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Alt 15.12.2017, 12:16
scholley007 scholley007 ist offline
...is mostly "Confuzzled"....
 
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scholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich sein
Standard AW: Anomalisa (Charlie Kaufman & Duke Johnson) 2015

Charlie Kaufmann war zu Beginn des Jahrtausends ein echtes Kritikerdarling und demzufolge ein angesagter "Taste" von Filmfans (warum das so ist/war: man möge sich mal seine Arthaus-Trilogie bestehend aus "Being John Malkovich", "Adaptation" und "Vergiss mein nicht" geben)
Wie das aber so ist: der Geschmack vergeht.
Schon um 2008 war Kaufmann weitestgehend vom Radar der "hippen" Mainstreamer verschwunden - sein "Synechdoche, New York" wurde doch schon eher übersehen (was für den Schreiber dieser Zeilen doch eine Affenschande darstellt!).
Und dieses 2015 mittels Kickstarter finanzierte Werk spielte an den Kinokassen dieser Welt sein 8-Millionen-Dollar-Budget wenn überhaupt so gerade ein.
Für 2019 steht ein neues Projekt an: "Chaos Walking", bei dem Doug Liman (Edge of tomorrow) Regie führen soll und dieser im Cast Daisy Ridley, Tom Holland und Mads Mikkelsen versammelt. Hier ist Kaufmann allerdings "nur" Dienstleister.
Hoffen wir mal das beste...
In diesem Fall könnte der verkaufsmäßige "stumbeling Point" schlicht und ergreifend daran gelegen haben, den Film als (erwachsenen) Stop-Motion-Film gedreht zu haben.
Und da winkt das erwachsene Publikum (zumindest hierzulande) weiterhin getrost ab (wie die Filme der LEIKA-Company immer zu spüren bekommen und auch Tim Burtons filmische Visionen in eben dieser Umsetzung weiterhin auf Sumpfblütenbasis ihr Leben in beschränktem Habitat führen)....

Michael Stone (Stimme in der OV: David Thewlis) - altersmäßig etwa Ende Vierzig - hat erfolgreiche Sachbücher über das Verhalten als Angestellter im Dienstleistungsbereich verfasst und es so zu einer gewissen Popularität und Ansehen gebracht.
Soeben ist er in Cincinnati eingetroffen, wo er am nächsten Tag einen "motivierenden" Vortrag vor seinen Fans abhalten soll.
Doch im Mensch Michael ist von Motivation keine Spur.
Zumindest fühlt er sich so.
Bodenlos leer und ausgebrannt. Antriebslos. Suchend. Und vor Einsamkeit frierend.
Ein Treffen mit Bella, der Frau, die er vor 11 Jahren von einem Tag auf den anderen verließ, führt nur noch weiter in die innere Isolation.
Weshalb er - nach einem Spaziergang - vollkommen panisch an mehrere Türen im Flur seines Luxushotels klopft.
Und ihm geöffnet wird.
Und ihm eine Begegnung geschenkt wird, die ihn verändert.
Verändern könnte.
Wenn er es denn zulässt....

First of all: ich habe den Streifen (nachdem mehr mehr als ein Jahr seiner Sichtung "entgegen reifte") heute morgen um 05.30 Uhr begonnen.
Und nach einer halben Stunde pausieren und noch ein wenig Schlaf nachholen müssen.
Manche Filme sind für diese Zeit weder gemacht noch gedacht.
Zumal der Film und sein Protagonist so brutal banal gereicht werden, dass man - trotz der frühen Aufnahmefähigkeit wie in diesem meinem Falle - doch in die Gegenrichtung getrieben wird.
So faszinierend die Animation geraten ist - so uneitel und nie um das "Gemocht werden" seitens des Zuschauers buhlend in Inszenierung und Dramaturgie, präsentiert sich der Film als Ganzes.
Natürlich geht es darum die eigene Wahrnehmung zu erkennen. Als das was sie ist: meist mit einer Nickhaut versehen, um all die kleinen Unannehmlichkeiten des täglichen Lebens nicht zur Seele durchdringen zu lassen. Wo sie vortrefflich martern können.
Andererseits kann der Streifen jedem der sich ihm nicht verschließen will durchaus in den persönlichen Streifzügen durch die eigenen Anflüge von Depression und Angst ein Wegweiser sein.
Es geht schlicht darum in einem Meer aus ähnlich klingenden Stimmen und Meinungen - darum gibt es auch nur zwei Stimmen im Film, die Persönlichkeit besitzen: die von David Thewlis und die von Jennifer Jason Leigh (und letztere ist wundervoll zerbrechlich). Alle anderen Stimmen im Film (ob Mann, Frau und Kind) gehören Tom Noonan. Weshalb der irritierende Effekt, dass Frauen hier konsequent maskulin erscheinen, wahrlich unsexy klingen. Sollen. Müssen.
Um die eine Stimme, die den Protagonisten inmitten diesem ansonsten gereichten verbalen "Nichts" als letztes Sandkorn zu seinem "Phantasien" führen kann, als herausragend zu stimmen.
Besagte Protagonistin - genauer gesagt ihr Name - Lisa verschmilzt mit dem Wort "anomaly" zu dem Titel dieses Film.
Und darum geht es: in einer Welt voller Gleichklänge jene Anomalität zu finden und zu begreifen, der einen vollständig werden lässt.
Und das als Stop-Moton-Film.
DAS soll Kaufmann erst einmal einer nach machen!
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"God gave us our relatives; thank God we can choose our friends." - Ethel Watts Mumford - (quoted in "Mary & Max")
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