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scholley007 14.07.2017 16:42

Homicide - Mordkommission (1991) (Homicide)
 
Ein Film über Identität und wie der Job einen Menschen in eine andere wechseln lässt....

Detective Bobby Gold (Joe "Criminal Minds" Mantegna) ist Cop mit Leib und Seele. Für sich und seine Kollegen in ihrem eigenen Mikrokosmos des täglichen Einsatzes für "das Gute".
Soeben bringen sie sich mit vollem Elan ein, einen gefährlichen Kriminellen (Ving Rhames) über dessen Bruder und die der Polizei gegenüber sehr skeptisch eingestellten Mutter zu stellen. Auch das FBI sieht gerne gänzlich von oben herab auf die Kollegen von der Straße.
Als sich Gold und sein bester Freund/Kollege Tim Sullivan (William H.Macey) auf dem Weg zur Ergreifung eben jenes Bruders befinden, geraten sie in den Einsatz von Streifenpolizisten, die mit dem Mord an einer jüdischen Ladenbesitzerin sichtlich überfordert scheinen.
Gold "erbarmt" sich - und sieht sich dadurch mit den Hinterbliebenen des Opfers konfrontiert, die von Golds Vorgesetztem wünschen, dass dieser sich des Mordes annimmt. Hauptgrund: Gold ist jüdischer Abstammung, das Opfer und ihre Familie sind es auch.
Doch noch während sich Gold dieser Art der befohlenen Vereinnahmung widersetzt, stößt er auf eine Spur, die sein bisheriges Weltbild erschüttert.
Als er sich schließlich entscheidet, hat dies weitreichende Konsequenzen - nicht nur für ihn.....

Ähnlich wie der sechs Jahre zuvor von Michael Cimino inszenierte (und damals arg angefeindete) "Im Jahr des Drachen" geht es um Identität, Abstammung und was diese mit uns macht. Oder auch nicht.
Im (sogenannten) Schmelztiegel USA (der längst nicht der Schmelztiegel ist, den die Geschichte nicht müde wird zu betonen) sind die ethnischen Gruppierungen auch heute noch brav abgegrenzt - egal wie sehr die politische Arbeit des letzten Vierteljahrhunderts dies dem (aufgeklärten) Menschen von heute glauben machen möchte.
Oder warum schreien heute immer mehr "nationalistische" Gruppen nach zu bewahrender Identität wider dem "Eindringling"
Dies gerät in David Mamets Werk zum Status Quo.
Und Joe Mantegna stellt die bestmögliche Figur die gebrochen werden muss/die sich brechen lässt dar.
Einzig die musterhafte Geschwätzigkeit der Figuren - sowohl Stärke wie auch Schwäche vom Mamet - gerät dem Film teilweise zum Stolperstein: das sind (bedeutungsschwanger aufgeladene) Dialoge, die streckenweise so wirken, als hätte jemand versucht eine realistische Szenerie intellektuell wie auch ideologisch mit einer überhöht anspruchsvoll wirkenden Sprache anzufetten.
Soll heißen: das klingt nie gänzlich real, sondern immer eine Spur daneben.
Sowas passiert, wenn man mehr Verstandsmensch als Emo-Mensch ist.
Worin vermutlich auch der damalige Flop hiervon zu sehen ist.
Als aufrecht-grimmiges Portrait eines Mannes, der seiner eigenen Suche und Findung zum Opfer fällt, ist der dennoch mehr als nur einen Blick wert.
Auch wenn Mamets Inszenierung vielleicht etwas zu mikroskopisch-nüchtern ausfällt....


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