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Alt 17.05.2020, 15:53
...is mostly "Confuzzled"....
 
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Standard M. Butterfly (1993)

Basierend auf einer wahren Geschichte, aus der ein mit dem Tony-Award ausgezeichnete Broadway-Aufführung wurde, die darüber hinaus für den Pulitzer-Preis nominiert wurde. Regisseur und Drehbuchautor David Cronenberg brachte sich ein, als die Geschichte verfilmt werden sollte - weil er das Stück sehr liebte. Auf den ersten Blick vermag dem (durchschnittlichen) Cronenberg-Fan (also dem, der ihn am liebsten zwischen "Scanners" und "Die Fliege" verortet) dies als absurd vorkommen, aber auf den zweiten.....

China während der Kulturrevolution in den 1960er Jahren. Rene Gallimard (Jeremy Irons) kommt als Angestellter mit seiner Frau in die französische Botschaft von Peking. Als Mitarbeiter mit wenigen Ambitionen von seinen Kollegen eher mitleidig belächelt, ändert sich dies, als Gallimard während einers Empfanges für ausländische Diplomaten die chinesische Diva Song kennen lernt. Die Auszüge aus der Oper "Madame Butterfly" zu Gehör bringt. Die Gallimard begeistern und ihn dazu bringen, Song anzusprechen. Die ihm zu verstehen gibt, dass es sich bei "Madame Butterfly" um eine Ansammlung von Klischees und Vorurteilen handelt, die bestenfalls das Fernweh des Westens beflügeln würde.
Fasziniert von der Sängerin, sucht er in der Folgezeit ihre Nähe - besucht sie während einer Aufführung der Peking-Oper und folgt ihr in ihr Heim. Was einen absoluten Affront gegenüber der chinesischen gesellschaftlichen Grundhaltung darstellt. Doch so sehr sich Song ihm entzieht, bzw. entziehen will, so sehr sehnt Gallimard sich nach ihr. Und beginnt sich seiner Frau zu entziehen - auch wenn Song ihm körperliche Liebe verweigert, sich ihm "aus Scham" selbst körperlicher Nacktheit verwehrt.
Je länger sich Song ihm in diesem psychologischen Tanz aus Unterwerfung, Begehren und Rückzug ausliefert, umso mehr erstarkt Gallimard, wandelt sich immer mehr vom dienstbeflissenen-unterwürfigen zum diensteifrig-autark agierenden Mitarbeiter. So wird er von seinem Vorgesetzten zum Vizekonsul ernannt - mit einem "Mehr" an Verantwortung. Auch weil Gallimard - offensichtlich - gelernt hat, das Wesen der chinesischen Kultur zu "lesen". Was dem Westen einen Vorteil auf dem politischen Parkett erschließen könnte.
Doch je mehr Gallimard seine machohafte Seite entdeckt - und sich von der (vermeintlichen) Akzeptanz von Kollegen und Vorgesetzten gebauchpinselt fühlt, so sehr lässt er dies bei seiner "Butterfly" Song heraus.
Die neben ihrer Unterwürfigkeit noch eine gänzlich andere Agenda hat...

Vorneweg: ich habe im ersten folgenden Abschnitt zwei Spoilertags eingebaut - weil den Film (trotz seines Alters von nunmehr 27 Jahren) wohl die Wenigsten kennen. Wer sich also wirklich überraschen lassen will, sollte nach dem kommenden ersten Abschnitt (vielleicht) vorerst mal abbrechen....

"M. Butterfly" zählt - augenscheinlich - zu David Cronenbergs unbekanntestem Film. Vor allem, weil der Film - auf den ersten Blick - ein Drama ist. Und auf den zweiten die kulturell hochwertiger wirkend gespiegelte Seite des Oscargewinners
Spoiler: Anzeigen
"The crying game", der eine ähnliche (Grund-)Pointe besitzt.
Was "M. Butterfly" für diejenigen Anhänger von Cronenberg, für die er "ihr Lieblings-Horrorfilm-Regisseur" ist, vermutlich gänzlich ungenießbar erscheinen lässt. Was ihn bei der Kritik damals dennoch durchfallen ließ.
Obwohl ich durchaus finde, dass "M. Butterfly" durchaus Elemente des "Bodyhorror", der ja das grundlegende Element von nahezu allen Filmen Cronenbergs darstellt, transportiert. Nur halt diesmal mehr im Kopf als sonst.
Auch wenn die Figur von "Song" -
Spoiler: Anzeigen
dargestellt von John "Im Jahr des Drachen"/"Shadow und der Fluch des Khan"/"The Hunted - Der Gejagte" Lone -
für den Zuschauer ziemlich offensichtlich nicht die ist, die sie vorgibt zu sein.

Das Anliegen des Films ist die Blindheit der Figuren für das wirkliche Selbst, das sie besitzen - und aufgrund herrschender Geschlechterrollen und entsprechender Prägung nicht angenommen haben, bzw. nicht annehmen konnten.
Bis zum - durchaus - beeindruckenden Schlussbild von Irons Figur.

Der Film krankt leider an seiner künstlichen Überhöhung in der Art der Inszenierung der chinesischen Gesellschaft und vor allem, dass er sich anfänglich zu viel Zeit nimmt. Dafür gerät die zweite Hälfte dann ein wenig zu überstürzt. Ein Umstand, der mir ähnlich bei Spike Lees "Mo´Better Blues" und Nolans "The dark knight rises" unterkam. Irgendwie finden alle drei Filme nie gänzlich zu einer wirklichen Balance.

Aber manchmal ist es so, dass auch ein Film mit offensichtlichen Makeln einen betören kann. Auch wenn Jeremy Irons für meinen Geschmack zu angestrengt spielt - und man sich in Bezug auf Lone immer wieder fragt, wie man das offensichtliche so verleugnen kann (und vielleicht auch will?), die Faszination gewinnt am Ende.
Und - vielleicht - ist der wahre "Bodyhorror" schlicht und ergreifend der, im falschen Körper geboren worden zu sein.
__________________
"God gave us our relatives; thank God we can choose our friends." - Ethel Watts Mumford - (quoted in "Mary & Max")
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