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scholley007 04.03.2016 13:05

Deathtrap (1982) (dt. TV-Titel: Das Mörderspiel)
 
Irgendwann in grauer Vorzeit begegnete mir die Inhaltsangabe hiervon in dem CINEMA-Jahrbuch von 1982. Und trotz der durchaus ansprechenden Besetzung, ist der im Videozeitalter niemals hier in Deutschland veröffentlicht worden. Erst 14 Jahre nach seiner Uraufführung wurde der im hiesigen TV ausgestrahlt (da muss ich wohl grad "Mission: Impossible", "Twister" oder "Independence Day" im Kino gesehen haben).
Als mir nun das Kinoplakat hiervon auf eBay begegnete, hab ich zugeschlagen. Und fand kurz darauf einen Anbieter, der eine DVD hiervon feil bot - erschienen im Rahmen der "Warner Bros. ARCHIVE COLLECTION".
Was kann ich schreiben? Das Warten all die Jahre war es wert:

Sidney Bruehl (Michael Caine) ist am Ende: soeben ist sein viertes Theaterstück in Folge gefloppt, die Premiere ein Desaster gewesen und er frustriert, besoffen und letztlich eingeschlafen mit dem Pendelzug bis zur Endstation gegondelt. "Bis zur Endstation! Auch eine Art von selfulfilling Prophecy!" poltert der schwer genervte einstige Erfolgsautor, während er seiner liebevollen doch mit affenartiger Klemmliebe gesegneten Ehefrau Myra (Dyan Cannon als überzeichnetes Musterbeispiel des ergebenen aber nicht allein existieren könnenden Weibchens) eine Szene macht, bei der er sich gekonnt selbst leid tut.
Zu allem Überfluss hat Sid auch noch während der Premiere ein Theaterstück zugesteckt bekommen, das der Schüler eines von ihm gegebenen Seminars verfasst hat.
Und dies ist brillant!
Der Frust ist groß - die Chance auf Rettung der Karriere nah. Doch wie klein kann sich ein Ego machen, wenn man ein anderes nährt?
Dies findet Sidney heraus, als er - nach kurzem charakterlichen Kampf mit sich selbst von Myra überredet wird, den Verfasser von "Deathtrap" zur Überarbeitung des Erfolg versprechenden Scripts zu ihnen einzuladen - den Neid des Besitzlosen verspürt..... und der junge Clifford Anderson (Christopher Reeve) ist einfach ZU nett und ZU ambitioniert.....

Mehr zu verraten wäre eine Sünde. Dass die von Sidney Lumet inszenierte Fassung eines Theaterstücks von Ira Levin (Autor von "Rosemary´s Baby"/"Die Frauen von Stepford"/"Der Kuss vor dem Tode") voller Fallstricke ist, darf erwähnt werden.
Dass Michael Caine hier drin eine Leistung bringt, die zu seinen besten - etwa gleichwertig zu dem thematisch ähnlich gelagerten "Mord mit kleinen Fehlern - Sleuth" mit Laurence Olivier, der vor 10 Jahren unter dem Titel "Mord für 2" mit Jude Law geremaked wurde - zählt, ist der erste Grund, sich den hier anzusehen.
Christopher Reeve - der einstige "Superman" - beweist mit seinem Part, dass er um einiges mehr auf der darstellerischen Agenda zu bieten hatte (bestenfalls in "Streetsmart - Glitzernder Asphalt" mit Morgan Freeman ist dies zu erkennen), als den blau-roten Strampelanzug zu tragen. Unter anderen Umständen wäre das durchaus oscarwürdig (männliche Nebenrolle) gewesen.
Als drittes: die Örtlichkeit.
Nahezu 90 Prozent der Geschehnisse finden in einem Landhaus statt, das eine ehemalige Mühle im Gesamtgrundriß beherbergt. Optisch - und organisch (die Wohnung wird quasi zum dritten Hauptdarsteller) - ein ähnliches Bonbon, wie "Millies Miederwarenladen" in Tarantino´s "The hateful 8". Wobei ich sicher bin, dass QT, den hier mit Sicherheit gesehen haben wird.
Letztendlich ist das Hauptmusikthema - auf einem Harmonium interpretiert - ähnlich wie das Titelthema der Endlos-TV-Serie "Murder she wrote - Mord ist ihr Hobby". Da "Deathtrap" zwei Jahre vor "Murder she wrote" entstand, kann es gut sein, dass sich die Komponisten hier bedient haben.
Damals ein Flop beim Publikum - besonders was einen in der Bühnenfassung nicht enthaltenen Twist angeht - ist der heute eine echte Entdeckung. Und echt gut gealtert!
Auch das gerne gesehene "Durchbrechen der vierten Wand" - wie grad ausgiebigst in "Deadpool" - kommt hier zum Einsatz. Aber nur im Dialog und OHNE dass die Figuren entsprechend Kontakt zum Zuschauer aufnehmen.
Ob sich Warner hierzulande mal aufraffen wird um den zu veröffentlichen, scheint leider weiterhin fraglich.
Immerhin ist der in England erschienen. Als Bonus gibt´s nur den Trailer - der mit 57 Sekunden arg kurz, dafür aber umso effektiver nach dem mir mit den Jahren lieb gewordenen Credo "Weniger ist mehr" arbeitet!
Alles in allem eine fette Empfehlung - nicht weniger!


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