auf einen Decepticon eindrischt. Wer da "gewinnt" interessiert mich nicht mehr. Und jeglicher Anspruch, damit irgendwelche Abgründe und Untiefen hinter der sozialen Fassade "Ehe" zu entlarven, klingt eitel und anmaßend. Und wenn das in traditioneller RASHOMON-Manier dann auch noch aus verschiedenen Perspektiven quasi nur wiederholt wird, ohne dass sich daraus irgendwelche dramaturgischen Fortschritte/Wendungen ergeben, dann wird es halt auch nicht spannender. Da lasse ich mich dann lieber durch eine 08/15-RomCom "belügen"...

Und ähnliches gilt letztlich auch für die aufgezeigte "Manipulation" durch die Medien. Kalter Kaffee neu aufgewärmt und als "Aufklärung" propagiert. Es ist hip geworden, den Informations-Overkill aus Presse/TV/Internet einer plakativen "Medien-Kritik" zu unterwerfen, dabei haben sich die banalen Mechanismen, in denen Gerüchte und Vorverurteilung früher durch Metzger, Friseure, oder eben Waschweiber verbreitet wurden, gar nicht geändert. Es ist heutzutage nur schneller, umfassender, und viel, viel unüberschaubarer. Nicht die Verbreitung von vermeintlicher Information ist "manipulativ", sondern deren Verarbeitung und Wahrnehmung im Kontext persönlicher Vorurteile und Erwartungshaltungen - und die darauf folgende veränderte Weitergabe. Und ähnlich wie in DIE TRIBUTE VON PANEM, wo sich der Erfolg des Filmes zu einem nicht geringen Teil durch genau jene Kinobesucher erschließt, die sich an medialen Hungerspielen ergötzen, verpufft auch die "Medien-Kritik" von GONE GIRL in den genau dazu willig instrumentalisierten Zuschauern. Resistenter oder kritischer gegen Falschinformationen/Manipulation wird durch diesen Film garantiert niemand...


Alles in allem für mich ein modisches "Pseudo-Thema", aus dem selbst ein Fincher aus meiner Sicht nichts mehr basteln kann, was ich mich in irgendeiner Form interessieren könnte...

scholley007 05.10.2014 13:21

AW: Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
@Agent: da ich den bis quasi eine Woche vorm Start gar net auf dem Schirm hatte - mir sagte der Bestseller nix und auch dass Fincher Regie führte, entging mir weil ich das Plakat als "nichtssagend" keiner weiteren Prüfung unterzog.

Vielleicht hätt ich das so gesehen wie Du, wenn ich vorab "gespoilert" worden wär - so sprang ich quasi kalt in den filmischen Teich. Und vielleicht war/ist meine Begeisterung auch der Tatsache verhaftet, dass ich in meinem sozialen Umfeld ein eben solches Verhalten auf Wahrnehmung durch andere in vermeintlich guten Beziehungen sehe/gesehen hab. Was das nun über meine (möglicherweise) gestöre Wahrnehmung oder mein Umfeld aussagt, dürft ihr Euch nun gerne denken. ;-)
"Rashomon" hab ich bis heute nicht gesehen (da rollt der filmgeschichtlich Aufgeklärte mit Sicherheit mit den Augen ;-) ) - das Prinzip des aus mehreren Perspektiven erzählens wird ja aber immer wieder gern genommen ("zuletzt" entsprechend erlebt in "8 Blickwinkel", den ich um ein vielfaches platter und ereignisreich aufgemotzter in Erinnerung habe als "Gone Girl").
Und wo denn nun die Trennlinie zwischen einem Paar a la Michael Douglas/Kathleen Turner ("Der Rosenkrieg") und hier Affleck und Pike verläuft, seh ich auch net so wirklich. Den "Rosenkrieg" mocht ich nie - der war mir schon damals einfach "way too much".
Ich behaupte nicht, dass "Gone Girl" der Weisheit letzter Schluß wäre - vielleicht liegt es tatsächlich einfach nur daran, dass er mir ein Spiegelbild unserer medienaffinen Gesellschaft liefert, dass mir alle Vorbehalte die ich insgeheim angehäuft habe, schlicht und ergreifend bestätigt (Tyler Perrys Anwaltsfigur ist da das perfekte Beispiel - der "surft" quasi auf der voraussezierten Erwartungshaltung der Öffentlichkeit auf der Welle des somit vorausberechneten Erfolgs allen anderen voran... ).
Und dass die Ohrfeigen in Sachen "medialer Kritik" so neu auch nicht sind, würd ich niemals behaupten.
Vielleicht rührt meine Begeisterung auch einfach daher, dass ich nichts hiervon in dieser Form vorab erwartet hab - und eben diese Wahrnehmung meine Sichtung enorm aufwertete.
Wie dem auch sei: für mich ist´s der beste Film des Jahres.
Bislang.
Aber vielleicht hängt das auch damit zusammen, dass ich eher emotional als rational gepolt bin.
Und der Film perfekt weiß auf der emotionalen Klaviatur zu spielen.
(Mein filmisches Alter Ego ist im Rahmen des Casts somit der von Patrick Fugit gespielte Kleinstadtcop hier drin.)

Agent K 05.10.2014 14:59

AW: Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
Zitat:

Zitat von scholley007 (Beitrag 379972)
...Und wo denn nun die Trennlinie zwischen einem Paar a la Michael Douglas/Kathleen Turner ("Der Rosenkrieg") und hier Affleck und Pike verläuft, seh ich auch net so wirklich...

DER ROSENKRIEG oder auch MR. & MRS. SMITH (kann mit beiden nicht viel anfangen) sind durch ihre absurden Kapriolen ja schon eher wieder Komödien oder Persiflagen. EXTREMITES, DER FEIND IN MEINEM BETT, oder auch EINE VERHÄNGNISVOLLE AFFÄRE (kann mit allen Dreien nicht viel anfangen) haben zumindest klare Opferrollen, mit denen man bis zu deren Erlösung "mitleidet". RomComs gehen ihre verschlungenen Wege über termingerechte Twists bis zum obligatorischen "Happy End", das einem in klassischen Liebesdramen wiederum definitionsgemäß versagt bleibt. Aber GONE GIRL setzt sich da mitten ins dramaturgische Niemandsland, macht universelle Fässer wie "Medienschelte", "Ehe als institutionalisierte Fassade", oder "subjektive Wahrnehmung" auf, während die meisten Beziehungen an banalen Kleinigkeiten wie der berühmten "Zahnpasta-Tube" oder "Klobrille" scheitern. Ich persönlich sehe da nix, was den Film als "Paartherapie" sinnvoll qualifizieren würde. Und überhaupt bleibt die wesentliche Ursache aller Scheidungen die Eheschließung selbst... :razz:

Aber wie schon gesagt, passen da schon Rezept und Zutaten der Vorlage nicht. Daraus kann auch Maître de Cuisine Fincher nichts mehr kochen, was dem Agenten schmecken würde... ;)

scholley007 05.10.2014 16:34

AW: Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
@Agent: oui, mon Kritiker Anton Ego ;-) - dann bin ich doch mal langsam gespannt, wie Dir "Edge of Tomorrow" munden wird.... den man ob seines Titel nun für die DVD-Auswertung mit dem wohl scheußlichsten Cover des Jahres versorgt hat. Und den Kinotitel nun ganz unten versteckt...

...stattdessen hat man - ähnlich wie einst bei Costner´s "3000 Miles to Graceland" den Werbeslogan (dort: "Crime is King" - hier: "Live. Die. Repeat") zum neuen Haupttitel erhoben.
Soviel zur Wahrnehmung (am Rande) ;-)

Nils vom Dach 13.10.2014 12:28

AW: Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
Mir ist nach dem Film eine Frage offen geblieben, eine Sache die mich skeptisch gemacht hat. Klar erwarte ich eigentlich nie eine "perfekte" Story ohne irgendwelche Fehler, aber vielleicht habe ich auch einfach nur etwas verpasst oder vergessen:
Spoiler: Anzeigen
Im Haus von ihrem reichen High-School Freund wird sie 24/7 von Kameras überwacht, die auch alles aufzeichnen. Nun simuliert sie eine Szene in der sie scheinbar vergewaltigt wurde für die Kameras und empfiehlt nach ihrer "Befreiung" den Ermittlern sich die Videobändern anzuschauen. Wären dann nicht aber auch alle Szenen drauf in denen sie sich ganz normal unterhalten und auch die Tatsache, dass sie erst viel später zu diesem Haus gekommen ist als sie vorgibt? Und das auch völlig ohne Zwang?


Insgesamt hat mir der Film sehr gut gefallen. Ich mochte die Stimmung, die Musik, die Schauspieler und ihre Rollen und ich hatte auch zu keinen Zeitpunkt das Gefühl zu wissen wie es denn jetzt ausgeht.

Lex 217 13.10.2014 12:33

AW: Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
Zitat:

Zitat von Nils vom Dach (Beitrag 380165)
Mir ist nach dem Film eine Frage offen geblieben, eine Sache die mich skeptisch gemacht hat. Klar erwarte ich eigentlich nie eine "perfekte" Story ohne irgendwelche Fehler, aber vielleicht habe ich auch einfach nur etwas verpasst oder vergessen:
Spoiler: Anzeigen
Im Haus von ihrem reichen High-School Freund wird sie 24/7 von Kameras überwacht, die auch alles aufzeichnen. Nun simuliert sie eine Szene in der sie scheinbar vergewaltigt wurde für die Kameras und empfiehlt nach ihrer "Befreiung" den Ermittlern sich die Videobändern anzuschauen. Wären dann nicht aber auch alle Szenen drauf in denen sie sich ganz normal unterhalten und auch die Tatsache, dass sie erst viel später zu diesem Haus gekommen ist als sie vorgibt? Und das auch völlig ohne Zwang?

.

Spoiler: Anzeigen
Ich würde mal schätzen, dass die geile Amy sich da irgendwie rausreden kann. Vielleicht würde sich auch sowieso niemand die Bänder ansehen, da ihr alle glauben (und sie das auch weiß). Aber rein theoretisch hast du Recht, ihre gewaltfreie und deutlich verspätete Ankunft im Haus würde auffliegen. Wie gesagt, ich denke, das ist wie alles reine Berechnung, sie weiß, niemand sieht sich die Bänder an, weil die arme sexy Amy eh schon genug gelitten hat und ihr alle glauben und das daher nicht nötig ist.

Nils vom Dach 13.10.2014 13:27

AW: Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)
 
@Lex 217
Spoiler: Anzeigen
Es ist möglich, dass sie es darauf ankommen lässt aber es würde irgendwie nicht zu ihrer ansonsten so akribischen Planung passen. Wenn sie davon ausgeht, dass sich niemand die Bilder anschaut hätte sie auch nicht das Schauspiel mit dem Rotwein veranstalten müssen. Zumal auch diese Szene ihrer Aussage widerspricht sie wäre ans Bett gefesselt gewesen.

Generell würde aber wahrscheinlich keine Tötung an einer solchen Person einfach komplett ohne weitere Ermittlungen bleiben, bloß weil die Täterin eine halbwegs glaubhafte Aussage macht.

Vielleicht erwarte ich zu viel, aber an dieser Stelle habe ich doch ein Problem mit dem Film, weil er nach meinem Gefühl sehr authentisch sein möchte. Hier hakt es einfach. Vielleicht wird es im Buch näher erläutert, aber das würde den Film nicht von seiner Bringschuld entbinden.

Ich denke der Stoff wäre vielleicht eher was für einen Coen-Film gewesen. Ein Film der trotz ernster Story immer noch einen gewissen Humor mit sich trägt und man ihm daher nicht so viel übel nimmt.


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