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Alt 22.04.2008, 23:20
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Standard AW: Gone Baby Gone - Kein Kinderspiel - Ben Affleck, 2006

An Gone Baby Gone bin ich mit Vorsicht herangegangen: Mystic River (Vorlage auch von Dennis Lehane) hat mich damals so mitgenommen, dass ich mir das nicht nochmal antun wollte.

Präziser zu Mystic River:

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Warum tut die Frau von Jimmy (Sean Penn) so, als hätte er eine Medaille verdient, weil er seinen stotternden, gebrochenen Kindheitsfreund abgestochen hat? Warum bleibt Sean (Kevin Bacon) ganz locker, obwohl er weiß, was passiert ist? Im Buch versichert er der Witwe wenigstens, dass er Jimmy für den Mord kriegen wird. Im Film scheint er dagegen vollauf zufrieden und gleichgültig, als die aufgelöste Witwe bei der Parade vorbeiläuft.
Ja, Filme mit deprimierendem Ende sind eine Seltenheit, aber manchmal geht mir sowas schon so an die Nieren, dass mir ein Happy End lieber wäre.


Nun zu Gone Baby Gone:

Während des ersten Akts war ich zuversichtlich nicht niedergeschmettert zu werden, da der Film einen ganz eigenen Humor hat, z.B. Ed Harris als abgebrühter Cop, den nichts erschüttern kann, und Sachen sagt wie:

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"Oh, sounds familiar."
"No. It don't "sound familiar", Helene. He's a violent sociopathic Haitain criminal named Cheese. Either you know him or you don't."


Mit dem ersten Höhepunkt, in diesem Fall besser gesagt, mit der ersten Katastrophe gerät der Film etwas ins Trudeln.

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Casey Affleck findet zufällig ein weiteres entführtes Kind --> Ed Harris verplappert sich --> Erste Aha-Rückblende --> Cops beim Verhör erwähnen eine Ungereimtheit --> Zweite Aha-Rückblende --> Casey Affleck geht noch eine Stufe höher = Morgan Freeman hat das Mädchen


Obwohl ich mir bei dieser Auflösung dachte "Das darf noch wohl nicht wahr sein.", stand ich während der letzten zehn Minuten wieder am Rand des Mystic River-Lochs. Ich bin aber nicht reingestürzt, was einerseits bedeutet, dass Ben Affleck es nicht geschafft hat, mich emotional so stark zu involvieren wie Eastwood, andererseits kann ich jetzt, wenn ich das hier fertiggeschrieben habe, etwas anderes machen, ohne dass mir der Film im Kopf rumort.
Was mich bei Gone Baby Gone beschäftigt:

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Ich bin prinzipiell der Meinung des pensionierten Polizeiermittlers. Eine biologische Mutter und eine fürsorgende Mutter müssen mMn nicht die selbe Person sein. Der Privatermittler bringt auch ein seltsames Argument, wenn er sagt "You should have contacted social services!" Das heißt also: So lange eine staatliche Stelle über das Leben eines Kindes entscheidet, soll es in Ordnung sein, wenn es von ihrer Mutter wegkommt; wenn ein Polizist und Vater diese Entscheidung trifft, aber auch zugebenermaßen radikale Mittel dafür anwendet, muss das Kind in jedem Fall wieder zurück, selbst wenn es ihr besser geht? Ich spreche hier natürlich nicht von der richtigen Welt, sondern denke nnerhalb der Logik des Films; und hier ist die Frau sicher keine Person, die für ein Kind sorgen kann, während der Polizeichef dem Kind ein gutes Leben bietet. Die Frage "Wer darf über ein Kind entscheiden bzw. Welche Mittel sind dafür anzuwenden?" wird wohl absichtlich nur aufgeworfen, und nicht beantwortet. Darauf hat Dennis Lehane (bzw. Drehbuchautor Affleck + Kollege) wohl auch keine Antwort. Das Schlussbild kommt mir so vor, als wäre der Privatermittler nun für das Mädchen zuständig, während die Mutter wieder nur Mist baut. Da hätte er sie auch gleich dort lassen können, wo sie war.
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