Einzelnen Beitrag anzeigen
  #1 (permalink)  
Alt 21.10.2017, 16:03
Benutzerbild von mati
mati mati ist offline
Stammgast
 
Registriert seit: Nov 2010
Beiträge: 188
mati ist (noch) nicht aufgefallen
Standard Der Mann der Friseuse (Le mari de la coiffeuse, 1990)

Am 9. Oktober verstarb der französische Schauspieler Jean Rochefort. Etwas verspätet habe ich mich dazu entschlossen, einen seiner Filme rauszukramen und nochmal anzuschauen.

Die DVD "Der Mann der Friseuse" hatte ich mir einst nur wegen ihm gekauft, weil ich seine Darstellung in dem Fernseh-Vierteiler "Der Graf von Monte Christo" so grandios fand.

Handlung:
Antoine verliebt sich in der Pubertät in eine Frisörin. Dies ist für ihn ein so einschneidendes Erlebnis, dass er sich vornimmt später einmal eine Frosörin zu heiraten. Viele Jahre später, aus dem Jungen ist bereits ein etwas betagterer Herr geworden (Jean Rochefort war zur Drehzeit bereits 60), setzt er dieses Vorhaben in die Tat um. Er heiratet die mehrere Jahre jüngere Mathilde (Anna Galiena, war damals 40, was man ihr aber nicht ansieht).

Die beiden leben zusammen in Mathildes Salon. Sie verreisen nicht (abgesehen von einer kurzen Hochzeitsreise), haben kaum Freunde und Antoine scheint auch keiner Arbeit nach zu gehen. All dies interessiert das Paar auch nicht, denn ihnen reicht es einander zu haben. Wobei Antoine sich diesbezüglich einmal nicht ganz treu bleibt, als er beim Tanzen von einem Lotto-Gewinn träumt, mit dem sie zum Nil reisen würden.
Eine etwas seltsam anmutende Mischung aus Komödie, Drama, Altherren-Phantasien und Rocheforts nicht wirklich gekonntem orientalischem Tanz. Immer wieder sieht man kurze Rückblenden zu Antoines Kindheit, von Mathilde hingegen erfährt man nichts.

Spoiler: Anzeigen
Mathildes Selbstmord überraschte mich bei der ersten Sichtung zwar sehr, jedoch kam mir der Film bereits damals von Anfang an sehr depressiv vor, während die Leichtigkeit eher gespielt wirkt. Dieses seltsame Korsett in das sich Mathilde durch die recht trostlose Ehe mit diesem älteren Mann begibt, erschien mir nicht wie ein erstrebenswertes Leben, auch wenn es darum nicht wirklich geht und das auch nicht der Grund für Mathildes Selbstmord ist.

Die DVD-Fassung dauert lediglich 75 Minuten. Durch die kurze Dauer wird der Film nicht langweilig. Man sitzt hier nicht lachend vor dem Fernseher, es ist eher ein leiser Humor der in einigen Szenen anklingt, die mitunter auf typisch französische Art mit einem verdutzt dreinschauenden Gesicht einer unbeteiligten Person enden. Über allem schwebt ein Hauch von Magie, Sinnlichkeit und offen bleibendem Rätsel.
Mit Zitat antworten

Diesen Beitrag teilen: