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Alt 18.05.2012, 17:30
scholley007 scholley007 ist offline
...is mostly "Confuzzled"....
 
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scholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich sein
Standard Alte Frauen in schlechten Filmen (Erweiterte Neuauflage)

...von Christoph Dompke, seines Zeichens Mitglied des Komiker-Duos "Emmi und Willnowsky" als "greise Kammersängerin Emmi" hat noch ein weiteres Werk über ein selten beackertes Filmthema ("Unschuld und Unheil - Das verdorbene Kind im Film") verfasst, das mit Sicherheit auch noch in Augenschein genommen werden wird. Da während des Umzuges der "Leitfaden" "Seagalogy" (über Leben und Werk des Steven Seagal) derzeit noch in einem der Kartons "verschollen" ist, drängte sich dieses schriftliche Kleinod mit diesem verheissungsvollen Titel geradezu auf....

Und Dompke erweißt sich als Connaisseur und Humorist gleichermaßen: er beginnt das Buch mit dem Klassiker "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" (mit Bette Davis und Joan Crawford - ein toller Heuler, wahrlich!) und handelt in diesem Einstiegskapitel noch sechs weitere Werke ab, die thematisch und darstellerisch in dieselbe Kerbe hauen, bevor er im zweiten Kapitel "Drei ganz besondere Damen" nacheinander Zarah Leander, Evelyn Künneke und Mae West die "Ehre" erweist.
Im Hauptteil - "Sie waren alt und brauchten das Geld" - wird eine gesamte Phalanax an Damen und ihrer jeweiligen letzten filmischen Großtat auf den Leser losgelassen. Sowohl Hintergrundwissen um die Lebensumstände, geschichtliche Umwälzungen (die sich auf die jeweilige Besetzung auswirkten) und auch der mehr oder weniger von den Damen wahrgenommene Starstatus werden hier süffisant und auf den Punkt genau geliefert: sei es Audrey Hepburn in "Blutspur", Hildegard Knef in "Witchcraft - Das Böse lebt", Lil Dagover in "Die seltsame Gräfin" oder Marlene Dietrich in "Schöner Gigolo, armer Gigolo".
Und in Sachen Aktualität bekommen wir Barbara Streisand in "Liebe hat zwei Gesichter" (mit dem "Dude" Bridges, der offensichtlich zu dem Zeitpunkt auch nix besseres mit seinem Talent anzufangen wußte); Meryl Streep in "Mamma Mia" (hier geh ich net ganz konform); Barbara Hershey in "Black Swan"( ich liebe den Film, kann mich Dompkes Zerpflückung des Werkes allerdings nicht zur Gänze verschließen - wie bei jedem Film ist der jeweilige Zeitpunkt des Erscheinens auf dem Markt mit ein Hauptgrund für seinen Erfolg. Dompkes Vergleiche mit dem alten Ballettfilm "Am Wendepunkt" mit Shirley MacLaine und Anne Bancroft wie auch die nicht zur Gänze von der Hand zu weisenden Parallelen zu alten Heulern von Jess Franco und Lucio Fulci webt er stimmig in seinen Text ein. Respekt.); Hannelore Elstner als Bushidos "Mama" in "Zeiten ändern Dich" - man kommt steckenweise nicht aus dem Nicken heraus....

Alles in allem eine textlich wundervoll komponierte Geisterbahnfahrt durch die rauhe See des "Kino wie es keiner mag" - aber dann doch irgendwo gesehen hat.

Für Liebhaber von jenen Damen und Fans des gehobenen Trash eine Empfehlung die uneingeschränkt Freude bereiten sollte....
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"God gave us our relatives; thank God we can choose our friends." - Ethel Watts Mumford - (quoted in "Mary & Max")
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