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Alt 28.10.2019, 10:47
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mati mati ist offline
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mati ist auf dem besten Weg
Standard Das Hochzeitsbankett (Ang Lee, 1993)

Ang Lee ist aktuell mit "Gemini Man" im Kino vertreten, ein Film der mich jedoch null reizt. Grandiose Werke wie "Tiger & Dragon", "Der Eissturm", "Sinn und Sinnlichkeit" und "Eat Drink Man Woman" sind ja nun schon ne Weile her. Noch älter ist "Das Hochzeitsbankett", der zweite Film den Ang Lee je gemacht hat.

Handlung:
Der gebürtige Taiwanese Wei-Tung lebt mittlerweile als Yuppie in New York und hat auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. Seine in Taiwan lebenden Eltern versuchen ihn aus der Ferne mit einer Frau zu verkuppeln, da sie sich nichts sehnlicher wünschen als ein Enkelkind. Es gibt da jedoch ein Problem von dem sie nichts Wissen: Wei-Tung ist schwul und lebt schon seit Jahren mit dem weißen Simon zusammen.

Wei-Tung besitzt ein heruntergekommenes Mietshaus, in dem eine Chinesin wohnt, deren Aufenthaltserlaubnis abgelaufen ist. Simon schlägt vor, dass sein Partner eine Scheinehe mit der Mieterin eingehen sollte, damit sie im Land bleiben kann und Wei-Tungs Eltern endlich Ruhe geben. Als die Eltern von der bevorstehenden Hochzeit erfahren, reisen sie in die USA um ihre zukünftige Schwiegertochter kennen zu lernen und an der Hochzeitszeremonie teilzunehmen. Dies stellt das Leben aller Beteiligten vorübergehend gehörig auf den Kopf.
Meinung:
Anfangs wirkt der Film wie eine typische, vorhersehbare 0815-Komödie aus den 90ern. Grob hält sich die Story auch an das, was man erwarten darf. Dennoch fand ich den Film zunehmend immer besser.

Die Mieterin bleibt zunächst recht blass und die Eltern wirken klischeehaft konservativ. Das schlechte Gewissen des Brautpaars, wenn sie z. B. mit Geschenken überhäuft werden, wird geradezu plakativ zur Schau gestellt. Als die Figuren jedoch mit der Zeit immer mehr Tiefe bekamen, merkte ich irgendwann, wie sehr sie mir ans Herz gewachsen waren. Besonders interessant fand ich das bei Wai-Tungs Eltern, da diese sich im Grunde bis zum Ende treu bleiben.

Man bekommt ein recht authentisches Bild jener Zeit, da der Film ja nun mal auch tatsächlich in den frühen 90ern entstanden war. Daher ist sich der Film auch nicht zu schade zu zeigen, wie einzelne Figuren glauben man könne das Schwulsein vllt. noch heilen und der Protagonist nochmal extra erklärt, dass er nun mal so geboren ist. Der kleine Garten Simons wirkt inmitten der Großstadt wunderbar heimelig. Unfreiwillig komisch wirkt aus heutiger Sicht ein Handy, das Wai-Tung geschenkt bekommt und ein riesiger Klotz ist.

Wirkt alles ein wenig aus der Zeit gefallen und gefällt mir glaube ich gerade deswegen so gut. Großartiger Wohlfühl-Film.
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