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Alt 12.09.2016, 20:46
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S.W.A.M. S.W.A.M. ist offline
Irgendwas mit Raumschiffen
 
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S.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich sein
Standard Talk Radio (1988, Regie: Oliver Stone)

Eric Bogosian spielt sich die Seele aus dem Leib als egozentrischer, exzentrischer und zynischer Radiomoderator Barry Champlain! Dass diesem famosen Schauspieler kein breiterer Erfolg beschieden war, ist eine wahre Schande der Filmgeschichte.

Barry Champlain ist ein Nighttalk-Host eines lokalen Radiosenders in Dallas und eine Mischung aus Howard Stern und Jeff Bridges' Radiomoderator in "König der Fischer". Seine Markenzeichen sind Schnelligkeit, Zynismus, herablassender Humor und permanentes Abwürgen seiner Anrufer. Und er bekommt viele Anrufe. Die Summe der nächtlichen Stimmen am Telefon ergibt ein grausam-schauriges Bild nicht nur des Amerikas der 80er Jahre sondern der Menschheit im Allgemeinen.
Barry wird als Jude wieder und wieder Opfer übelster Beschimpfungen, Ressentiments und Drohungen.
Er kämpft wie ein Löwe, denn hinter seinem Zynismus steht offenbar ein zutiefst empfindsamer, intelligenter Mensch, dessen bösartige Wortwahl ein hart erkämpfter Schutzpanzer ist. Und umso er sich mit den Anrufern anlegt, desto mehr gerät er in einen Strudel, aus dem es kein Entkommen mehr gibt.

Dass Eric Bogosian großartig ist, schrieb ich schon. Aber auch Alec Baldwin als sein Boss ist schön schmierig und düster (wie er es am besten kann). Fantastisch ist aber auch natürlich Michael Wincott, der nicht nur mehreren (verschiedenen!) Anrufern seine gruselige Stimme leiht, sondern auch einen Auftritt hinlegt, den man so schnell nicht vergisst.

Oliver Stones Bild von Amerika ist wie üblich kein sehr schönes. Virtuos inszeniert ist dieser Film allemal, der zu geschätzten 75 % im Studio und am Mikrofon spielt und deshalb einen sehr klaustrophobischen Drive bekommt.
Liest man sich heutzutage politische Kommentarspalten von Zeitungen im Internet durch, bekommt man das wirklich beklemmende Gefühl, dass dieser großartige, spannende und meisterlich inszenierte und gespielte Film heute (auch hierzulande) aktueller ist als damals. Gruselig! Aber genial.

He's going down in flames!


PS.: Ach ja, ich kann mir nicht vorstellen, dass der Film auf Deutsch auch nur halb so viel Kraft entwickelt wie im Original.
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