Thema: Filmtheorie Wird das Kino schlechter?
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Alt 17.04.2012, 10:55
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katjuscha katjuscha ist offline
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Standard AW: Wird das Kino schlechter?

Ich seh das sehr ähnlich wie Agent K.

Ich geh bei solchen Themen (ist ja nicht nur Kino was "ältere Säcke" wie wir oft in der Entwicklung schlechter beurteilen) ein wenig kommunikationswissenschaftlich heran, und da gibt es ja den leicht verständlichen Begriff der selektiven Wahrnehmung. Aufs Kino bezogen bedeutet das, ich hab in meiner großen Kinozeit Mitte der 90er Jahre auch sehr viel Schrott erlebt, aber eben auch sehr viel kreative Filme im Blockbusterbereich, die eben nicht auf Zweitverwertung, Sequels ausgelegt waren. Und ich gaub darum geht es ja S.W.A.M. und scholley007. Das es sich die großen Studios bei den Blockbustern zu einfach machen, und damit Kreativität behindern, oder sagen wir lieber, Kreativität gibt es weiterhin (davon bin ich überzeugt, auch in ähnlicher Anzahl wie in den Jahrzehnten davor), nur wird sie dem Mainstreampublikum nicht so gewährt wie es sein müsste, was wiederum eine gewisse Gefahr in sich birgt, dass das Gros der jüngeren Besucher mit der heutigen "Schnellimbiss"Industrie aufwächst und später gar nichts anderes mehr will. Auf der anderen Seite hab ich in jungen Jahren als 13-14jähriger sowohl schlechte Musik gehört als auch schlechte Filme geschaut, und heute ertappt man sich dabei, auf die Teenies sauer zu sein, weil sie sich sowas wie Battleship anschauen, was ich damals vermutlich auch gesehen hätte.

Jedenfalls glaub ich (um wieder auf die selektive Wahrnemung zu kommen), es gibt durchaus genug kreative, gute Filme. Nur ist das Filmangebot viel breiter geworden. Sieht man beispielsweise auch an der insidekino Statistik wo immer mehr Filme über 100T Besucher haben, aber die Top10 sukzessive schwächer wird. Das könnte man ja sogar positiv interpretieren, nämlich das eben doch die Besucher die Studios für ihre Strategie langsam aber sicher abstrafen.
Es ist doch wie immer in der Kunst, egal ob Malerei, Musik oder Film. Immer wenn ein Trend sich zu lange im Mainstream hält, kommt aus der Subkultur wieder was neues spannendes hervor, wobei das in der Musik etwas einfacher ist als im Film. Ich glaub dennoch, man muss sich keine großen Sorgen um die Kreativität machen. Die ist vorhanden. Man muss sie nur suchen und in die entsprechenden Filme gehen, und die schlechten Filme auch konsequent meiden bzw. als opinion leader (wenn man die Möglichkeit hat) negativ rezensieren.

Zudem kann man über 3D und auch die Sequelmania ja auch streiten. Ich geh da viel differenzierter ran als so mancher Kritiker dieser Entwicklung. Die Filmindustrie sieht das natürlicherweise als sichere Einnahmequelle, und in gewisser Weise freuen auch wir uns ja über Sequels guter Filme. Das war auch schon in den 70er und 80er Jahren so. Nur übertreibt man es heutzutage halt, aber das wird sich m.E. einpendeln. Und bei 3D wirds ähnlich aussehen. Sobald der Besucher häufiger 3D mit Desinteresse abstraft, wird sich die Industrie bewegen müssen, entweder durch mehr Qualität oder durch etwas niedrigere Preise.

Ich hör mich schon an wie ein Verfechter der reinen Marktlehre. War gar nicht meine Absicht. Na jedenfalls bin ich von Grundauf ein Optimist. Aus der fehlenden Kreativität der Film/Kinomacher wird keine Gefahr entstehen. Wenn dann eher doch noch irgendwann durch das Internet, wobei ich der Meinung bleibe, solange man die Zeiten innerhalb der Verwerungskette (Kino->DVD->TV) nicht weiter verkürzt, wird Kino seinen Platz behalten, Internet und Raubkopien hin oder her.
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