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Alt 10.12.2016, 02:30
scholley007 scholley007 ist offline
...is mostly "Confuzzled"....
 
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scholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich sein
Standard Nocturnal Animals (2016)

Ist das Kunst, oder kann das weg?
Was macht Kunst zu selbiger - und was geschieht mit kunstbeflissenen Menschen, die sich ihr übereignen. Gehen diese an ihren Ambitionen zugrunde, die sie anderen oder sich selbst gegenüber nicht einlösen (können)?
Oder schätzen sie den reinen Wert (monetär)?
Regisseur/Autor Tom Ford lässt den Zuschauer teilhaben an einem kleinen filmischen Diskurs der zwischen Fiktion und Realität einen Teppich an Spiegelungen webt, der angenehm/unangenehm faszinierend gerät....

Soeben ist ihre neue Ausstellung ein Erfolg geworden - und diese Bilder von wogenden weiblichen füllig-zerstören Leibern werden sich auf lange Zeit auf die Netzhaut des Zuschauers/der Zuschauerin brennen. Garantiert. Doch fühlt die Kunstkuratorin Susan (Amy Adams nach "Arrival" erneut distanziert rational und ehrlich bemüht etwas zu fühlen) sich bereit, der "Bussi Bussi"-Gesellschaft der ach so fürchterlich Kreativen eine Auszeit abzuringen. Allein: ihr Ehemann (Armie Hammer) hat Termine - und keine Zeit für sie.
So drohen lang(weilig)e Tage im mondän simplifizierten Architekturluxusbunker aus Beton und Glas.
Einzig das Buch, das ihr von ihrem Exmann Edward (Jake Gyllenhaal) geschickt wurde, verspricht Ablenkung: eine wahre Reise in die Nacht, in der der Protagonist Tony (in der Bebilderung der Geschichte) in selbiger inmitten im Nirgendwo von Texas Frau und Tochter an ein Trio psycho- und soziopathischer vom Leben gelangweilter White Trash-Vertreter gerät. Ihr Anführer Ray (Aaron "Kick-Ass" Taylor Johnson) nimmt Tony auf diese Weise jeglichen Lebensmut. Und schenkt ihm dafür die Gewissheit glorios versagt zu haben. Der texanische Sheriff Bobby Andes (Michael Shannon) allerdings hat vor, Ray nicht davon kommen zu lassen...
...und während Susan von den Zeilen des literarischen Werkes immer mehr vereinnahmt wird, beginnt die Spiegelung - und die Erkenntnis was wirklich hinter den Spiegeln unserer eigenen Wahrnehmung so zu finden ist...

Nach dem anfänglichen - formal strengen - Beginn in der die klare Line radikal herrscht und dem Betrachter ein ums andere Mal die schöne Leere des schönen Scheins üppig auf die Pupille gedonnert wird, gerät der bebilderte "Neo Noir"-Alptraum zu einer gleichzeitigen Verbeugung vor eben diesem Genre. Und zu einem phantastischen Showcase, in dem Gyllenhaal, Shannon und Taylor-Johnson brillieren.
Ernsthaft: Gyllenhaal hat eine schauspielerische Sphäre erreicht, bei der es mir die Nackenhaare hochstellt - der Moment des Zusammenbruchs seines fiktiven Romancharakters, nachdem ein Schuß gefallen ist, ließ mich schlichtweg fassungslos und mit offenem Mund zurück.
Da legt er allen Ernstes noch eine Schippe auf seine "Nightcrawler"-Leistung drauf.
Es würde mich also kein Stück wundern, wenn die Academy auch im nächsten Jahr seine Leistung hier drin (mal wieder) übersieht.
Und die letzte Szene - nachdem der Prozess der Erkenntnis bei Susan eingesetzt hat - ist echt fies. Klein, rein, gemein und fies.

Ohne dem anfänglichen - etwas plump geratenen - Beginn, der mit ein wenig ZU dick aufträgt, würde ich dem hier (genau wie bei "Nightcrawler") die "Meisterwerk"-Ettikettierung rüberreichen. Hat somit nicht gänzlich geklappt - dennoch bleibt die Erkenntnis, dass dieser Winter kaum etwas servieren wird, das - wie ein Tier des nächtlichen Unterbewußtseins - so intensiv nachhallt, wie das hier.......
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"God gave us our relatives; thank God we can choose our friends." - Ethel Watts Mumford - (quoted in "Mary & Max")
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