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Alt 14.10.2014, 19:29
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Standard True Detective (2014)

True Detective“ erzählt von den beiden Detectives Rust Cohle (Matthew McCounaghey) und Marty Hart (Woody Harrelson), die im US-Bundesstaat Louisiana im Jahr 1995 einen grausigen Ritualmord aufzuklären versuchen, der alle Zeichen eines Serientäters trägt. Dass sich dieser Fall letztlich nicht so leicht aufklären lässt, deutet die Erzählstruktur der Serie bereits von vornherein an, denn Cohle und Hart erzählen die Ereignisse von 1995 in Rückblenden, während sie 2012 von zwei anderen Polizisten zu ihren damaligen Ermittlungen befragt werden. Es gibt offensichtlich einen neuen Fall, der in Frage stellt, ob der damals gefasste Täter wirklich der Schuldige war. Und der damalige Fall hat tiefe Spuren im Leben von Cohle und Hart hinterlassen, denn die beiden Männer sind im Jahr 2012 andere Menschen als die Männer, die 17 Jahre zuvor an diesem grausamen Fall arbeiteten.

"True Detective" ist eine abgründige und düstere Mär über die dunklen Seiten des Menschen, seine Natur, seine Fehlbarkeit und die tiefen, unheimlichen Abgründe seiner Seele. Das Juwel dieser Serie ist die Figur des Rust Cohle. Bereits in der ersten Folge zeigt sich Cohle gegenüber seinem neuen Partner als ein großer Philosoph des Pessimismus. Schnell wird klar, dass Cohle ein brillanter Geist ist, ein fast schon genialer Analytiker, der mit seinem analytischen Blick die Welt und die Menschen, die in ihr leben studiert hat und nicht im geringsten die Schönheit am Leben oder der Menschheit erkennen kann.
Cohles Sicht auf die Welt und das Leben ist in ihrer kompromisslosen Konsequenz kaum zu ertragen, weil sie einfach nur deprimierend ist. Andererseits präsentiert er jedoch diese Weltsicht in Monologen von derart sprachlicher Eleganz und geradezu poetischer Bildhaftigkeit, dass man garnicht anders kann als ihm gebannt dabei zuzuhören. Interessant ist das Aufeinandertreffen von Cohle und Hart. Da ist Cohle, der philosophierende Sonderling, der meist abgeschottet in seiner Gedankenwelt lebt und enorme Schwierigkeiten mit den konventionellen Gepflogenheiten des gesellschaftlichen Miteinanders hat bis zur totalen Beziehungsunfähigkeit. Und dann ist da der bodenständige und regeltreue Hart, der ganz dem gesellschaftlichen Mainstream seiner Gegend folgend die traditionellen Werte einer christlichen Familie predigt und sich dementsprechend an Cohle reibt, der in nichts von alldem auch nur den geringsten Wert erkennt. Es ist unglaublich spannend wie diese beiden grundverschiedenen Figuren aufeinanderprallen.
Cohle qualifiziert sich mühelos für die Top Ten der kaputtesten Polizistenfiguren der Filmgeschichte. Zugleich stellt der von Woody Harrelson großartig gespielte Hart ein wichtiges Gegengewicht zu diesem scheinbaren Spinner mit seinen trockenen, ungerührten „Was faselt der denn da“-Kommentaren zu Cohles verkopften philosophischen Ausschweifungen und Je mehr man sehen muss, dass Harts Verteidigung traditioneller Werte die er predigt eigentlich nur eine einzige Heuchelei ist und er in seinem Privatleben nicht im Stande ist, das zu leben was er predigt, desto mehr wird Hart als der eigentlich Kaputte entlarvt. Harrelson zeigt hier seine mit Abstand beste und engagierteste Leistung seit vielen Jahren.
So gesehen ist Cohle ein viel ehrlicherer und anständigerer Mensch als die Heuchler um ihn herum. Cohles Charakter hat unglaublich viele Facetten und Dämonen, und wie es Matthew McCounaghey gelingt, alle Seiten dieses höchst komplexen Menschen nuanciert und prägnant in seinem Schauspiel spürbar zu machen, ist absolut beeindruckend.

Fazit: „True Detective“ bildet mit seinen acht Kapiteln ein derart in sich geschlossenes Werk, dass man es kaum noch als Fernsehserie, sondern mehr als Roman in filmischer Form wahrnimmt. Ein Werk, von überragender Stringenz und Handwerklicher wie Inhaltlicher Qualität, das aussergewöhnlich philosophisch und vielschichtig ist. Zudem zeigen Matthew McConaughey und Woody Harrelson ihre wahrscheinlich besten Leistungen ihrer ohnehin schon beeindruckenden Karriere.
Hier wird die höchste Form des filmischen Erzählens erreicht und löst das Kino in dieser Funktion ab.
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"Humans would put seeds in the ground, pour water on them, and they grow food. Like pizza!"
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