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scholley007 25.04.2019 20:19

Zurück aus der Hölle (1989) (OT: In Country)
 
1989 begann die Welle an Vietnamfilmen - die durch Oliver Stones oscargekrönten "Platoon" noch einen kräftigen Boost erhalten hatte - schon leicht abzuflauen. Zwischen all dem zu jenem Zeitpunkt "direct-to-Video" gelieferten "Krachbumm" trat als Konkurrenz-Prestigeprojekt zu Stones "Geboren am 4. Juli" mit Tom Cruise in jenem Jahr dann noch das Regisseur-Urgestein Norman Jewison ("Thomas Crown ist nicht zu fassen"/"Anatevka"/"In der Hitze der Nacht"/"Hurricane" - mit Denzel Washington"/"Rollerball"/"Was diese Frau so alles treibt") an, um sich mit dem designerten Oscarkandidaten messen zu wollen. Und hatte den zu jenem Zeitpunkt sich mal im ernsten Fach versuchenden Bruce Willis dabei.......
Kurz und gut: hierzulande ging der damals schnurstracks an den Kinos vorbei auf Video. Nicht gänzlich ohne Grund....

Samantha (Emily Lloyd -kurzzeitiger filmischer Import aus England, der mal für zwei Jahre in den USA überwiegend erfolglos Konjunktur hatte) hat soeben ihren Highschoolabschluss in ihrem kleinen Heimatstädtchen hinter sich gebracht. Die aktuellen Chancen sehen eher mau aus - in erster Linie sorgt sie sich um ihren Onkel Emmett (Bruce Willis), der aus dem Vietnamkrieg zurück kam und nun nur noch durch die Tage dümpelt ohne einen Funken Antriebslosigkeit. Ihren Vater - der in Vietnam fiel - hat Samantha nie kennen gelernt. Als sie über einige alte Briefe von ihm in einer Schuhschachtel stolpert, beginnt sie Fragen zu stellen. Die ihr niemand beantworten will - nicht ihre Mutter (Joan "Bourne Verschwörung"/"Face Off - Im Körper des Feindes"/"Pleasantville" Allen), nicht ihre Großeltern und auch nicht ihr Onkel.
Während dieser Zeit der Aufarbeitung beginnt ihr Loslösungsprozess von ihrer Heimat. Und eine Form von Heilung bezüglich lange verdrängter schmerzlicher Erinnerungen seitens ihres Onkels und seiner Kriegskameraden....

Ja, das liest sich tatsächlich wie ein "Coming-of-Age"-Melodrämchen. Ein wirkliches Drama sieht anders aus. Mit ein wenig bombastischem Humtata von Komponist James Horner gefällt sich der Film als filmische Aufarbeitung und Kratzfuß vor den "Verlierern" des Vietnamkrieges.
Was - damals - noch nicht einmal die Scherbe eines Blumentopfes gewinnen konnte: bei einem Budget von 18 Millionen Dollar spielte der damals knapp über 3 Millionen ein.
Auch wenn das Plakat in den USA den Generationskonflikt (vor dem Hintergrund der amerikanischen Flagge) ins Zentrum stellte. Der Originaltitel lässt auch wissen, wo das Herz der Geschichte schlägt.
Kein Wunder, dass der Film hierzulande als Videopremiere sang- und klanglos unterging. Zumal man mit dem reißerischen deutschen Titel - und dem kriegerischen (actionversprechenden) Motiv (das die Hauptdarstellerin komplett unterschlug!) den Konsumenten schwer in die Irre führte.
Am ehesten vergleichbar mit dem Jugend-Vietnamtrauma-Familiendrama "The War - Das Baumhaus" mit Elijah Wood und Kevin Costner.
Nur nicht halb so aufgesetzt bedeutungsschwanger wie eben dieser.
Denn die eigentliche Hauptperson ist Emily Lloyd, die - mit Bruce Springsteens "I`m on fire" als Leitmotiv - eine mehr als einnehmende Performance abliefert.
Bruce hilft ihr dabei. Und es ist schön ihm dabei zuzusehen, wie er seiner Figur tatsächlich Tiefe (und eine schauspielerische Darstellung) schenkt - im Gegensatz zu seiner aktuell seit Jahren auf "Steven Seagel"-Schauspielminimalisierung befindlichen Haltung.
Ein insgesamt unaufgeregtes unterhaltendes Werk, das in Nebenrollen auch noch Stephen "Und täglich grüßt das Murmeltier"/"Sneakers - Die Lautlosen" Tobolowsky und Ken "Scrubs"-Dr. Bob Kelso" Jenkins zu bieten hat.
Wer seinen "Bruce" mal ähnlich interessiert/gefordert und an der Sache dabei erleben möchte wie in dem ähnlich unbekannten filmischen Kleinod "Nobody´s Fool" (als Chef von Paul Newman), der sollte sich den mal zu Gemüte führen.
Erreicht ´ne 6,5/10 auf der Unterhaltungsskala....

Lex 217 26.04.2019 09:45

AW: Zurück aus der Hölle (1989) (OT: In Country)
 
Zitat:

Zitat von scholley007 (Beitrag 389643)
Der Originaltitel lässt auch wissen, wo das Herz der Geschichte schlägt.

Wie meinst du das?

"in country" ist meines Wissens nach eine typische Phrase der Soldaten für "während des Kriegs im Einsatz in Vietnam sein", so zB "How long have you been in country?" o.Ä.

Wie der Titel in dem Fall gemeint ist, kann man natürlich nicht genau wissen, aber für mich würde er implizieren, dass es um die Erfahrungen in Vietnam geht und nicht um das Sein in Amerika...

scholley007 26.04.2019 11:48

AW: Zurück aus der Hölle (1989) (OT: In Country)
 
@Lex: es ist wie du sagst.
Aber letztendlich geht es auch darum, mit welchem Verständnis/Unverständnis und auch Ignoranz die USA auf die Situation der Heimkehrer reagierte. Vor allem, weil diese sich selbst nicht als Helden sehen konnten - im Gegensatz zu den Teilnehmern eines 'guten' Krieges wie dem 2.Weltkrieg. Somit ist das emotionale Kriegsgebiet durchaus 'In Country', sprich in jedem (von uns) selbst.


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