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scholley007 06.07.2017 10:07

Switchback - Gnadenlose Flucht (1997)
 
...brauchte ein paar Jahre der Entwicklung, bevor Drehbuchautor Jeb Stuart die Möglichkeit bekam, sein rund 20 Jahre altes Script selber zu inszenieren. Seine Beteiligung an "Auf der Flucht" mag durchaus den Anstoß gegeben haben - ausgezahlt hat es sich einst leider nicht. Bei einem Budget von 37 Millionen Dollar spielte der damals am US-Box Office knapp über 6 Millionen Dollar ein. Und landete - mit diesem seltsamen Untertitel - hierzulande selbstverständlich "straight to Video". Wo er auch kein Megahit wurde - sich aber eine achtbare Reputation verschaffen konnte....

Sheriff Buck Olmstead (R.Lee "Full Metal Jacket"/"The Frighteners"/"The Texas Chainsaw Massacre" Ermey) ist not amused: nicht nur, dass da in dem Motel gleich zwei Leichen in der Badewanne liegen - auch sein Gegener in der bevorstehenden Wahl - Chief McGinnis (William Fichtner) - muss sich am Tatort blicken lassen und ihm die Laune verderben.
Und dann erscheint zu allem Überfluss noch der FBI-Agent Frank LaCrosse (Dennis "Die Reise ins Ich"/"Dragonheart"/"Frequency"/"Der Flug des Phoenix"/"G.I.Joe" Quaid), der in den beiden Leichen die Weiterführung einer Mordserie sieht, die er bereits seit 18 Monaten verfolgt.
Und während sich LaCrosse dadurch auszeichnet, mit seiner Art Olmstead und seinen Deputy Ned Booker (Ted "Das Schweigen der Lämmer"/"Monk" Levine) in eine ihm gegenüber doch schwer ambivalente Haltung zu bringen - der Gute ist von der Mordserie seit einiger Zeit abgezogen worden und das FBI will ihn möglichst schnell "einsacken - mehren sich die Zeichen, dass der gesuchte Killer ganz woanders unterwegs ist....
Die Bekanntschaft die der vor sich und seiner Vergangenheit auf der Flucht seiende Lane Dixon (Jared Leto zu Beginn seiner Karriere - und hier drin um einiges mehr gefordert, als in dem anschließenden "Düstere Legenden") und der schräg-freundliche Bob Goodall (Danny "Lethal Weapon"/"Predator 2" Glover) on the road schließen, führt alle Beteiligten in Rocky Mountains zusammen.
Und nur der, der fest im Glauben ist, wird lebend dort heraus kommen.....

Dieser Mysterythriller war schon damals ein "Aha"-Erlebnis. Und ist über die Jahre nochmal gut "nachgereift"!
Was für ein Haken schlagendes wunderbares Gebräu.
In einer Nebenrolle ist auch noch Walton Goggins ("Justified"/"The Hateful Eight") auszumachen.
Ansonsten schert sich Jeb Stuarts Script einen feuchten Dreck um heute so standartisierte Thriller - lieber lässt er die Erwartungshaltung mehr als einmal ins Leere bzw. vor die Wand laufen.
Dennis Quaid - auch ein Kandidat, dessen Karriere zahlreiche Hits and Misses enthält (wobei für mich die Hits - auch wenn einspieltechnisch darunter mehr Flops waren - überwiegen) - ist in seiner Rolle als clever-zurückhaltend auftretender und gleichzeitig getriebener Ermittler einfach groß.
Das Zusammenspiel mit Ermey ist die wunderbare Spiegelung zu dem Zusammenspiel von Glover mit Leto.
Und in dem das Script die actionbetonten wenigen Schauwerte voll ausspielt (und trotzdem beinah beiläufig runterspielt) ist dies ein Film der seine Spannung aus den schauspielerischen Leistungen bezieht.
Jahre nach der Erstsichtung hat der den "Test of Time" (auch noch auf einer alten Videocassette) - für mich - überragend bestanden.
Sowohl die Kamerarbeit von Oliver Wood (Stirb langsam 2/Ford Fairlane - Rock´n Roll Detective/2 Tage L.A./Im Körper des Feindes) als auch der Score von Basil Poledouris (Conan der Barbar/Jagd auf Roter Oktober/Starship Troopers) sollen nicht unerwähnt bleiben - sorgt ihre Arbeit doch für den optischen und akustischen Schliff dieses wundervollen Genre-Rohdiamanten!

S.W.A.M. 06.07.2017 12:25

AW: Switchback - Gnadenlose Flucht (1997)
 
Den habe ich mir damals in meiner Ich-muss-alles-mit-Dennis-Quaid-sehen-Phase auch auf VHS geschnappt und war hin- und her gerissen. Hab ihn mir jetzt dank deiner Rezi doch wieder auf DVD bestellt, denn zumindest bis zum IMO verhunzten Finale und dem meilenweit absehbaren Twist über die Identität des Killers bietet der wirklich tolles Schauspiel, wunderschöne Bilder und Hochspannung.

Wie gesagt, nur das blöde (drangeklatscht wirkende) Ende versaut ihn mir immer wieder auf dem letzten Meter.

scholley007 06.07.2017 14:36

@S.W.A.M.: was den Twist angeht - spätestens nach Minute 20 erahnt man den und wird ziemlich genau in der Mitte diesbezüglich aufgeklärt.
Für denjenigen, der bei sowas lieber die Enthüllung pünktlich zum Finale gereicht bekommen will, mit Sicherheit nicht gänzlich die Erfüllung.
Aber ich mochte ja auch "Gone Girl", der - mit einer ähnlichen Plottwisthaltung - das Publikum ja auch vortrefflich spalten konnte.
Was Deine Haltung zum Finale angeht - mir gefiel es bei der heutigen Sichtung (nach rund 17 Jahren seit Erstsichtung) - tatsächlich noch besser als damals. Für mich ist es bezüglich Figurenentwicklung/Payoff absolut konsequent gehalten.
Schaun mer mal, was Du nach dem Wiedersehen sagst...

S.W.A.M. 06.07.2017 15:46

AW: Switchback - Gnadenlose Flucht (1997)
 
Ich glaube, mich stören zu frühe twistartige Enthüllungen (und vor allem deren Absehbarkeit) nur, wenn vom Film her darum so ein bedeutsames Bohei gemacht wird.
Bei "Gone Girl" hatte mich eher gestört, dass der Film dadurch einfach jede Spannung verlor. Bei "Switchback" verläuft die Spannung ja eher entlang der Frage, ob Dennis Quaid den Killer auch zu schnappen vermag. Dann hätte man aber auch gleich klar machen können, was läuft.
Aber wie gesagt, am meisten gestört hat mich eigentlich die Nummer am Ende
Spoiler: Anzeigen
mit dem Kind, das dann wie durch ein Wunder und völlig unnachvollziehbare Schlüsse aufgefunden wird. Ein Haus, auf das der Killer sehr kryptisch verwiesen hat, was dann Jared Leto irgendwie als bedeutsam vorkam, während er starb, das dann aber leer ist und dann ist das Kind auf einmal beim Nachbarn und wird zufällig entdeckt. (Wenn ich das alles halbwegs richtig in Erinnerung habe.) Wer ist dieser Nachbar? Wieso hat der einfach so das Kind? Ist er eingeweiht? Da tauchen für mich in der letzten Einstellung plötzlich zwanzig neue Fragen auf, die dann aber einfach ignoriert werden, weil es wahrscheinlich keine Antworten gibt und man nur irgendein dramatisch künstlich aufgeputschtes Ende dranpappen musste.


Mehr nicht. Ansonsten: Spitzenfilm!


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