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Alt 07.01.2013, 19:10
Agent K Agent K ist offline
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Standard AW: Pi-Jays Baut mehr Autos & Mark G.'s Möchtegern-Rundumschlag

Zitat:
Zitat von Mark G. Beitrag anzeigen
Aber wenn das Risiko bei Genrefilmen angeblich höher ist, ist das dann nicht ein Grund mehr sie zu fördern?
Das ist ganz genau der Knackpunkt, der sich mir nicht erschließt. Die Bewertung dieses "Risikos" ergibt sich doch über die präventive Spekulation, ob ein geplantes Projekt später auch genügend zahlenden Besucher im Kino finden wird, um ein wirtschaftlicher Erfolg zu werden. Und zumindest der ernsthafte Versuch, die spätere Zuschauer-Resonanz halbwegs einzuschätzen (das Risiko zu "minimieren"), sollte eigentlich unabhängig davon sein, ob die Finanzierung nun über Produzenten, Investoren, Sponsoren, oder öffentliche Fördertöpfe (bis vor einigen Jahren gab es ja auch noch Alternativen in Form von Steuergeldern bzw. "stupid german money" aus Fond-Konzepten, aus denen u.A. diverse Boll-Werke finanziert wurden) erfolgt. Erhöhtes Risiko zu belohnen ist aus rein wirtschaftlicher Sicht "unsinnig"...

Wenn es aber darum geht, über Filmförderung "Risiko-Projekte" zu realisieren, weil schon im Vorfeld zu erahnen ist, dass sich die Größe der Zielgruppe am Rand der Nachweisgrenze bewegen könnte, aber irgendein Chefdenker darin einen förderungswürdigen "Wert" erkennt, dann solls mir recht sein. Denn wenn ich eine Spende in den Klingelbeutel der Kirche werfe, dann ist es mir letztlich auch egal, wie diese Gelder ver(sch)wendet werden. Und "Kunst", "Qualität", "Anspruch", oder "Kulturgut" will ich als reiner Gucker auch nicht definieren, das können andere besser. Aber abgesehen davon, dass Kreativität, Innovation oder Erfolg recht selten mit dem verbratenen Budget korrespondieren, freue ich mich als banaler Kinokonsument über JEDEN Film, der meinen Geschmack trifft! Und da es unzählige gute deutsche Filme gibt, deren Existenz allein der Filmförderung zu verdanken sind, bin ich auch froh, dass es diese Regelung in Deutschland so gibt. Filmförderung ist ergo keine wirtschaftliche oder qualitative Erwartungshaltung oder gar eine Vorgabe, sondern eine "Risikoversicherung" gegen öffentliches Desinteresse...

Die "Schieflage" liegt für mich dann aber darin, dass man einerseits eine Förderung als Unterstützung der "Schwachen/Mittellosen" propagiert, die ökonomische Realität dann aber in den Kontext eines kommerziellen Erfolgsmodelles (Besucherzahlen, Einspielergebnisse, Quoten, Marktanteile, Preise) setzt und einen gleichberechtigten Wettbewerb mit den etablierten Vollkommerz-Profis aus Hollywood suggeriert. Wird der Sinn der Filmförderung nun auf einmal dadurch in Frage gestellt, weil massenkompatibler Mainstream mit mindestens 1,5 Millionen Kinobesuchern als neuer Hoffnungsträger (und gleichzeitig als "Qualifikationsweite" zu Förderung) ausgerufen, dies aber nur in Ausnahmefällen erreicht wird? Geht es noch um ehrliche Förderung, oder eher um den Ehrgeiz bei den "Großen" mitzuspielen?
Analog zur "Sporthilfe" wäre das dann so, als würde man Gelder aus öffentlichen Spendentöpfen für Jugendvereine, öffentliche Sportplätze, Nachwuchsarbeit, Training, Fortbildung etc. möglichst breit streuen (oder eben gezielt Ausnahmetalente besonders fördern), und den abstrakten Erfolgsbegriff dann über Weltmeistertitel, Olympiamedaillen, oder sonstigen Meisterschaften referenzieren...

Das deutsche Filmförderungsgesetz ist nun beinahe so alt wie ich. Einen strategischen oder qualitativen Trend konnte ich in dieser Zeit nicht ausmachen. Ob nun Kunst oder Kommerz, ob Masse oder Klasse, ob Anspruch oder Mainstream, diese Fragen wurden sicherlich schon oft ohne Erkenntnisse gestellt. Ob eine reine Umverteilung eines endlichen finanziellen Kuchens den Weg in eine "erfolgreichere" Zukunft weist, wage ich zu bezweifeln. Was bleibt ist das Gefühl, dass die Filmförderung zwar viele anspruchsvolle Ziele verfolgen mag, aber die Befriedigung der Zuschauererwartungen scheinen eher zweitrangig zu sein. Anders ist es ja nicht zu erklären, dass gerade beim Film das Gütesiegel "Made in Germany" in der öffentlichen Wahrnehmung gar nicht zieht. Mich stört das auch nicht weiter, solange ich immer mal wieder mit schönen "erfolglosen" Filmen beglückt werde (auch international), aber gerade wer mit dem Erfolg der deutschen Filme hadert, der sollte evtl. auch den Sinn der Föderung hinterfragen. Denn eins ist klar, mit Fördermittlen "spielt" es sich leichtfertiger am öffentlichen Interesse vorbei, und die möglichst realistische Einschätzung, mit einem Film evtl. einen drohenden persönlichen Verlust einzufahren, kann langfristig durchaus als "erzieherische Maßnahme" wirken. Aber das ist hier ja nicht das Thema...
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