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Alt 03.10.2014, 03:32
scholley007 scholley007 ist offline
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scholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich sein
Standard Gone Girl - Das perfekte Opfer (2014)

Wie? Ein David Fincher-Film, bei dem im Vorfeld nicht wenigstens einer schon mal ´nen Thread aufgemacht hat?
Sakri.... nein nein nein - schon gut.
Hab ihm ja ob seines daneben gegangenen "Verblendung"-Remakes auch beinah die Freundschaft gekündigt (entsprechendes ist im entsprechenden Thread zu finden) und hatte den hier ü-ber-haupt nicht auf dem Schirm.
Ehrlich - als das Poster kam, hab ich gar nicht erst auf den Regisseur geguckt (wobei man ja nu auch wieder argumentieren kann, dass heutzutage immer weniger Credits auf dem Plakat auftauchen - und wenn eine Schlagzeile darauf hinweist, dass da bereits erfolgreiche Herrschaften (und Damen - bevor hier wieder irgendjemand kreischend irgendwelche Gleichschreibungsbeauftrage auf mich hetzt) am Werk waren, steht da heuer mitnichten ein Name sondern "Von den Typen von....". Toll - echt jetzt! ).... Egal jetzt.... zum wesentlichen...

In dem von Autorin Gillian Flynn nach ihrem Bestseller selbst verfassten Drehbuch, geht es um das Vorzeigeehepaar Nick und Amy Dunne (Ben Affleck/Rosamund Pike). Beide Großstadtmenschen hat es wegen der im sterben gelegenen Mutter Nicks in eine Kleinstadt verschlagen. In erster Linie, um Nicks Mom beizustehen.
Doch nach ihrem Tod, dürfen die beiden (arbeitslos gewordenen) Schreiber, dem Tod auf Raten ihrer Ehe beiwohnen.
An ihrem 5. Hochzeitstag kommt Nick nach Hause um Amy nicht vorzufinden.
Bis auf den umgestürzten Wohnzimmertisch und einen vermeintlichen kleinen Blutfleck am Küchenschrank.
Im besten Wissen zeigt sich Nick bei der Polizei kooperativ. Er hat ja nichts zu verbergen.
Denkt er. Denkt die Polizei. Denkt die Gemeinde, die die Stadt auf der Suche nach Amy durchkämmt.
Bis da Indizien auftauchen, die Nicks Geschichte unterminieren. Und ein ganzes durch die Medien aufgerütteltes Land (Amy war die Vorlage für eine halbfiktive literarische Figur, die eine ganze Generation an die Hand genommen hatte) zu einer fürchterlichen Ahnung bringt......

Die Vorgeschichte ist das Einzige, das man preisgeben sollte - darf.
Damit der Twist und der daraus resultierende Payoff seine vollste Wirkung entfalten.
Denn der Film trifft dort, wo es wirklich weh tut - in der Institution "Partnerschaft" (wobei die Ehe ja den Gipfel eben jener Zweisamkeit darstellt und immer darstellen wird).
Vorspiel. Vertrauen. Verzichten. Verzeihen.
Und weitermachen.
Trotz, wegen, vielleicht. Warum?
Der Film geht wirklich dahin wo es weh tut, rüttelt einen auf und zwingt sich - wenn man sich denn traut - sich mit sich selbst auseinanderzusetzen.
In diesen Momenten ist der Film auf einer Ebene angekommen, die man aus Gründen des sozialen Selbsterhaltungstriebes gerne ausblendet.
Egal mit was.
Und Fincher und Flynn nehmen das Genre des Thrillers UND des Beziehungsdramas und werfen die Teile formvollendet durcheinander.
Nur um beim zusammenpuzzeln ein Bild zusammenzusetzen, dass zu Beginn auf der Packung nie und nimmer zu sehen war.
Und - wer sich darauf einlässt - einem vermutlich die Augen öffnen kann.
Die beste Paartherapie, die ich mir vorstellen kann.
Kunstvoll - und schneidend wie ein Skalpell - arrangiert und ausgeführt.
Mit drei Darstellern - den beiden Hauptfiguren und einem Neill Patrick Harris ähnlich großartig gegen den Strich besetzt, wie einst in "Starship Troopers" - die jede/r dafür eine Oscarnominierung sicher haben sollten.
Und wenn es hiernach noch irgendjemand geben sollte, der immer noch nicht gecheckt hat, dass Affleck sich schauspielerisch ähnlich freigeschwommen hat wie Leonardo di Caprio, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen.

Kurz und schmerzlos: Ein Meisterwerk - für mich das Beste, das Fincher neben "Fight Club" und "Sieben" geschaffen hat. Ein Film über Wahrnehmung. Und Wahrheit. Wie wir sie brauchen. Wie wir sie akzeptieren (müssen). In Guten wie in schlechten Zeiten.
Wen dieser Film kalt lässt, sollte sich DRINGEND untersuchen lassen!

Sie dürfen die Braut jetzt küssen.....
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"God gave us our relatives; thank God we can choose our friends." - Ethel Watts Mumford - (quoted in "Mary & Max")
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