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Alt 20.03.2004, 00:18
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Jean Jean ist offline
Relikt
 
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Jean hat die Renommee-Anzeige deaktiviert
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In einem anderen Forum habe ich diesen Post gefunden. Und da der mir so gut gefallen hat, wollte ich ihn Euch nicht vorenthalten.

Zitat:
Ich erinnere mich, das Geräusch von vielen Leuten, von einer Party die nur eine Brandschutztür weit weg war. Lachen, Musik, Stimmengewirr. Sie sind der Grund, warum ich gegangen bin. Nein. In Wahrheit war es der Alkohol. Das und vielleicht das was damit einhergeht.
Menschen, die angetrunken sind, verlieren den Abstand zueinander. Manchmal gewinnen sie auch Nähe.
Nicht zu allen, nein. Aber es gibt manchmal eine Verständigung, ein stilles „Ja, ist schon klar.“ Zwischen zwei, drei, vier Menschen. Am nächsten Tag ist dieses Gefühl entfernt, eine Erinnerung. Aber trifft man jemanden aus dieser Gruppe, dann gibt es wieder eine unterschwellige Kommunikation. Wohin sie führt, ist jedem überlassen.
Oft genug ist es nur die Verständigung darüber, dass nichts passiert ist, was eines weiteren Kommentares bedarf. Nur, dass das ja schon ein Kommentar ist. An sich.
Ist es Angst? Selbsterhalt? Wenn Barrieren fallen, fließt dann das klebrige, zähflüssige Ego nicht hinaus und vermischt sich mit dem der anderen? Vielleicht ist es das, die Furcht etwas von sich preisgegeben zu haben, etwas, wo man am nächsten Tag sagen würde: „Aber das war nicht ich, das war ein Teil von mir – ich...ich war betrunken.“

Deswegen sitze ich hier draußen. Das Feld ist schön, eisigkalt klar, Schneestaub unter Vollmond – ist es Vollmond? – licht. Der Kopf wird klarer. Bald kann ich wieder hineingehen und so tun, als wäre ich gerade erst dazugekommen.

Nur, in einer anderen Erinnerung, kommt jemand heraus.

Und setzt sich neben mich. Und schaut. Und schweigt. Da muß ich lächeln, warte auf etwas Unpassendes wie: „Gott, ist dir auch so schlecht wie mir?“

Nur, dass kommt nicht.
Was kommt ist:

„Sieht das geil aus.“

Ja. Feld. Mond. Schnee.

Es ist verdammt kalt eigentlich und kurz darauf bin ich alleine, grinsend zu Vater Mond aufblickend. Warum ist es einem unangenehm am nächsten Tag? Kontrollverlust?
Vielleicht sind ineinanderlaufende Egos nicht klebrig.

In der ersten Erinnerung gehe ich wieder rein. Auch in der zweiten, aber die Party ist nichts Dolles. In der ersten gibt es großes Hallo, als ich wieder da bin. Und ich setze mich, greife nach meinem warm gewordenem Bier und versuche herauszufinden, was ich verpasst habe. Denn ich weiß ja: Zwischen uns ist alles klar. Auch wenn wir morgen das Gegenteil behaupten.

Schade, eigentlich.

Schön, trotzdem.

Als Erinnerung sowieso.
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"You people. If there isn't a movie about it, it's not worth knowing about, is it?" (Metatron)
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