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Alt 08.03.2020, 13:07
...is mostly "Confuzzled"....
 
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scholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich sein
Standard Zelig (1983)

Wieder eine dieser existentialistischen Fragen: Wer bin ich? Und warum? Woody Allen wusste zu seiner kreativen Hochzeit dazu ein filmisches Kleinod einzubringen, das heute leider ein Stück weit in Vergessenheit geraten ist. Schade eigentlich - denn der Kern des Werkes ist von dauerhafter Aktualität...

Amerika in den späten 1920ern. Inmitten des herrschenden Trubels - kurz vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch 1929 - findet man einen Mann - Leonard Zelig (Woody Allen) - der die Fähigkeit besitzt, sich binnen kürzester Zeit anzupassen. Und zwar soweit, dass er nicht nur das Benehmen und das Wissen seines Gegenüber absorbiert und reflektiert, sondern selbst rassenspezifische Merkmale wie Pigmentierung oder Haarwuchs oder selbst Gewichtszunahme. Die Psychologin Eudora Fletcher (Mia Farrow) sieht sich von diesem Phänomen inmitten ihrer männlichen Kollegen herausgefordert, anfänglich ob der Tatsache, mittels dieses einmaligen Falles ihre persönliche Fußnote in der Geschichte der Medizin zu erlangen. Doch dann erkennt sie in dem Patienten den Menschen und dessen verzweifelten Wunsch, einfach nur dazu gehören zu wollen. Der in ihm eben jene seltsame Fähigkeit auslöste....

Als Dokumentarfilm serviert - der das gesellschaftliche Leben, zu dem Zelig so gern gehören wollte, jener Zeit vortrefflich einfängt - ist der Streifen für mich Allens Sternstunde. Ein Dank von hier aus geht an Roli Slawik, der mich in den Achtzigern mit den Werken Allens bekannt machte, während ich ihn mit den Horrorfilmen jener Tage traktierte. Ansonsten hätt ich besonders diesen Film von ihn damals nie und nimmer kennen und lieben gelernt. Die letzte Sitzung ist inzwischen auch ein paar Jahrzehnte her.
Technisch und dramaturgisch ein wirklicher Traum - natürlich unterlegt mit der Musik jener Zeit, die für Allen in den Achtzigern als Standarduntermalung seiner Filme galt.
Der Übergang zwischen - selbstverständlich gefakter - "Newsreelfootage" (Zelig wird ob seiner Krankheit ein Star der Medien, ob er nun will oder nicht) und ebenso gefakter Doku, ist so fließend, dass da einfach kein Bruch entsteht.
Und somit ein (vermeintliches) Zeitdokument über ein menschliches Chamäleon gereicht wird, das für Menschen der Gegenwart als Folie gelten kann, in wie weit mancher (in die Irre) geht, um "dazu zu gehören".
Kann man zu gleichen Teilen als Gesellschaftssatire, psychologische Studie und Therapiesitzung ansehen.
Und da das Grundthema für eigentlich jede neue Generation nie aus der Mode kommt, sollte der Streifen als Grundlage einer entsprechenden Therapie gereicht werden.
Dass man in Italien im Jahr 2007 eine seltene Form des Hirnschadens - minus der hier gezeigten körperlichen Veränderung - entdeckte, der ähnliche Züge trägt, wie Zeligs charakterliche Wesensänderung, führte übrigens dazu, dass die Krankheit (of course) jetzt den Namen "Zelig-like Syndrome" trägt.

Nach all der Zeit immer noch wärmstens empfohlen!
__________________
"God gave us our relatives; thank God we can choose our friends." - Ethel Watts Mumford - (quoted in "Mary & Max")

Geändert von scholley007 (08.03.2020 um 13:11 Uhr)
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  #2 (permalink)  
Alt 15.03.2020, 17:47
Benutzerbild von mati
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mati ist auf dem besten Weg
Standard AW: Zelig (1983)

Zitat:
Zitat von scholley007 Beitrag anzeigen
natürlich unterlegt mit der Musik jener Zeit, die für Allen in den Achtzigern als Standarduntermalung seiner Filme galt.
Wobei der Film hier den Zuschauer schon mit grotesk furchtbarer Musik konfrontiert.

Zitat:
Zitat von scholley007 Beitrag anzeigen
Und da das Grundthema für eigentlich jede neue Generation nie aus der Mode kommt, sollte der Streifen als Grundlage einer entsprechenden Therapie gereicht werden.
Einserseits propagiert der Film den Individualismus, was ich auch gut heiße.
Andererseits wird aber auch kurz explizit darauf eingegangen, dass Juden sich nicht "Assimilieren" sollen, was mit Idividualismus nichts zu tun hat, sondern die Bildung/Aufrechterhaltun einer Parallelgesellschaft propagiert.

Eudora ist grundsätzlich ein toller Charakter. Dieser Mischmasch aus egoistischem Streben nach wissenschaftlicher Anerkennung, gebannter Faszination über Zelig und echtem Mitgefühl lässt sie sehr greifbar wirken. Durch die Aufmachung als Dokumentarfilm habe ich aber allgemein das Problem, dass die Geschichte sehr unpersönlich und menschlich distanziert wirkt. Als Komödie funktioniert der Film aber gut.
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