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Alt 23.02.2018, 12:14
...is mostly "Confuzzled"....
 
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scholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich seinscholley007 kann stolz auf sich sein
Standard Straßen der Nacht (1975) (Hustle)

Der deutsche Titel hat vermutlich versucht die starke melancholisch-dramaturgische Färbung des Films und seines Sujets einzufangen. Ehrenrührig. Doch bleibt der OT mit seiner Doppeldeutigkeit (einerseits "auf den Strich gehen" andererseits "Drängeln/Eilen" in Bezug auf sich selbst und andere) weitaus treffender...

Phil Gaines (Burt Reynolds - ohne seinen markanten Schnurrbart wirkt er immer eine Spur bübchenhafter, auch wenn man sich davon nicht täuschen sollte) und sein Kollege Louis Belgrave (Paul "Star Trek II" Winfield) sind Detectives in L.A. Und somit weitreichend desillusioniert, was ihre Mitmenschen angeht.
Gaines lebt mit Nicole (der französische Superstar Catherine Deneuve) zusammen, einer Prostituierten der gehobenen Klasse. Beide haben sich damit arrangiert. Dachten sie.
Doch der neue Fall Phils bezieht sie beide ein.
Ein Fall - der eigentlich binnen kurzem abgeschlossen schien - bei dem eine junge Frau tot am Strand gefunden wurde und trotz Spermaspuren und einem exzeptionell hohen Anteil an Barbituraten - keine Fremdeinwirkung seitens der Gerichtsmedizin festzustellen ist. Weshalb auf dem Totenschein letztendlich "Tod durch Ertrinken" - Selbstmord nicht ausgeschlossen - steht.
Einerseits, weil Nicoles Dienste von einem Richter/Gewerkschaftsfunktionär (Eddie Albert) gewünscht werden, der das Opfer mit als Letzter lebend gesehen hat.
Und weil der Vater (Ben "Die letzte Vorstellung"/"Der Umleger"/"Mein großer Freund Shane" Johnson) des Opfers dies nicht einfach hinnehmen kann - und auf eigene Faust Ermittlungen anstellt.
Die den durch den Koreakrieg psychisch geschlagenen Mann mit Wahrheiten sein (?) Kind betreffend konfrontiert, die er einfach nicht wahrhaben will.
Und dazwischen haben Phil und Louis auch ihre liebe Not mit anderen Figuren der Straßen ihrem schwer selbstzufriedenen Chef (Ernest Borgnine als menschliche Wanderdüne) und sich selbst...

Inszeniert von Regielegende Robert Aldrich (Der Flug des Phoenix/Die Kampfmaschine/Ein Zug für zwei Halunken/Das dreckige Dutzend/Die Chorknaben) zählt dieser - beinah "zärtlich" zu nennende - Film wohl zu den größten Flops in seiner Vita.
Was nicht verwundert - setzt er den damaligen Superstar des Siebziger Burt Reynolds doch sehr deutlich gegen seinen damals bekannten Status ein.
Reynolds "Phil" hat sich unter seinem Mäntelchen der Abgestumpftheit - mit ausgelöst durch das Scheitern seiner Ehe und dem ihm vorenthaltenen Sohn - mit einem Edelcallgirl arrangiert, dessen Art Geschäft und Privatleben trennen zu können, ihn immer mehr fertig macht (Robert Altman könnte sich hierbei durchaus für die Episode in seinem Ensemblefilm "Short Cuts" zwanzig Jahre vorher Inspiration geholt haben) - und das funktionierende Miteinander der beiden vom Leben gezeichneten Menschen immer mehr in Frage stellt.
Die "Action" die einem Polizeifilm/Thriller - und dem Genre ist der Film durchaus beizuordnen - gerät immer einen Beat neben der Erwartungshaltung, die entsprechend ahnungsloses Publikum so mitbringen kann.
Dafür dürften Anhänger des charakterlichen Dramas sich umso mehr beschenkt fühlen.
Mehrfach sind im Film Filme und TV-Serien auf Fernsehern und Kinoleinwänden eingespielt - immer genau auf den Punkt der ihnen beiwohnenden Konsumenten/Figuren abgestimmt.
Am passendsten natürlich, als Phil und Nicole ein Kunstkino besuchen und in einer Vorstellung dem französischen Klassiker "Ein Mann und eine Frau" von Claude Lelouch beiwohnen - und Phil eine entsprechende Haltung dem Film gegenüber zeigt (gänzlich in seiner Körpersprache). Da ist ihm "Moby Dick" - als Chiffre für den "weißen Wal" den jeder nach Phils Auffassung auf die eine oder andere Art jagt - doch wesentlich näher...
Und als am Ende Gerechtigkeit erfahren werden kann, sieht die doch schon ein ganzes Stück anders aus, als man von einem Mainstreamfilm - und als solcher wurde er verkauft - erwarten kann.
Dass dies NICHT das Ende ist, versteht sich. Irgendwie.
Ein zutiefst zynischer Film. Ein Männerfilm aus jenem Jahrzehnt als Männer noch Männer waren - dennoch mit einer Sanftheit versehen, die Staunen macht. Und an den weiblichen Figuren, die von dem Wirken der Männer irreparabel getroffen wurden mehr interessiert ist, als man erwarten durfte.
Da darf, nein MUSS man sich als Kerl doch schon ein Stück weit für schämen.
Für diejenigen unter Euch, die an den lange verschütteten Werken die hier und da den Weg ans Tageslicht Richtung DVD-Player finden ihre Freude haben, eine fette Empfehlung (Augenblicklich taucht der in diversen Unterhaltungselektronikmärkten für kleines Geld auf dem Angebotstisch auf!).
__________________
"God gave us our relatives; thank God we can choose our friends." - Ethel Watts Mumford - (quoted in "Mary & Max")
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