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Alt 26.09.2019, 20:59
...is mostly "Confuzzled"....
 
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Standard Ekel (1965) (OT: Repulsion)

Ein regnerischer Tag Ende September. Da kann man sich ruhig mal eine richtige filmische Dröhnung geben, die einen schon jetzt auf den November vorbereitet - für die Dezembervorbereitung liegen ja die adäquaten Dominosteine, Lebkuchen und Marzipankugeln in jedem Supermarkt bereit, gell?
In diesem Fall wurde es der Auftakt zu Roman Polanskis "Appartement/Mieter"-"Trilogie" - lose miteinander verbunden durch die Grundstimmung der drei Filme, die in ihren Sujets eben jene beiden Punkte transportieren. Desweiteren zählen hierzu noch "Der Mieter" (mit Polanski in der Titelrolle als ebensolcher - man kann den als eine Art thematischen Spiegel zu "Ekel" ansehen) und - selbstverständlich - "Rosemaries Baby"...

Das belgische Geschwisterpaar Helen (Yvonne Furneaux) und Carol Ledoux (der spätere französische Superstar Catherine Deneuve) bewohnen gemeinsam ein zweitklassiges Appartement in London. Helen lässt sich von einem verheirateten Mann - Michael (Ian Hendry) - aushalten (in wie weit sie sonst einem Broterwerb nachgeht, lässt der Film offen). Carol jobbt in einem angesagten Beautysalon. Und hat einen hartnäckigen Verehrer - Colin (John Fraser). Der aus der - stets ein wenig der Welt entrückt scheinenden - Carol nicht schlau werden kann.
Wie sollte er auch?
Die aparte junge Dame ist - zeitlebens (wie ein Familienfoto aus Brüsseler Tagen überdeutlich macht) - immer schon nicht gänzlich im "hier und jetzt" gewesen.
Heute würde man dies vermutlich als "Asperger" mit heranwachsenden Spuren einer ausgeprägten Sozialphobie diagnostizieren (soweit der unausgebildete "Doktor" in mir).
Weshalb sie den Freund ihrer Schwester ablehnt (auch weil dieser sich an bestimmte Kleinigkeiten in ihrer persönlichen Ordnung im gemeinsamen schwesterlichen Badezimmer nicht halten kann - oder mag). Und ihre diesbezüglich negativer werdende Haltung auf die Männer, die ihr im tagtäglichen Leben begegnen, entsprechend projiziert.
Als Helen mit Colin auf eine zweiwöchige Italienreise geht, verliert Carol binnen weniger Tage den kompletten Halt, den ihr der bislang überschaubare Mikrokosmos gewährte.
Und ihre Angst vor dem Alleinsein gebiert Risse in ihrer Wahrnehmung, die für die Vertreter des männlichen Geschlechts mit "nicht gesund" noch freundlich umschrieben sind.
Während das Appartement sich schrittweise verändert, zieht sich Carol immer weiter in die Enge ihres Kopfes (und ihrer Dämonen) zurück.
Das Ende kann kein schönes sein.......

Tschah. Regie, Darstellung und Kamera erschaffen einen kleinen - aber fies-fein-intensiven - Abstieg in die Hölle, die jeder von uns auf seine Weise nährt/nähren kann. Wenn ihm Mittel und Wege fehlen, diesem zu begegnen.
Ähnlich wie die beiden großartigen filmischen Trips "Equus - Blinde Pferde" (mit Richard Burton) und "Peeping Tom - Augen der Angst" ist Polanskis Werk eine Bebilderung, die einem kaum Möglichkeit gibt, den Blick abzuwenden.
Hilfe ist hier keine zu erwarten, da überdies eine Sprach- bzw. Verständnislosigkeit zwischen den Figuren herrscht, die heute vielleicht ein Stück weiter begreifbar geworden ist.
Aber - aufgrund alter festgefahrener (und somit als "bewährt" akzeptierten) Geschlechterrollen immer noch vorherrschend sind; "metoo" hin oder her.
Die Kamera von Gilbert Tayler - in wunderbarem SchwarzWeiss, das auch Raum für unendlich viele Grautöne lässt - muss unbedingt erwähnt werden.
Der Mann - zu dessen Filmographie - die Kameraarbeiten zu "Dr. Seltsam - oder: Wie ich lernte die Bombe zu lieben", "Krieg der Sterne" (den man heute nur noch unter "Star Wars - Episode IV" zu kennen scheint), Polanskis "Wenn Katelbach kommt" und "Macbeth", "Das Omen" und der legendäre Beatles-Film "Yeah Yeah Yeah" zählen - versteht es, das Appartment zu einem Gefängnis wie einem Fluchtort gleichermaßen werden zu lassen.
Und die Deneuve taumelt zunehmend stummer werdend durch die Eckpfeiler ihres Verstandes, der stündlich mehr Risse bekommt.
Fazit: Manchmal können unschön wirkende Filme bei demselben Wetter draußen vor der Tür, einen umgekehrten Effekt bei der Selbstreflexion auslösen. Man muss "nur" den Mut haben, über die Schwelle zu treten.....
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Alt 30.09.2019, 12:32
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Standard AW: Ekel (1965) (OT: Repulsion)

Ja, das ist ein exzellenter Schocker. Habe den Film dieses Jahr zum ersten Mal gesehen und obwohl ich um die Handlung wusste, hatte ich doch keine Ahnung was mich erwarten würde. Der Abstieg in den Wahnsinn ist unheimlich effektiv umgesetzt, das Teil lies mich wirklich schaudern. Trägt das Siegel «Meisterwerk» zu recht und hätte ich mir schon viel früher einmal ansehen sollen.
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