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Alt 18.02.2008, 17:35
Benutzerbild von Fero
ZweiOhrHase
 
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Standard There Will Be Blood

Der neue Paul Thomas Anderson Film in dem sich Daniel Day-Lewis als Daniel Planview auf die Suche nach Reichtum und Öl begibt, nur um eben noch mehr Reichtum und Öl zu erlangen.
Daniel Planview wird als beinahe asexueller, alkholkranker und auf Grund eines Unfalls ständig hinkender Misanthrop gezeichnet - viel mehr erfährt man auch nicht, außer das er noch einen Sohn und Halbbruder hat. Die Frage noch der Person Planview kann nur mit einem Fragezeichen beantwortet werden, dies wird so konsequent durchgezogen das selbst Kubrick stolz wäre (dessen UHRWERCK ORANGE im vergleich fast völlig Didaktisch wirkt).
Wir sehen Daniel Planview anfangs in einer kleinen Gemeinde die in Öl schwimmt… deren Bürger ihn nicht verstehen; wir sehen ihn mit einem Priester… „Öl ist meine Religion“; wir sehen ihn wie er mit männlichen Konkurrenten redet… denn Frauen bleiben stumm zu dieser Zeit; wir hören wie er mit leeren Worten eine Farmersfamilie um den Finger wickelt… um die kleine Tochter macht er sich aber rührend Sorgen; wir erfahren „ich kann mit Menschen nicht leben… „Nur ab und zu brauche ich sie“

Mehr braucht’s vielleicht nicht um den Film zu beschreiben, denn alles darüber hinaus ist teilweise extrem kryptisch im Film untergebracht. All das wirkt für mich zwar ab und an zu bedeutungsschwer (ohne das sich eine Ahnung ergibt was gemeint ist), ganz klar THERE WILL BE BLOOD berstet über mit Symbolik allerdings zusammen mit Kamera und der –vor allem der- Musik entsteht eine Sogwirkung wie es sie im Kino viel zu selten zu sehen gibt.
Letztlich erscheint Planview als Mann der den berühmten Moralischenkompass nicht verloren hat sondern ihn nur nicht mehr benutzt, der also immer noch da ist. In Szenen mit Frauen seinem Sohn und Bruder überrascht er doch mit mehr Offenheit und Wärme als gedacht. Doch zu Menschen zieht es ihn scheinbar nur selten er setzt sich über alle Regeln hinweg und man lässt ihn. Keiner hält ihn, auf die Zeit der Kirche ist vorbei bei wenigen findet noch ein lächerliches aufbäumen statt, dies aber mit allen Mitteln… Doch eine neue Zeit wird unaufhaltsamm hereinbrechen
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Im übrigen findet P.T. Anderson dass, in der letzten Szene mit Planview’s Sohn H.W., der alte Planview ihn mit der Gewissheit ziehen lässt das er nie so sein kann wie sein Vater und ihm demnach hilft.
Also insgesamt ein fazinierendes verstörendes Stück Kino.
bleibt nur noch eines zu sagen
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Ich bin fertig

Geändert von Fero (18.02.2008 um 17:38 Uhr)
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Alt 19.02.2008, 00:29
poor lonesome cowboy
 
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Standard AW: There Will Be Blood

Schön geschrieben.

Ich würde noch hinzufügen, dass es gar nicht nötig ist, den Menschen Plainview (bzw. seine Hintergründe) genauer kennenzulernen. Denn es geht nicht wirklich um diesen Menschen im einzelnen, sondern um die Menschheit im allgemeinen.

Und "verstörend" finde ich ebenfalls das falsche Wort. Ich würde sagen der Film zeigt eine ziemlich "harte Wahrheit". Ob die nun verstörend ist kann man diskutieren. Sie ist aber vor allem allseits bekannt.
Und dieser Schlag ins Gesicht des Kapitalismus lässt mich besonders applaudieren.
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Alt 12.03.2008, 17:13
Benutzerbild von Celdur
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Celdur kann stolz auf sich seinCeldur kann stolz auf sich seinCeldur kann stolz auf sich seinCeldur kann stolz auf sich seinCeldur kann stolz auf sich seinCeldur kann stolz auf sich seinCeldur kann stolz auf sich seinCeldur kann stolz auf sich seinCeldur kann stolz auf sich seinCeldur kann stolz auf sich seinCeldur kann stolz auf sich sein
Standard AW: There Will Be Blood

Gestern Abend wurde ich endlich mal nicht versetzt und konnte mir There will be Blood anschauen, bevor er nach den üblichen 3 - 4 Wochen zugunsten von Ausschussware aus dem Programm gerissen wird.

Selbst jetzt habe ich es noch nicht geschafft, mir ein endgültiges Bild zu machen.
Erst 20 Minuten nach dem Ende fiel mir auf, dass der Film mich immer noch in seinen Händen hat - und zwar fester, als ich es irgendwann während der Aufführung selbst zu spüren bekam.
Und dieser Zustand hält abgeschwächt auch jetzt noch an.

Ich habe selten, vielleicht auch noch nie, einen derartig durch und durch pessimistischen Film gesehen.
Jede Szene, jede Einstellung ist negativ.
Das einzige mal, wo ich das gewohnte Gefühl eines typischen Aufbaus hatte, war während der "Wachteljagd".

Der Rest war für mich ausnahmslos hart und bitter.
Daniel Day-Lewis ist über jeden Zweifel erhaben, am Ende ist mir die Luft weggeblieben.
Den schweigenden, verstauben Anfang, in dem Ewigkeiten nur gegraben wird und schiefe Streicherklänge prophezeien, dass hier nichts Gutes seinen Anfang findet, hätte man nicht besser wählen können.
Überhaupt die Musik. Hier entwickelt sie sich nicht mit der Szene, verändert nicht mit der nächsten Einstellung ihren Stil. In There will be Blood entwickelt sich die akustische Untermalung mit dem ganzen Film, kompromisslos.

Ein paar Fragen stehen noch offen:
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So wie ich das mitbekam, hinkte er doch nach dem Anfang eine lange Zeit überhaupt nicht. Erst nachdem er den vermeintlichen Halbbruder bestattet hat und die Nacht am Grab verbrachte, macht ihm die alte Verletzung wieder zu schaffen.
Hat jemand eine Erklärung parat, wieso das so ist? Sicher doch nicht wegen der einen Nacht im Freien.

Ist das vielleicht symbolisch zu sehen, weil er sich nun selber auch die letzte psychische Stütze, die letzte Person vom Hals geschafft hat, die bereit gewesen ist, sich mit ihm als Person und nicht mit ihm als Ölmann zu befassen?

Und dann ist da noch die Doppelrolle von Paul Dano, der einmal als Paul Sunday den Grundstein für die ganze Geschichte legt und in der Haut von Eli Sunday, dessen Bruder, als fanatischer Jungpriester die Gemeinde mit Glauben versorgt. Anfangs hatte mich die Ähnlichkeit total verwirrt.

Seltsam nur, dass Paul nach der ersten Begegnung, mit Zuschauer und Plainview, ja nie wieder auftaucht und auch nie erwähnt wird, was denn aus ihm geworden ist.
Angenommen also, Paul und Eli sind ein und dieselbe Person ... wäre es nicht ironisch, wenn gerade der Vertreter der Kirche (bzw. einer, der sich so verhält, als sei er eher vom Gehörten besessen) soviel Weg und Mühe auf sich genommen hat, Plainview, die Gemeinde und ja auch die dortige Kirche selbst zu ihrem wenig glücklichen Ende zu führen?

Sind aber nur ein wilde Gedanken ...
__________________
I know i look great but i don't feel too confident.

Geändert von Celdur (12.03.2008 um 17:17 Uhr)
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Alt 05.08.2008, 19:16
Benutzerbild von Das Ding
Stammgast
 
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Das Ding ist (noch) nicht aufgefallen
Standard AW: There Will Be Blood

Hab den auch gerade nachgeholt und mir geht es da nicht anders wie Celdur.
Der Film packt einem da, wo man es nicht haben will und lässt auch nach dem Ende nicht los!
Nichts für schwache Nerven wie ich meine!
Grandios!

@Celdur
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Ich meine er humpelt nach dem Unfall immer. Mal mehr, mal weniger.

Als er den lästigen Eli das Hirn zertrümmert, erzählt er doch, was mit Paul ist.
__________________
...mmmmh, ein Vanille-Wiener-Sandwich!(Weird Al in UHF)
...weckt mich, wenn ich euch wecken soll!
Ich steh auf rot und vor allem steh ich dazu
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  #5 (permalink)  
Alt 06.08.2008, 14:18
Benutzerbild von rost
iRost
 
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rost kann stolz auf sich seinrost kann stolz auf sich seinrost kann stolz auf sich seinrost kann stolz auf sich seinrost kann stolz auf sich seinrost kann stolz auf sich seinrost kann stolz auf sich seinrost kann stolz auf sich seinrost kann stolz auf sich sein
Standard AW: There Will Be Blood

GRANDIOOOOOSSS!

Ich liebe den Streifen schon nach dem ersten Ansehen und ich denk da werd ich öfters mal darauf zurückkommen.

Daniel Day-Lewis macht seine Rolle zum Spektakel und zieht alle Register seines Könnens in der Darstellung des Daniel Plainview. Und welch ein Charakter dieser Plainview ist; betrügend, machtgierig, hasserfüllt gegenüber allem braucht er auch seinen Sohn nur als Requisite um seine Ziele zu erreichen. Jeder Satz Plainviews ist ein Bellen und man wartet nur darauf, dass er auch beisst.

Der Kraftakt des Hauptdarstellers wird durch die gekonnte Inszenierung des Regisseurs noch fundiert. Eingepackt in ausgesuchte Bilder und unterlegt mit einem zeitweise gewöhnungsbedürftigen aber passenden Soundtrack, erstreckt sich trotz einer Lauflänge von über zweieinhalb Stunden und wenig dialoglastigen Passagen ein filmisches Werk, das zu keinem Moment ermüdend wird.

Grosse Kunst …und ein besseres Ende hätte man für den Film kaum finden können.
__________________
.
" I would eat dolphins if it were legal."
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  #6 (permalink)  
Alt 23.05.2010, 22:18
Benutzerbild von ° logging in as oswaldo °
... klausurrelevant.
 
Registriert seit: Oct 2006
Ort: Hinter den Lachern.
Beiträge: 3.916
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° logging in as oswaldo ° kann stolz auf sich sein° logging in as oswaldo ° kann stolz auf sich sein° logging in as oswaldo ° kann stolz auf sich sein° logging in as oswaldo ° kann stolz auf sich sein° logging in as oswaldo ° kann stolz auf sich sein° logging in as oswaldo ° kann stolz auf sich sein° logging in as oswaldo ° kann stolz auf sich sein° logging in as oswaldo ° kann stolz auf sich sein° logging in as oswaldo ° kann stolz auf sich sein° logging in as oswaldo ° kann stolz auf sich sein° logging in as oswaldo ° kann stolz auf sich sein
Standard AW: There Will Be Blood

Gewaltige Bilder und durchweg eine gewisse Grundspannung. Nichts Positives, wie Celli schon sagte. Ich wurde oft aus meinen Gedanken schockiert herausgerissen und war erschrocken über das, was geschehen ist.
__________________
Nahezu an der Täglichkeit kratzend.
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Alt 01.02.2014, 12:49
Benutzerbild von S.W.A.M.
Irgendwas mit Raumschiffen
 
Registriert seit: Feb 2008
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S.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich seinS.W.A.M. kann stolz auf sich sein
Standard AW: There Will Be Blood

Nachdem man mir jahrelang immer mit Empörung begegnete, weil ich den Film noch nicht gesehen hatte, wanderte der gestern endlich in den BluRay-Player...

Ja, Daniel Day-Lewis bleibt der Schauspielgott, der er schon immer war. Seit Brando hat wohl niemand mehr soviel Leinwandpräsenz und Faszination erzeugt wie dieser Mann es nur mit dem Zusammenziehen seiner Augenbrauen erreicht. Und das alte Nerdgesicht Paul "Little Miss Sunshine" Dano in der Doppelrolle des Eli und Paul Sunday ist ein durchaus würdiger Gegner.

In atemberaubenden Bildern baut P.T. Anderson hier den historischen Kampf zwischen aufsteigendem Kapitalismus und absteigendem Christentum anhand von zwei Fanatikern in Modellform nach.

Spoiler: Anzeigen
Und erstaunlicherweise scheint er sich größtenteils auf die Seite des Kapitalismus zu schlagen, denn obwohl der von Day-Lewis gespielte Plainview ein echtes A****loch ist, wird er an keiner Stelle so heuchlerisch und verlogen gezeigt wie der selbsternannte Priester der "Kirche der dritten Offenbarung". Und selbst in Sachen Gier stehen sich die beiden in nichts nach.


Und auch bei mir hat der Film noch recht lange nachgewirkt. Dennoch muss ich sagen, dass das Weglassen des einen oder anderen Nebenstranges und eine Kürzung um vielleicht 20 - 25 Minuten dem Werk durchaus gut getan hätte, denn in der letzten Stunde der 158 min ging meine Aufmerksamkeitskurve doch arg nach unten.

Nichtsdestotrotz aber ein außergewöhnlicher, wirkungsstarker und unfassbar gut gespielter Film.
__________________
Soylent Green is people!
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