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Alt 10.09.2007, 22:59
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Marlowe Marlowe ist offline
Bohemien
 
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Standard Die Dünner-Mann-Reihe (1934-1947)

Die Handlung ist schnell erklärt und spielt sich in allen Teilen ungefähr gleich ab: Nick Charles (William Powell), Ex-Detektiv-Ass, möchte sich eigentlich nur noch um Cocktails und das Vermögen seiner Frau Nora (Myrna Loy) kümmern. Doch irgendwie wird er doch immer wieder in Mordermittlungen hineingezogen, zumal Nora das Detektivspielen einen Riesenspaß macht...

Ja, mehr muss man eigentlich nicht dazu sagen, denn die Krimi-Handlung ist in allen sechs Teilen vor allem Aufhänger für herrlichen Dialogwitz, muntere Slapstick-Einlagen und ein Schaulaufen von William Powell und Myrna Loy, bei dem es nur so knistert. Krimi-Handlung im Geschmack der Zeit (wobei die üblichen Schemen dabei schon persifliert werden) trifft auf Screwball-Komödie vom Feinsten. Ein Heidenspaß. Noch dazu ist William Powell mit seiner lässigen Gentleman-Attitüde eine Stilikone. Und Myrna Loy ist in dieser Rolle ziemlich genau die Frau, von der die Männer träumen... Naja, Männer wie ich zumindest.

Soweit sind sich Filmfans einig, doch dann überraschte mich Phileas' Äußerung im Einkaufslisten-Thread, der fünfte Teil sei der einzige Ausfall der Serie. Das sehe ich anders, und um die Diskussion in Gang zu bringen, gebe ich mal meinen Senf zu den einzelnen Teilen ab:

Der dünne Mann / The Thin Man (1934): Zurecht ein Klassiker. Das Drehbuch von Dashiell Hammett strotzt nur so von herrlichen Geistreichheiten. Der fantastische Auftakt zu einer fantastischen Serie. Überrascht hat mich die Info, dass Regisseur W.S. "One Take Woody" Van Dyke diesen Hit offenbar in nur zwölf Tagen runtergekurbelt hat...
Nach dem dünnen Mann / After The Thin Man (1936): Gefällt mir persönlich fast noch besser als der erste. Das Team ist eingespielt, die Gags kommen mit der gleichen Brillanz, aber höherer Schlagdichte, die Krimihandlung ist nicht ganz so um düstere Atmosphäre bemüht, und so ganz nebenbei sieht man James Stewart in seiner ersten größeren Rolle.
Noch ein dünner Mann / Another Thin Man (1939): Immer noch gut, aber irgendwie ist die Luft ein wenig raus. Dashiell Hammett lieferte immerhin noch die Vorlage, war aber am Drehbuch nicht mehr beteiligt, dem auch promt ein wenig die Spitzen fehlen. Trotzdem noch ein guter Film. Was man von
Der Schatten des dünnen Mannes / Shadow of the Thin Man (1941) imho nicht sagen kann. Im ersten "dünnen Mann" ohne Hammett-Beteiligung ist die Krimi-Handlung an den Haaren herbeigezogen, die Gags plumper Klamauk, der Sohn der Detektive aus Continuity-Gründen in ein, zwei (nervigen) Szenen stiefmütterlich eingebaut... Wenn die Serie einen Tiefpunkt hat, dann ist der hier. Mit
Der dünne Mann kehrt heim / The Thin Man Goes Home (1944) kehrt die Serie in Form einer Provinzposse wieder zu ihren Tugenden zurück und liefert urkomische Slapstick-Einlagen, wie sie nur Darsteller vom Kaliber Powell/Loy so gut hinbekommen. Zwar vermisst man auch hier die spitze Feder von Hammett in den Dialogen, doch sind sie wieder deutlich frischer als im unglücklichen vierten Teil, und die Auswechslung des Regisseurs (Urheber der ersten vier Teile war W.S. Van Dyke, hier übernahm Richard Thorpe) scheint der Sache frischen Wind zu geben. Bevor sie mit
Das Lied vom dünnen Mann / Song Of The Thin Man (1947) zum Ende kommt - und wie! Etwas weniger humorig, dafür aber mit enorm viel Atmosphäre und toller Swing-Musik.

Ein paar Worte noch zur Dünner-Mann-DVD-Box: Da schwelgt der Nostalgiker. Jede Disc bietet einen Kurzfilm (von wechselnder Qualität, aber auch gute darunter), einen Cartoon aus der Zeit und Trailer als Extras, eine Bonus-Disc beinhaltet Dokus über William Powell (fand ich etwas enttäuschend) und Myrna Loy (die dafür erstklassig) sowie eine Episode der "Dünner Mann"-TV-Serie aus den 50ern. Und obendrein einen Pappschuber im geschmackvollen Art-Deco-Design. Die Anschaffung lohnt sich.
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Marlowe interessiert sich einen Dreck dafür, wer Präsident ist; ich ebenso, weil ich weiß, es wird ein Politiker sein.
Raymond Chandler
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